Wolf Science Center: Die Beziehung zwischen Wolf, Hund & Mensch

Wolf Welpe Wolf Science Center

Welches Tier ist dem Wesen nach dem Menschen am ähnlichsten? Es ist der Wolf, der „Stammvater“ des Hundes. Mit ein Grund, warum es sich ROYAL CANIN zur Aufgabe gemacht hat, die Forschungsarbeit des einmaligen Wolf Science Center von Anfang an zu unterstützen.

Ziel des Forschungsprojektes Wolf Science Center (WSC) in Ernstbrunn ist es, in einem Modell, das Hunde, Wölfe und Menschen umfasst, einen Einblick in die evolutionären, emotionalen und kognitiven Prozesse von Kooperation und deren Entwicklung zu gewinnen.

ROYAL CANIN besucht das WSC

Erwartungsvoll und zugegebenermaßen auch etwas nervös trifft das ROYAL CANIN-Team im Wildpark Ernstbrunn (NÖ) ein. Wir machen uns auf den Weg zum Wolfsgehege, wo uns Friederike Range, Zsofia Viranyi und Kurt Kotrschal bereits erwarten – nicht etwa außerhalb des Zauns, sondern inmitten eines Rudels schlafender Jungwölfe. Die drei GründerInnen des „Wolf Science Centers“ führen uns durch die Schleusen ins Gehege und lassen uns auf einer Bank Platz nehmen. Dahinter befindet sich ein kleiner Hügel, auf dem vier Wölfe gerade ihren Mittagsschlaf halten. Alles ist ruhig, auch unser Puls nähert sich wieder dem Normalzustand. Wir sehen die Wolfswelpen „Amarok“, „Una“, „Chitto“ und „Tala“ aus Amerika sowie „Wamblee“ und seine Schwester „Kay“ aus Kanada.

Minuten später folgt das große Erwachen: Die Wölfe strecken sich kräftig durch, gähnen genüsslich und nehmen wahr, dass Besuch da ist. Langsam nähern sich die Tiere und beginnen, uns zu beschnuppern. Auch das eine oder andere Bussi wird verteilt, und Streicheleinheiten werden genossen. Wir befinden uns mitten in einem Rudel junger Wölfe, die dem Verhalten nach jungen Hundewelpen gleichen, aber keine sind. „Es sind Tiere, die gelernt haben, den Menschen als Partner zu akzeptieren, Pfote zu geben und auf Kommandos wie „Sitz“ und „Platz“ zu hören, aber sie tragen immer noch das Naturell eines wilden Tieres in sich“, macht uns Dr. Viranyi deutlich. Sie hat sich als Biologin mit Kognitionsforschung beschäftigt und legt als Verhaltensbiologin ihren Schwerpunkt auf Hunde.

Leben mit Wölfen

Schwarze Wölfe im Gehege

Prof. Kotrschal, Verhaltensbiologie und „Wissenschaftler des Jahres 2010“, erklärt uns, inwieweit sich das Leben eines Wolfes in freier Wildbahn von dem seiner Artgenossen im WSC unterscheidet: „Der Unterschied liegt am Beginn ihres Lebensweges: Die Welpen werden in den ersten Tagen von der Wolfmutter gesäugt. Aber noch bevor die Jungen mit etwa zehn bis zwölf Tagen ihre Augen öffnen, wechseln sie in die Obhut menschlicher Zieheltern. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Wölfe ein Grundvertrauen zu Menschen im Allgemeinen und eine von gegenseitigem Respekt gekennzeichnete Beziehung zu bestimmten (Bezugs-)Personen aufbauen.“

Beides ist wichtig, sonst wäre die Forschungsarbeit des Wolf Science Center nicht möglich. Und auch nicht das stressfreie Leben, das die Tiere hier in Ernstbrunn in den mehrere tausend Quadratmeter großen und artgerecht angelegten Gehegen erwartet. Dr. Range, Dr. Viranyi und Prof. Kotrschal haben ihre Wölfe von Anfang an begleitet, und dazu gehört mehrmaliges tägliches Fläschchengeben – natürlich auch nachts – ebenso dazu wie bei den Tieren zu schlafen, mit ihnen zu rangeln und zu kuscheln. Das heißt, das WSC-Team – bestehend aus den drei WissenschaftlerInnen und vier TrainerInnen/TierpflegerInnen – verbringt mit den Wölfen nicht nur Stunden der Beobachtung und Forschung, sondern lebt quasi mit ihnen.

Achtsame Forschung im Wolf Science Center

Wir betreten das Forschungshaus am Gelände des WSC. Hier werden die Wölfe, aber auch Hunde, die unter den exakt gleichen Voraussetzungen aufgewachsen sind wie ihre „wilden“ Verwandten, diversen Tests unterzogen. Versuche dahingehend, dass die Tiere beispielsweise verschiedene Kommandos erhalten und ihre Reaktionen darauf verglichen werden. So finden sich in den Räumlichkeiten etwa spezielle Touchscreens, die von den Vierbeinern mit der Nase bedient werden können. Trainiert wird auch der Blickkontakt zwischen Mensch und Wolf, der – entgegen bisheriger Meinung – sichtlich funktioniert, ebenso wie das Reagieren auf Zeichen eines Demonstrators, ob Mensch oder Hund.

In der Nähe des Hauses befindet sich ein 10 Meter langes und 2,5 Meter breites Laufband, übrigens das größte der Welt: „Hier erforschen wir die gesamte Physiologie der Wölfe, das bedeutet, dass wir ihren Energieverbrauch während des Laufens ermitteln können, ihre Herzschlagrate, aber auch das Verhalten, wenn wir mehrere Wölfe gleichzeitig auf dem Band laufen lassen. Dies gibt Aufschluss über Organisation der Tiere untereinander, z. B. bei der Jagd“, erklärt uns Dr. Range, der kürzlich der Wissenschaftspreis auf dem Gebiet „Vergleichende Ansätze zu Lernen und Verhalten“ von der „American Psychological Association“ verliehen wurde.

Mensch und Wolf

Wolf im WaldHier schließt sich der Kreis: Denn das Verhalten von Hund und Wolf ist dem Verhalten des Menschen sehr ähnlich, was Kooperation, Sozialisierung und Organisation betrifft. Wenig überraschend, de nn betrachtet man die Geschichte der Menschheit, so lässt sich festhalten, dass Mensch und Wolf (in Form von Hunden) wahrscheinlich seit länger als 50.000 Jahren miteinander leben. Der Hund gilt nicht ohne Grund als treuester Partner des Menschen. Hat er früher beschützt, bewacht und bei der Jagd maßgeblich geholfen und so das Überleben gesichert, so sorgt er heute darüber hinaus für unser mentales und gesundheitliches Wohlergehen, indem er uns liebt, bewegt – und braucht.

Brauchen tun uns Menschen die Wölfe nicht, aber die WSC-WissenschaftlerInnen haben bewiesen, dass Mensch und Wolf in einer achtsamen, respektvollen und wertschätzenden Art miteinander als Partner leben können. „Das Grundvertrauen eines Hundes, der in einem sicheren und liebevollen Umfeld aufwächst, sehen wir Menschen als gegeben an. Mit einem Wolf muss man sich das Geschenk des Vertrauens sehr einfühlsam und mit großer Sorgfalt erarbeiten“, erklärt der Experte. Und wir können bestätigen: Dies ist im „Wolf Science Center“ eindrucksvoll gelungen. Nicht umsonst hat das WSC das Interesse von Forschern aus der ganzen Welt auf sich gezogen.

Weitere Informationen zum Wolfforschungszentrum finden sie hier.