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Ich habe gehört, dass die innere Beschichtung von Feuchtfutterdosen Stoffe freisetzen kann, die bei Katzen eine Schilddrüsenüberfunktion hervorrufen. Stimmt das?

Die genaue Ursache der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) bei Katzen ist bisher ungeklärt. Als ein möglicher Risikofaktor wird die Verwendung von Feuchtnahrung diskutiert, weil die innere Beschichtung, die die Dosen vor Korrosion schützt, Bisphenol A (BPA) enthält. Dieser Stoff hat chemisch Ähnlichkeit mit den natürlichen Schilddrüsenhormonen. Es gibt bisher keine Daten, die einen gesicherten Zusammenhang zwischen Hyperthyreose bei Katzen und BPA oder der Fütterung von Feuchtnahrung allgemein eindeutig belegen. Mit in Folienbeuteln verpackter Feuchtnahrung steht besorgten Katzenhaltern eine garantiert BPA-freie Verpackungsvariante zur Verfügung. Auch bei allen anderen Katzenprodukten achtet Royal Canin darauf, BPA zu vermeiden. So sind zum Beispiel auch die Sauger für die Babycat-Milk frei von Bisphenol A.

Die Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) tritt vor allem bei älteren Katzen mit zunehmender Häufigkeit auf. Von 1987–1994 waren in Deutschland etwa 0.2% aller Katzen von einer Hyperthyreose betroffen. Bis zum Jahr 1998 war ein sprunghafter Anstieg der Erkrankungshäufigkeit auf 2.6% zu verzeichnen. In der Altersgruppe über 9 Jahre tritt die Erkrankung sogar noch deutlich häufiger auf: In England und Deutschland wurden Studien durchgeführt, die belegten, dass mehr als 10% aller älteren Katzen an einer Hyperthyreose litten. Um der bisher unbekannten Ursache der Erkrankung auf die Spur zu kommen, wurden in diversen Studien die Lebensumstände der erkrankten Katzen verglichen. Da viele Katzenhalter Feuchtnahrung verwenden, wurde unter anderem Dosenfutter mit dem gehäuften Auftreten dieser hormonellen Erkrankung bei Katzen in Zusammenhang gebracht. Die meisten Konservendosen sind  innen mit Kunststoff beschichtet, der die Chemikalie Bisphenol A (BPA) enthält. Es gehört zu den Epoxidharzen und verhindert die Korrosion der Dose. Auf diese Weise sichert es die Qualität und den Geschmack des Inhalts und die Haltbarkeit des Produktes. Diese Substanz ist den Schilddrüsenhormonen chemisch ähnlich und kann daher theoretisch die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen. Praktisch liegen die Mengen an BPA, die bei der Verwendung von Dosennahrung von einer Katze aufgenommen werden könnten, deutlich unter den für den menschlichen Verzehr festgelegten sicheren Grenzwert. Im Humanbereich ist BPA in vielen lebensmittelechten Hartplastik-Gegenständen enthalten z.B. in Trinkflaschen für Babys oder Vorratsdosen, denen es Haltbarkeit und Stabilität verleiht. Jedes Jahr werden Milliarden Tonnen dieser Industriechemikalie produziert und über 100 t in die Atmosphäre freigesetzt. BPA wurde bei stichprobenartigen Untersuchungen in Lebensmitteln und Getränken, in der Luft, im Hausstaub und im Boden nachgewiesen.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) legte für den Menschen einen Grenzwert für die unbedenkliche täglichen Aufnahmemenge (TDI-Wert, „tolerable daily intake“) von 0,05 mg pro Kilogramm Körpergewicht fest.  Diese Menge kann ein Mensch ein Leben lang täglich aufnehmen ohne dass unerwünschte gesundheitliche Wirkungen auftreten. Zum Vergleich: Nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO, 2010) nehmen  Säuglinge täglich höchstens ein Zehntel davon, also 0,005 Milligramm/kg Körpergewicht auf („Worst case-Annahmen“). Das Umweltbundesamt  kam in einer Untersuchung aus dem Jahr 2009 für Kinder im Alter von 3 bis 11 Jahren sogar auf noch deutlich niedrigere Werte, nämlich eine mittlere tägliche BPA-Aufnahme von 0,00006 Milligramm/kg Körpergewicht. Dieser Wert liegt sogar fast um den Faktor 1000 unter dem von der EFSA abgeleiteten TDI-Wert. Da BPA während des Herstellungsprozesses und während der Lagerung aus der Dosenbeschichtung in den Doseninhalt übergehen kann, erarbeitet die EFSA derzeit eine Neubewertung von BPA, die bis Mai 2013 abgeschlossen sein soll. Diese Bewertung wird vor allem auch neue Erkenntnisse über die möglichen Wirkungen von BPA-haltigen Dosen unterhalb des TDI berücksichtigen (Quelle: „Ausgewählte Fragen und Antworten zu Bisphenol A in verbrauchernahen Produkten“; aktualisierte FAQ des BfR vom 23. Mai 2012).

Zwar sind die im Katzenfutter nachgewiesenen BPA-Mengen minimal, bei lebenslanger täglicher Aufnahme sind jedoch nachteilige Effekte auf die Gesundheit, z.B. eine Beeinträchtigung der Schilddrüsenfunktion nach derzeitigem Stand der Forschung nicht vollständig auszuschließen. Für den Menschen und den Hund ist BPA weniger problematisch, da sie es nach Kopplung an Glucuronsäure in der Leber über die Niere sehr gut ausscheiden können. Bei der Katze ist dieser Stoffwechselweg jedoch eingeschränkt. Obwohl die Futterdosen nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft im Humanbereich als sicher in der Verwendung gelten können, richtet Royal Canin daher seine Forschung im Bereich Dosennahrung auf Alternativen zu BPA aus. Bis hier eine geeignete Substanz gefunden ist, stellt in Folienbeutel verpackte Feuchtnahrung („Pouch“, „Frischebeutel“) eine BPA-freie Alternative dar. Royal Canin bietet alle Feuchtnahrungen für Katzen inzwischen auch in diesem Format an.