Katzen verstehen: Wie deute ich "Katzensprache" richtig?

Katzen können auf vielfältige Weise über ihre Körpersprache kommunizieren. Sie nutzen Augen, Ohren und Schwanz, um ihre Gefühle auszudrücken und sich mitzuteilen. Je besser man die Körpersprache einer Katze deuten kann, desto besser kann man die Bedürfnisse der Katze verstehen und entsprechend respektieren. Auch wenn es eine Reihe grundlegender Gemeinsamkeiten in der Körpersprache von Katzen gibt, so existieren auch individuelle Unterschiede, die im Zusammenleben mit der eigenen Katze gelernt werden. Erfahren Sie hier, welche Grundlagen der Katzensprache Sie kennen sollten.

Ob aufgeregt oder müde – die Augen verraten es

Die Augen spielen nicht nur bei der Kommunikation zwischen Katzen eine große Rolle, sondern helfen auch dem Menschen, das Verhalten der Katze besser einzuschätzen. Dabei sind Details entscheidend, die ohne Erfahrung mit Katzen nur schwer auf den ersten Blick erkennbar sind. Alleine in der Kommunikation über die Augen gibt es drei Bereiche, über die Katzen verschiedene Stimmungen ausdrücken können:

1. Blickkontakt

Generell können die Augen bei rivalisierenden Katzen zwei Dinge signalisieren: Drohung oder Vermeidung von Konflikten. Indem sie sich lange anstarren, drohen sich Katzen beispielsweise bei Revierkämpfen. Vermeidet eine der Katzen den Blickkontakt, kann dies als Versuch gedeutet werden, einem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Dieses Verhalten erklärt auch, warum sich eine Katze häufig bei der Person auf den Schoß legt, die sie nicht so oft anguckt: Sie wirkt auf sie tendenziell friedfertiger.

2. Pupillengröße

Katzen drücken Signale auch über ihre Augen aus, indem sie die Lidstellung und Pupillengröße verändern. So können sich die Pupillen nicht nur bei Helligkeitsunterschieden blitzartig um das Vier- bis Fünffache der normalen Größe weiten, sondern auch bei großer Erregung. Wenn die Katze hungrig ist und ihr Lieblingsfutter im Napf erblickt, können sich ihre Pupillen ebenfalls stark weiten. Aber auch eine rivalisierende Katze führt mitunter zu weit geöffneten Pupillen und einer entsprechenden Körpersprache: „Erregung“ kann also sowohl Freude als auch Anspannung bedeuten. Sind die Pupillen hingegen verengt, deutet dies auf eine selbstbewusste und eher offensive Haltung der Katze hin.

3. Augenlider

Über die Augenlider vermitteln Katzen ebenfalls wichtige Signale. Weit geöffnete Lider deuten auf eine wachsame Katze hin, die ihre Umgebung genau beobachtet. Diese wachsame Haltung lässt sich oft beobachten, wenn Menschen oder Tiere anwesend sind, die die Katze nicht kennt. Hat die Katze die Augen nur halb geöffnet, signalisiert sie Entspannung und Sicherheit. Seltener kommt es vor, dass Katzen ihre Augen völlig schließen, während sie wach sind. Dieses Verhalten lässt sich als Abwehrhaltung oder Beschwichtigung des Gegenübers verstehen.

Katzenohren können mehr als nur hören

Die Ohren von Katzen sind äußerst beweglich und verändern ihre Position bei Geräuschen und Stimmungswechsel. So deuten nach vorne zeigende und leicht nach außen gedrehte Ohren auf eine entspannte Haltung der Katze hin. Die Katze sieht keinen Grund für Aufregung oder Aggression. Anders sieht es aus, wenn ihre Ohren gespitzt sind und die Öffnungen nach vorne zeigen – jetzt ist die Katze äußerst wachsam und wird ihre Kopfhaltung nur verändern, wenn sie ein lautes Geräusch aus einer anderen Richtung wahrnimmt.

Sind die Ohren gespitzt und die Ohröffnung nach hinten gedreht, deutet dies auf eine äußerst aggressive Stimmung hin. Vorsicht: In dieser Haltung ist die Katze angriffsbereit und kann die Ohren jederzeit anlegen, um sie gegen einen Schlag des Gegenübers zu schützen.

Zuckende Ohren signalisieren Nervosität und deuten auf einen inneren Konflikt der Katze hin. Auslöser für dieses Verhalten kann Furcht oder Frustration sein.

Schon gewusst?

So erkennen Sie die Stimmung der Katze am Schwanz

Ähnlich wie Augen und Ohren, hat auch der Schwanz der Katze eine wichtige Aufgabe bei der Katzensprache. Die Stellung des Schwanzes und die Ausrichtung der Schwanzspitze geben Auskunft über den emotionalen Zustand der Katze:

  • Der Schwanz ist leicht nach unten gebogen oder horizontal: Die Katze ist entspannt. Richtet sich der Schwanz auf, hat die Katze an etwas Interesse gefunden.
  • Der Schwanz ist hoch erhoben und die Spitze zeigt nach vorne: Diese Haltung drückt eine freudige Begrüßung aus und ist ein Überrest der Schwanzstellung, mit dem Katzenjunge ihre Mutter begrüßen. Wenn die Spitze abgeknickt ist, ist die Katze grundsätzlich freundlich gestimmt und interessiert, hat aber einen Vorbehalt.
  • Der Schwanz ist gesenkt und aufgeplustert: Hiermit drückt die Katze starke Furcht vor etwas aus. Ein aufgeplusterter und waagerechter Schwanz ist hingegen ein deutliches Zeichen von Aggression.
  • Der Schwanz wedelt von einer Seite zur anderen: Die Katze ist unentschlossen und befindet sich in einer Konfliktsituation. Solch ein Konflikt kann beispielsweise entstehen, wenn es draußen regnet, die Katze aber gerne ihr Revier begehen würde. Ein stark hin und her schlagender Schwanz kann auf einen baldigen Angriff der Katze hindeuten, was beim Lauern oder im Konflikt mit einer anderen Katze vorkommen kann. Doch auch beim Spielen lässt sich ein wedelnder Schwanz beobachten, der Erregung und Spannung ausdrücken kann.

Wann will eine Katze spielen?

Katzen bleiben bis ins hohe Alter verspielt und gerade Wohnungskatzen ohne Freigang wollen beschäftigt werden. Wenn Katzen spielen möchten, sind sie meistens aufgedreht und toben durch die Wohnung. Allerdings gilt das nicht für alle Katzen – manch eine Katze geht es lieber ruhiger an und zeigt ihren Spieltrieb eher über die Körpersprache. So können weit geöffnete Augen und ein aufgerichteter Schwanz Anzeichen dafür sein, dass die Katze gerne spielen möchte.

Gerade bei ruhigeren Katzen ist etwas Geduld gefragt und Zurückhaltung beim Spielen – werten Sie dieses Verhalten nicht unbedingt als Desinteresse. Manche Katzen brauchen einfach etwas mehr Zeit, um in Spiellaune zu kommen und wieder andere lauern gerne und wirken dadurch schnell desinteressiert. Wenn Ihre Hauskatze generell wenig spielen möchte, können feste „Spielzeiten“ helfen. Durch die Regelmäßigkeit fällt es vielen Katzen leichter, ihren Spieltrieb auszuleben.

Für Freigänger ist das Rumtoben in der Wohnung nicht so wichtig, weil sie ihren Jagdtrieb draußen ausleben können. Es ist dadurch nicht ungewöhnlich, wenn Freigänger die Wohnung hauptsächlich zum Schlafen nutzen und sich ihre Energie lieber für Streifzüge an der frischen Luft aufsparen.

Wann will eine Katze gestreichelt werden?

Streicheleinheiten sind für Katzen eine wahre Wohltat. Doch während manche Katzen am liebsten den ganzen Tag gekrault werden möchten, reicht für andere eine kurze Streicheleinheit völlig aus. Bevor Sie die Hand ausstrecken, um die Katze zu streicheln, sollten Sie erst auf ihre Körpersprache achten und auf ein positives Signal warten. Viele Katzen signalisieren recht deutlich, ob sie gerade empfänglich für Streicheleinheiten sind oder nicht.

Wichtig ist, dass die Katze von sich aus Bereitschaft zeigt und beispielsweise durch Beschnuppern der Hand Interesse zeigt. Manche Katzen machen ihr Interesse besonders deutlich, indem sie ihr Kinn an der Hand reiben oder sie vorsichtig anstoßen. Dieses Verhalten dürfen Sie als klare Aufforderung verstehen, dass die Katze von Ihnen gestreichelt werden möchte. 

Wenn die Katze sich noch in der Eingewöhnungsphase befindet, hilft es, wenn Sie die Hand ausstrecken und sich von der Katze beschnuppern lassen. Wendet sich die Katze dann allerdings ab und bekundet mit ihrem Verhalten Desinteresse, verschieben Sie die Streicheleinheiten lieber auf später. Andernfalls könnte sich die Katze bedrängt fühlen und aggressiv reagieren.

Fühlt sich die Katze hingegen wohl und ist entspannt, zeigt sich das an einer gelassenen Körperhaltung. Die Muskeln sind entspannt und der Schwanz ist leicht nach unten gebogen oder horizontal. Die Augen sind meist weit geöffnet und manchmal blinzelt die Katze auch langsam – das ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sie sich wohlfühlt.

Falls Sie für die Katze fremd sind, achten Sie besonders auf ihre Körpersprache. Deuten Sie also große, geweitete Pupillen nicht direkt als Vorfreude. Schließlich sind Katzen besonders wachsam, wenn nicht alle Anwesenden ihnen vertraut sind und drücken dies durch weite Pupillen aus. Achten Sie auch auf andere Signale, wie einen aufgestellten Schwanz, oder ob die Katze von sich aus auf Sie zukommt und Sie beschnuppert.