Warum gibt es spezielles Futter für kastrierte Hunde?

Futter für kastrierte Hunde

Die Kastration zählt heutzutage zu den häufigsten operativen Eingriffen in einer Kleintierpraxis. Bei der Operation, die unter Vollnarkose durchgeführt wird, werden der Hündin die Eierstöcke zum Teil inklusive der Gebärmutter und beim Rüden die Hoden entfernt. Das hat weitreichende Folgen, von denen nicht alle vom Hundebesitzer erwünscht sind. Die Entscheidung dafür will daher gut überlegt sein. In jeder guten Tierarztpraxis erfolgt eine gründliche Aufklärung im Vorfeld der Operation. Der nachfolgende Artikel beleuchtet die Auswirkungen auf die Ernährung und warum es spezielles Futter für kastrierte Hunde gibt.

Was ist vor und nach der Kastration zu beachten?

Für die Operation muss der Hund nüchtern sein, das heißt in der Regel fällt am Tag vor dem Eingriff die Abendmahlzeit aus. Wasser darf bis kurz vor der OP getrunken werden. Nach dem Eingriff kann der Schluckreflex des Hundes durch die Narkose am Tag der Operation noch beeinträchtigt sein. Außerdem kann es durch die Nachwirkungen der Medikamente und des Eingriffs zu Übelkeit und Erbrechen kommen, wenn zu schnell wieder angefüttert wird.

Sobald der Hund wieder vollständig bei Bewusstsein ist, sollte ihm frisches Wasser zur Verfügung gestellt werden – zunächst unter Aufsicht. Wann das erste Mal Futter verabreicht werden darf, hängt vom Einzelfall ab und sollte mit dem Tierarzt besprochen werden. In der Regel kann spätestens am Tag nach der Kastration mit der Fütterung kleiner Portionen begonnen werden.

Ist eine Futterumstellung nach dem Eingriff notwendig?

Ja, denn durch die Kastration sinkt der Energiebedarf eines Hundes um durchschnittlich 30 Prozent. Das heißt, selbst wenn vorher bei der Fütterung alles richtig gemacht wurde und der Hund immer normalgewichtig war, wird er bei Beibehaltung der gewohnten Futtersorte und -menge höchstwahrscheinlich zunehmen. Wird das Futter zur freien Verfügung angeboten, verschärft sich das Problem, da bei vielen kastrierten Hunden der Appetit steigt, während gleichzeitig die spontane körperliche Aktivität eher sinkt. Unter diesen Voraussetzungen kann Übergewicht besonders leicht entstehen.

Anderes Futter für kastrierte Hunde oder nur reduzierte Menge?

Weniger vom alten Futter zu füttern, ist oft nicht die beste Lösung. Als Hundebesitzer bekommt man die erforderliche Ernährungsumstellung meist besser hin, wenn diese mit einem Wechsel zu einem energieärmeren Futter verbunden ist. Dann sind die Futterportionen ähnlich groß wie vorher und man hat nicht das Gefühl, dass der Hund „doch jetzt viel zu wenig bekommt“. Auch für den Hund ist es wichtig, dass er nach der Kastration nicht mit sehr kleinen Futterportionen „abgespeist“ wird. Nicht wenige Hunde reagieren deutlich auf diese Einschränkung, z.B. durch massives Bettelverhalten oder Futterstehlen Auch menschliche Lebensmittel sind dann nicht mehr sicher. Ein Wechsel zu einem Futter für kastrierte Hunde ist daher zum Zeitpunkt der Kastration durchaus sinnvoll.

Was ist das Besondere am Futter für kastrierte Hunde?

Spezialnahrung für kastrierte Hunde berücksichtigt, dass der Appetit nach der Kastration häufig steigt, während gleichzeitig der Energiebedarf sinkt. Die täglich zu verabreichende Futtermenge ist bei solchen Nahrungen aufgrund des reduzierten Energie- und Fettgehalts höher als bei vergleichbarem Adult-Futter. Auch spezielle Fasermischungen aus Ballaststoffen (unlöslichen Fasern mit hoher Wasserbindungskapazität) und präbiotischen Fasern (lösliche Fasern, die von den Dickdarmbakterien als Nahrung genutzt werden können) sorgen für einen besseren Sättigungseffekt. So helfen sie, das Bettelverhalten des Hundes in Grenzen zu halten. Grundsätzlich sollten Hunde spätestens ab der Kastration kein Futter mehr zur freien Verfügung haben, um einer Gewichtszunahme vorzubeugen.

Überhaupt empfiehlt sich die „Es steht immer Futter da, wenn Du willst“-Methode nur in ganz wenigen Fällen für den Hund, denn nur sehr wenige Hunde schaffen es, die Futteraufnahme freiwillig ihrem Bedarf anzupassen. Das liegt zu einem daran, dass kommerzielle Fertignahrungen heute extrem schmackhaft sind. Zum anderen ist das natürliche Fressverhalten des Hundes eher darauf ausgelegt, „sich den Bauch vollzuschlagen, solange es ‚fette Beute’ gibt“ – denn in der Natur kam es durchaus auch mal vor, dass es danach tagelang nichts mehr gab. Dieser Situation sind unsere Haushunde so gut wie nie ausgesetzt. Trotzdem können viele von ihnen auch heute noch deutlich mehr als den einfachen Tagesbedarf auf einmal fressen: ihr Magen ist sehr dehnbar, im Gegensatz zu dem der Katze.

Die optimale Nahrung nach der Kastration

Futter für kastrierte Hunde, die folgende Eigenschaften aufweisen, sind besonders gut geeignet:

  • reduzierter Kaloriengehalt und angepasste Empfehlungen für die Tagesfuttermenge: 20 bis 30 Prozent weniger Energie als für einen unkastrierten Hund des gleichen Gewichts
  • Mischung verschiedener Nahrungsfasern: Ballaststoffe wie Futterzellulose und lösliche Fasern wie Flohsamen oder Fructo-Oligosachharide erzielen ein gutes Sättigungsgefühl
  • hochwertige Proteine in ausreichender Menge, um die Muskulatur zu erhalten
  • L-Carnitin zur Steigerung der Fettverbrennung

Wann muss die Umstellung auf Futter für kastrierte Hunde erfolgen?

Bereits in den ersten Monaten nach der Kastration kann Ihr Hund je nach Größe schon mehrere Kilo zugenommen haben, wenn keine Anpassung der Ernährung, etwa auf Futter für kastrierte Hunde, erfolgt. Um das Normalgewicht Ihres Hundes und damit seine langfristige Gesundheit zu erhalten, sollte die Ernährung sofort nach erfolgter Kastration umgestellt werden. Geeignete energiereduzierte Spezialnahrung gibt es beim Tierarzt oder im Fachhandel. Wer seinem Hund die Futterumstellung nicht direkt nach dem Eingriff zumuten möchte, kann auch schon 14 Tage vorher mit einem schrittweisen Wechsel vom alten auf das neue Futter beginnen.

Wie geht es weiter?

Es empfiehlt sich, den Hund nach der Kastration und der damit verbundenen Ernährungsumstellung zunächst alle zwei Wochen und dann einmal pro Monat zu wiegen. So kann festgestellt werden, ob eine Tendenz zur Gewichtszunahme vorhanden ist und entsprechend gegensteuert werden. Denn Übergewicht zu verhindern ist besser und einfacher als „Luxuspfunde“ wieder abbauen zu müssen. Ausreichende Bewegung ist ebenfalls wichtig. Animieren Sie Ihren Hund dazu, falls er nach der Kastration ruhiger werden sollte. Beobachtungen an einer Gruppe von deutschen Schäferhunden zeigten, dass kastrierte Hündinnen, die weiterhin trainiert wurden, im Vergleich zu nicht kastrierten Hündinnen kein Übergewicht entwickelten.

Wann sollte eine Kastration verschoben werden?

Die Antwort lautet: wenn der Hund vorher bereits übergewichtig ist. Denn aufgrund des reduzierten Energiebedarfs ist eine Gewichtsabnahme nach der Kastration schwieriger zu erzielen als davor. Darüber hinaus erhöht Übergewicht das allgemeine Narkose- und Operationsrisiko. Die richtige Reihenfolge lautet daher: „Erst Normalgewicht erreichen, dann kastrieren“, solange keine wichtigen medizinischen Gründe wie eine Gebärmutterentzündung bei der Hündin oder eine Prostataerkrankung beim Rüden für eine sofortige Kastration sprechen.

Dieser Artikel ist im Original hier erschienen: PARTNER HUND, Ausgabe 03/2018

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