Agility – Beliebt nicht nur bei Hunden

Experten stellen vor: Agility, eine Hundesportart, die Hundeführern bzw. Herrchen und Hund eine tolle Möglichkeit bietet, Konzentration, Schnelligkeit und Belastbarkeit als Team gemeinsam zu entwickeln. Neben dem Spaß beim Trainieren können eventuell auch noch sportliche Erfolge gefeiert werden.

Agility ist eine ursprünglich aus England stammende Hundesportart, ähnlich dem Springreiten. Hier geht es darum, gemeinsam mit dem Hund einen immer wieder neu vorgegebenen Hindernisparcours fehlerfrei und möglichst schnell zu absolvieren. Nachdem der Hundeführer den Parcours zuerst (ohne Hund) besichtigen darf, muss er dann den Hund (ohne Halsband etc.) nur mit Einsatz seiner Stimme und Körpersprache durch diesen führen. Heute ist aus der ursprünglichen Randsportart längst ein attraktiver Teamsport mit Vereinswesen und anspruchsvollen Wettbewerben bis in höchste Leistungsklassen geworden.

ROYAL CANIN Interview mit Agility-Hundesportlerinnen Susi Novak und Almut Bärtl

ROYAL CANIN: Ist Agility eine Hundesportart, die grundsätzlich jeder ausüben kann?

A. Bärtl: Im Prinzip kann sowohl jeder Mensch als auch jeder gesunde Hund Agility machen, wobei besonders große oder extrem kleine Hunde weniger dafür geeignet sind. Mit manchen Hunden sollte man aber aus gesundheitlicher Sicht besser kein Agility betreiben, da sie von ihren körperlichen Voraussetzungen eher nicht geeignet sind, wie schwere, große Rassen bzw. übergewichtige Hunde, aber z. B. auch solche mit einem besonders langen Rücken, wie der Dackel.

ROYAL CANIN: Sind manche Hunderassen eher geeignet?

Hund läuft durch TunnelS. Novak: Entscheidend ist sicher der Körperbau. Je wendiger, zarter gebaut und leichter ein Hund ist, desto einfacher kann er sich im Parcours biegen und wenden. Deswegen findet man vor allem Border Collies, Belgische, Australische oder Pyrenäen-Schäferhunde, Shelties, Pudel oder Terrier und natürlich auch Mischrassen mit ähnlichen körperlichen Voraussetzungen ganz vorne in den Ergebnislisten.

Royal Canin: Ist es nicht unfair, wenn ein Zwergpudel gegen einen Belgischen Schäferhund laufen muss?

A. Bärtl: Nein, denn genau aus diesem Grund wird beim Agility in drei verschiedenen Größenklassen gelaufen:

  • Small für alle Hunde bis
    34,99 cm Schulterhöhe
  • Medium ab 35 bis
    42,99 cm Schulterhöhe
  • Large für alle Hunde
    die größer sind.

ROYAL CANIN: Gibt es auch eine „Einteilung“ bei den Menschen?

S. Novak: Die einzige Gruppe, die altersmäßig getrennt gewertet wird, ist die Jugend, sonst werden alle Hundeführer – unabhängig von Alter und Geschlecht – gemeinsam beurteilt.

A. Bärtl: Außerdem gibt es für Menschen mit einer Behinderung bei einigen Turnieren die Möglichkeit, in einer eigenen Leistungsklasse anzutreten: bei der „Para-Agility“.

ROYAL CANIN: Um wieder zu den Hunden zurückzukommen: Laufen hier auch Anfängerhunde gegen ältere, erfahrenere Hunde?

S. Novak: Nein, natürlich nicht, denn neben den Größenklassen gibt es auch drei verschiedene Leistungsklassen (1, 2 und 3) bzw. auch eine eigene Oldie-Klasse für Hunde über sechs Jahre.

A. Bärtl: Mit einem jungen Hund beginnt man in der Klasse 1 zu starten, und kann mit entsprechenden Ergebnissen in die jeweils höhere Klasse aufsteigen.

S. Novak: Wobei man mit einem älteren Hund sofort in der Oldie-Klasse einsteigen kann.

Royal Canin: Wann darf man mit Agility-Training beginnen bzw. das erste Mal bei einem Turnier antreten?Hund Springt durch einen Reifen

A. Bärtl: Wir fangen mit unseren Hunden mit dem Gerätetraining erst an, wenn sie körperlich ausgewachsen sind und die nötige geistige Reife besitzen. Das ist je nach Rasse unterschiedlich, aber bei den meisten Rassen kann man als Richtwert etwa zwölf Monate nehmen.

S. Novak: Da in Österreich Hunde erst mit 18 Monaten bei einem Turnier das erste Mal antreten dürfen, besteht für uns auch keine Notwendigkeit, früher mit dem Gerätetraining zu starten.

ROYAL CANIN: Weil Sie gerade Geräte angesprochen haben: Welche Agilitygeräte gibt es?

A. Bärtl: Es gibt verschiedenste Sprünge wie Hürden, den Reifen, den Weitsprung oder die Mauer, einen Stofftunnel und festen Tunnel, den Slalom und schließlich noch die drei Kontaktzonengeräte A-Wand, Laufsteg und Wippe.

ROYAL CANIN: Unter Sprüngen und Tunnel kann ich mir etwas vorstellen, aber was sind Kontaktzonen?

S. Novak: Kontaktzonengeräte haben jeweils am Anfang und Ende andersfarbige Bereiche, in die der Hund mit mindestens einer Pfote hineinsteigen muss. Das dient zur Sicherheit des Hundes, damit er nicht von zu großer Höhe auf- oder abspringt und sich dadurch verletzen könnte.

ROYAL CANIN: Welches ist Ihrer Meinung nach das schwierigste Gerät für den Hund?

S. Novak: Das ist sicher der Slalom. Dieses Gerät, das aus zwölf Stangen mit 60 cm Abstand besteht, ist für den Hund sehr unlogisch, da er ja auf dem schnellsten Weg von A bis Z kommen möchte, aber im Slalom zickzack laufen muss.Hund läuft Slalom

A. Bärtl: Zusätzlich ist es sehr schwierig, dem Hund beizubringen, dass er den Eingang (man muss von der rechten Seite einfädeln) aus jedem Winkel schafft und das Gerät optimalerweise selbstständig fertig absolviert, egal, wohin sich der Hundeführer im Parcours weiterbewegt.

ROYAL CANIN: Wie bringt man einem Hund das alles bei?

S. Novak: Von Vorteil ist ein sehr wissbegieriger, lustiger und sportlicher Hund, der durch Spiel und/oder Futter leicht zu motivieren ist.

ROYAL CANIN: Wie sind Sie zu Agility gekommen, warum betreiben Sie diesen Sport?

S. Novak: Ich habe 1992 im Rahmen einer Hundeausstellung eine Agility-Vorführung gesehen und war sofort begeistert. Mir hat das tolle und exakte Zusammenspiel zwischen Hund und Mensch gefallen. Nachdem ich damals noch keinen eigenen Hund hatte, borgte ich mir einen Hund von Freunden aus, und das Agilityfieber hat mich bis heute nicht mehr losgelassen.

A. Bärtl: Bei mir war es ähnlich.  Ich sah meine erste Agility-Vorführung  ein paar Jahre später beim „Fest der Pferde“, da ich ursprünglich aus dem Pferdesport komme.

ROYAL CANIN: Welche Turniere gibt es? Gibt es verschiedene Bewerbe?

Hund Springt über agility-Hindernis

A. Bärtl: Als Anfänger oder mit einem jungen Hund beginnt man meist bei einer Ortsgruppenprüfung bzw. einem kleinen Turnier.

S. Novak: Für diejenigen, die mehr Herausforderung suchen, gibt es über das ganze Jahr verteilt diverse Cupturniere, aber auch größere Turniere mit Auslandsbeteiligung oder Turniere im Ausland. Bei manchen größeren Turnieren werden zusätzlich Mannschaftsbewerbe, in denen jeweils drei bzw. vier Teams gemeinsam zählen, abgehalten.

A. Bärtl: Im Sommer finden die Turniere fast ausschließlich im Freien statt, im Winter hauptsächlich in Hallen.

ROYAL CANIN: Welches ist das größte und wichtigste Turnier?

A. Bärtl: Die zwei Höhepunkte des Jahres stellen das „European Open“ und die FCI-Weltmeisterschaft dar. Das „European Open“ ist weltweit das wichtigste im Freien ausgetragene Turnier, bei dem alle Hunde (auch ohne Stammbaum) starten dürfen. Die Weltmeisterschaft findet in einer Halle statt und ist nur Hunden mit Stammbaum vorbehalten. Letztes Jahr gab es bei der FCI-Weltmeisterschaft 397 Starter aus 34 Nationen.

S. Novak: Da jedes Land zu diesen beiden Turnieren nur ein bestimmtes Kontingent an Startern (bei der WM maximal jeweils neun für den Einzelbzw. den Mannschaftsbewerb) entsenden darf, hat auch jedes Land seine eigenen Richtlinien und Qualifikationen.

ROYAL CANIN: Noch eine letzte Frage: Wo kann man Agility machen, und wohinkann ich mich wenden, wenn ich mit meinem Hund Agility ausüben möchte?

A. Bärtl: Heute bieten schon sehr viele Hundeschulen Agility an. Wir beide trainieren beim ÖGV Wiental in Mauerbach.

S. Novak: Am besten einfach bei einer Hundeschule oder bei einem Turnier vorbeischauen und sich informieren und ein eigenes Bild machen!

Mehr über unsere Interviewpartnerinnen:

Almut Bärtl: Ihre Agilitykarriere begann vor zehn Jahren mit ihrer heute 11,5 Jahre alten Gordon Setter-Hündin „Alma“ (vom Venusgarten), die aber mittlerweile in wohlverdienter Pension ist. Im Moment startet sie mit ihrer fünf Jahre alten Sheltie-Hündin „Ally“ („Top Secret of Summergarden“), mit der sie 2011 erstmals bei der Agility-Weltmeisterschaft teilnahm. Auf Turnieren und Seminaren sieht man Almut selten alleine, denn sie tritt meistens in Kombination mit ihrem Sohn Florian (ein Jahr), ihrem Mann Tobias und dessen Border Collie-Rüden „Joker“ auf.

Susi Novak: Sie betreibt seit 1993 Agility und gibt seit 15 Jahren Kurse und Seminare. Derzeit führt sie zwei Hunde im Agility („Minn“, Border Collie-Hündin, sieben Jahre, und „Jack“, Sheltie-Rüde, fünf Jahre). Zu ihrem Rudel zählen außerdem noch „Willie“ (Sheltie- Hündin, 15 Jahre, in Agility-„Pension”) und „Kwik“ (Kroatischer Schäferhund, 15 Monate), bei dem die Agility-Ausbildung gerade begonnen hat. Größter Erfolg von Susi und „Minn“: dritter Platz bei der Agility-Weltmeisterschaft 2009.

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