Zusatzstoffe im Futter: Was, wie viel und warum?

Zusatzstoffe im Futter

Viele Tierbesitzer achten heutzutage sehr auf die Qualität des Futters, mit dem sie ihren Vierbeiner ernähren. Oft hört man besorgte Tierbesitzer sagen, dass sie unbedingt ein Futter ohne Zusatzstoffe füttern wollen. Denn häufig denken sie, dass ein Futter nur hochwertig sein kann, wenn nichts zugesetzt wurde. Das wirft Fragen nach dem Sinn oder Unsinn der Zusatzstoffe im Futter auf. Dabei wissen viele gar nicht, dass der Begriff „Zusatzstoff“ ein Sammelbegriff für ganz verschiedene Stoffklassen ist. Einige davon sind sogar äußerst wichtig für Hunde und Katze. Was hat es also auf sich mit den Zusatzstoffen im Futter?

Was sind Zusatzstoffe?

Im „Kleingedruckten“ auf der Verpackung von kommerzieller Hundenahrung findet man folgende Informationen:

  • Angaben zu den enthaltenen Rohstoffen
  • Angaben zum Nährstoffgehalt
  • Auflistung der sogenannten Zusatzstoffe im Futter

Futtermittelzusatzstoffe sind definiert als Stoffe, die nicht zu den Rohstoffen – den Hauptzutaten oder Ausgangserzeugnissen – des Futters gehören. Sie werden der Tiernahrung bewusst zugesetzt, um  eine spezielle Funktionen zu erfüllen. Bei Hundenahrung sind dies vor allem zwei: den Ernährungsbedarf der Hunde zu decken und die Eigenschaften des Futters positiv zu beeinflussen.

Zusatzstoffe im Futter: Warum überhaupt?

Häufig wird die Frage gestellt: Warum gibt es überhaupt Zusatzstoffe im Futter für Hunde und Katzen? Der Zusatz von Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien ist manchmal erforderlich, um die Deckung des gesamten Nährstoffbedarfs eines Tieres bei ausschließlicher Fütterung des jeweiligen Futtermittels sicherzustellen.

Der Zusatz von natürlichen Aromen dient bei Hund und Katze in erster Linie dazu, den Geruch und Geschmack der Produkte zu verbessern. Damit wird die Nahrung für Hunde und Katzen besonders schmackhaft.

Nur mit EU Zulassung

Zusatzstoffe dürfen kommerzieller Tiernahrung nur zugesetzt werden, wenn sie in der EU zugelassen sind. Für eine solche Zulassung müssen ihr Nutzen, das heißt ihre Eignung für den angestrebten Zweck, wie z.B. Konservierung, nachgewiesen werden. Auch ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit muss belegt werden. Eine gute Praxis der Futterproduktion sieht vor, dass Zusatzstoffe sparsam und in der geringst möglichen, für den jeweiligen Zweck erforderlichen Menge eingesetzt werden.

Zusatzstoffe im Futter: vier von fünf möglichen Gruppen

Das Futtermittelrecht teilt die Zusatzstoffe in 5 funktionelle Gruppen ein, von denen vier für die Herstellung von Hundenahrung relevant sind:

  1. Technologische Zusatzstoffe: Stoffe, die dem Futter aus technologischen Gründen zugesetzt werden, um das Futter beispielsweise länger haltbar zu machen. Technologische Zusatzstoffe sind z.B. Konservierungsstoffe und Antioxidationsmittel, Emulgatoren und Stabilisatoren.
  2. Sensorische Zusatzstoffe: Stoffe, die dem Futter zugesetzt werden, um seine mit den Sinnen wahrnehmbare Eigenschaften zu verbessern oder zu verändern. Durch Aroma- und Farbstoffe können die Kroketten geschmacklich und optisch verbessert werden.
  3. Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe: Sie dienen der Deckung des Nährstoffbedarfs und sorgen dafür, dass das Nährstoffprofil eines Futters ausgewogen ist. Typische Vertreter sind Vitamine und Spurenelemente.
  4. Zootechnische Zusatzstoffe: Stoffe, die das Wohlbefinden und die Leistung gesunder Tiere positiv beeinflussen sollen. Hierzu gehören vor allem Stoffe, die die Verdauung erleichtern, wie z.B. Enzyme, und die Darmflora stabilisieren, wie beispielsweise Probiotika. Auch das bei Hunden und Katzen zur Ansäuerung des Urins zugelassene Ammoniumchlorid findet sich in dieser Gruppe wieder.

Die fünfte Gruppe ist für Hund und Katze nicht relevant. Sie umfasst Fütterungsarzneimittel zur Vorbeugung gegen Einzeller- Darmparasiten bei Nutztieren, vor allem bei Geflügel.

Sind Zusatzstoffe im Futter gesundheitsgefährdend?

Zusatzstoffe im Futter gehören zu den am besten untersuchten Lebens- und Futtermittelzutaten. Grundsätzlich ist ihr Einsatz an drei Bedingungen geknüpft.

Ein Zusatzstoff wird nur zugelassen, wenn er:

  1. gesundheitlich unbedenklich ist
  2. den Tierbesitzer nicht über die Qualität des Futters täuscht
  3. einen notwendigen und nachgewiesenen Nutzen hat

Die Prüfung der Zusatzstoffe erfolgt durch die Wissenschaftlichen Ausschüsse der EU, die die Zulassung erteilen und dem jeweiligen Zusatzstoff eine E-Nummer verleihen. Das strenge Zulassungsverfahren kann im Einzelfall 10 Jahre und länger dauern. Es stellt sicher, dass keine gefährlichen oder krebserregenden Stoffe als Futterzusätze zugelassen werden. Für einen gesunden Vierbeiner besteht daher durch Zusatzstoffe im Futter keine Gesundheitsgefahr. Viele Zusatzstoffe kommen sogar natürlich in Lebensmitteln vor, zum Beispiel finden in sich der der Gruppe der sensorischen Zusatzstoffe viele Kräuter und Gewürze wie Thymian, Zimt oder Salbei.

Zusatzstoffe unterliegen zudem einer ständigen Kontrolle: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die auf ein Gesundheitsrisiko für Tiere hinweisen, können dazu führen, dass eine Zulassung widerrufen wird. So geschehen für das beim Hund seit Langem kontrovers diskutierte Etoxiquin: Die Zulassung wurde aufgehoben.

Lösen Konservierungsstoffe Allergien aus?

Nein. Ganz auszuschließen ist eine Allergie auf einen Zusatzstoff zwar nicht, denn prinzipiell kann ein Hund auf jeden Futterinhaltsstoff allergisch reagieren. In den meisten Fällen ist der Auslöser jedoch eine Proteinquelle im Futter. Zusatzstoffe werden zwar oft zuerst verdächtig, sind aber nur sehr selten der Grund für eine Futtermittelallergie. Denn das allergene Potenzial eines Zusatzstoffs wird bei der Zulassung ebenfalls überprüft. Ein Hinweis auf eine erhöhte Allergenität im Vergleich zu anderen, üblichen Bestandteilen der Nahrung führt dazu, dass keine Zulassung erfolgt. Darüber hinaus sind viele Zusatzstoffe, z.B. aus dem Bereich der Konservierungsstoffe, chemisch gesehen so klein und einfach aufgebaut, dass das Immunsystem des Hundes sie eher „uninteressant findet“ und keine ausgeprägte Reaktion auf sie zeigt.

Wie kann es dann im Einzelfall vorkommen, dass ein Hund doch eindeutig auf einen Zusatzstoff allergisch reagiert? Die kleinen Zusatzstoffe verbinden sich mit anderen, größeren Molekülen, meist Eiweißstoffen aus dem Futter, zu einem größeren Komplex. Dieser kann das Immunsystem stärker und unverwechselbar „beeindrucken“: Beim wiederholten Kontakt kommt es dann zur allergischen Reaktion.

Viele Zusatzstoffe im Futter = minderwertiges Hundefutter?

Hundehalter werden immer wieder durch Gerüchte verunsichert, dass Tiernahrung mit schlechter Qualität viele Zusatzstoffe zugesetzt werden, um ihre Qualität „künstlich zu verbessern“. Dies liegt keineswegs im Interesse seriöser Tiernahrungshersteller und ist gesetzlich nach geltendem Lebens- und Futtermittelrecht verboten. Dem Futter einen besseren Anschein im Bezug auf seine Qualität zu geben, als es tatsächlich hat, erfüllt den Tatbestand der Täuschung des Verbrauchers.

Fakt ist: Die wesentlichen Kriterien einer hochwertigen Hundenahrung lassen sich durch Zusatzstoffe gar nicht beeinflussen. Die Frische eines Produktes wird z.B. durch die sorgfältige Lagerung und zügige Verarbeitung der Rohstoffe sowie die sorgfältige Verpackung und Aufbewahrung des fertigen Produktes viel stärker beeinflusst, als es der Zusatz von Konservierungsmitteln und Antioxidanzien je könnte. Im Übrigen würde letzteres einen begonnenen Prozess  des Verderbs, z. B. durch Oxidation unter dem Einfluss des Luft-Sauerstoffs, Schimmelbildung oder Bakterienbefall, auch nicht wieder umkehren. Auch eine gute Verdaulichkeit hängt in erster Linie von der Rohstoffauswahl und darüber hinaus von der Art der Zubereitung ab. Und selbst wenn es möglich wäre, minderwertiges Futter durch den massiven Einsatz von Zusatzstoffen zu verbessern: Aus ökonomischer Sicht würde sich der Versuch kaum lohnen, denn Zusatzstoffe müssten teuer eingekauft und exakt dosiert werden.

Futter ohne Zusatzstoffe?

Um es klar zu sagen: ein Futter ganz ohne Zusatzstoffe kann weder ein Alleinfutter für Hunde oder Katzen sein noch wäre es monatelang in der gewünschten Optik und Konsistenz haltbar. Vermarktet jemand ein Futter mit dem Hinweis „frei von Zusatzstoffen“, handelt es sich meist um ein Ergänzungsfutter: Hier muss der Tierbesitzer  selbst noch die fehlenden Nährstoffe hinzufügen, um eine vollständig bedarfsdeckende Ration zu erhalten. Alternativ setzen Hersteller die Zusatzstoffe zwar nicht selbst zu, kaufen aber Rohstoffe ein, die bereits die entsprechenden Zusätze enthalten. Dann muss er diese nach geltendem Futtermittelrecht selbst nicht auf seinem Produkt deklarieren.

Bei Feuchtnahrung ist der Hinweis „ohne Konservierungsstoffe“ schlicht irreführend. Die Konservierung geschieht hier durch die Hocherhitzung des Futters in einem luftdicht abgeschlossenen Gefäß (Dose, Aluschale oder Folienbeutel). Ein Zusatz von Konservierungsstoffen ist somit nicht erforderlich und eine solche Angabe eine unzulässige „Werbung mit Selbstverständlichkeiten“, denn die Auslobung trifft auf alle Produkte dieser Kategorie zu.

Übrigens: Nur weil keine Zusatzstoffe auf der Verpackung angegeben sind, heißt das noch nicht, dass das Futter keine enthält. Es müssen nämlich nur die Zusatzstoffe angegeben werden, für die eine zulässige Höchstmenge im Futtermittelrecht festgelegt wurde. Bei allen anderen ist die Angabe nicht verpflichtend.

Fazit

Der Fütterungserfolg, den man beim Hund an einem glänzenden Fell, lebhaftem Verhalten, kleinen gut geformte Kotmengen und dem dauerhaften Erhalt eines normalen Körpergewichts erkennt, lässt sich nicht vortäuschen. Schon gar nicht durch den Einsatz vermeintlich gesundheitsschädlicher Zusatzstoffe im Futter. Gute Tiernahrung verwendet  qualitativ hochwertige Rohstoffe und ist auf den individuellen Bedarf des Hundes oder der Katze zugeschnittenen.

Dieser Artikel ist im Original hier erschienen: PARTNER HUND, Ausgabe 05/2018


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