Partner Login

Bitte wählen Sie einen Service-Bereich aus

Zoofachhandel Tierarzt Professionals

Endokrinologie

Die Endokrinologie (Lehre von den inneren Sekretionen) ist die Wissenschaft der Hormone: Die Erforschung ihrer Physiologie und Pathologie. Hormone werden von den endokrinen Drüsen abgesondert und fungieren als Botenstoffe im Organismus, indem sie Informationen über große Entfernungen übermitteln. Sie spielen daher eine wichtige Rolle für das Funktionieren des Organismus. Somit kommt es auch bei allen Krankheiten, die das endokrine System betreffen, zu allgemeinen und unterschiedlichen Störungen, von einfachen Hautproblemen bis hin zu Störungen der Herzfunktion.

Man kann beim endokrinen System vereinfacht zwischen zwei Krankheitstypen unterscheiden: Hyperendokrinie, sie zeigt sich in einer Überproduktion von Hormonen, wie es häufig bei Tumoren endokriner Drüsen der Fall ist, oder im Gegensatz dazu, eine sekundäre Hypoendokrinie, die sich entweder durch eine Verminderung der Hormonausschüttung oder durch einen Widerstand des Organismus gegen ihre Tätigkeit ausdrückt. So spricht man beispielsweise von einer Schild-drüsenunterfunktion bzw. einer Schilddrüsenüberfunktion.

Nach kurzer Darstellung der Funktion der einzelnen endokrinen Drüsen werden anhand manifester klinischer Symptome vor allem die Krankheiten erläutert, die der Beachtung des Hundehalters bedürfen. In der Folge sollen, nach einem Überblick über die Behandlung, jene Rassen genannt werden, die unter Umständen eine spezifische Anfälligkeit aufweisen. Dieses Kapitel hat das Ziel, ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, einen Überblick über die wichtigsten Erkrankungen des endokrinen Systems beim Hund zu geben.

Die Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse ist jenes Organ, das dank einem wichtigen Hormon, dem Insulin, den Zuckerhaushalt bzw. den Zuckerspiegel im Blut reguliert. Mit Hilfe des Insulins, das nach der Mahlzeit von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet wird, kann Glukose über das Blut in die Zellen gelangen, wo es zur Zellfunktion gebraucht wird. Insulinschwäche äußert sich in Form einer chronischen Hyperglykämie, Diabetes genannt. Im Gegensatz dazu verursacht die Übersekretion des Insulins die sogenannte Hypoglykämie.

Diabetes (Zuckerkrankheit)

Diabetes ist bei Hunden und vor allem bei Tieren ab dem 6. Lebensjahr eine recht häufige Krankheit und betrifft, entgegen der landläufigen Meinung, nicht allein übergewichtige Tiere oder solche, die Zucker fressen. Die Ursache kann eine Funktionsstörung der Insulinsekretion sein, häufiger jedoch ist sie eine sekundäre Folge der Hormontätigkeit. Die Symptome sind signifikant und bleiben selten unbemerkt: Polyurie (erhöhtes Harnvolumen), Polydipsie (gesteigertes Durstempfinden), Polyphagie (vermehrter Hunger) sowie Gewichtsverlust. Der Hundebesitzer ist mit einem Tier konfrontiert, das fortwährend nach Nahrung und Wasser verlangt und dabei zusehends abmagert. Verbunden mit diesen gleichsam konstanten Symptomen vervollständigen noch weitere Zeichen das klinische Bild: rasch auftretender grauer Star (Katarakt) mit nachfolgender Erblindung, Verdauungsstörungen (Erbrechen, Durchfall) oder auch verschiedene Infektionen (beispielsweise Harnwegsinfektionen wie Zystitis), die entweder nicht heilen oder trotz klassischer Infektionsbehandlung zu Rückfällen führen. Die Diagnose wird auf der Grundlage des Glucose-spiegels im Blut sowie im Urin gestellt. Man unterscheidet zwei Stadien von Diabetes. Ein Diabetes ohne Säure-Ketose, bei Behandlung ist die Prognose günstig, sowie ein Diabetes mit Säure-Ketose, hier ist ein Klinikaufenthalt des Hundes dringendst angezeigt, da bei fehlender Akutbehandlung die Gefahr eines Komas mit tödlichen Folgen besteht. Die Behandlung besteht in subkutaner Insulininjektion. Die Durchführung der Behandlung macht einen Krankenhausaufenthalt notwendig, bei dem über einen Zeitraum von 24 Stunden eine Blutzuckerkurve erstellt wird, um die Insulindosis anpassen zu können. Der Östruszyklus beim weiblichen Tier erschwert die Ausbalancierung des Diabetes erheblich. Daher ist es unbedingt notwendig zuckerkranke Hündinnen zu kastrieren. Hinzu kommt, dass die Behandlung eines zuckerkranken Hundes für den Besitzer intensive Betreuung und Überwachung notwendig macht (tägliche Insulinspritzen, besondere Ernährung zu geregelten Zeiten, Überwachung des Wiederauftretens der Symptome). Die Prognose orientiert sich am Zustand des Tieres zum Zeitpunkt der Diagnose. Bei einem Diabetes ohne Säure-Ketose liegt die Lebenserwartung bei über zwei Jahren.

Hypoglykämie des erwachsenen Tieres

Es handelt sich hier um das umgekehrte Erscheinungsbild des Diabetes. Die Krankheit ist das Ergebnis einer überhöhten Ausschüttung von Insulin. In 80% der Fälle jedoch ist die Ursache ein insulinaktiver Tumor der Bauchspeicheldrüse. Die klinischen Symptome sind spastische Anfälle (epileptiform), meist zwei bis sechs Stunden nach einer Mahlzeit. In diesen Krisen führt Gabe von schnellwirkendem Zucker rasch zu Besserung. Zwischen den Anfällen verhält sich der Hund normal oder zeigt auch Müdigkeit bzw. mangelnde Bewegungsfreude. Die Diagnose erfolgt wie beim Diabetes über den Blutzuckerspiegel, es ist aber notwendig, eine Blutprobe zum Zeitpunkt eines Anfalls zu nehmen und einen unteren Blutzuckerwert von bis zu 0,7 g/l festzustellen. Man kann auch die Insulinämie bestimmen. Die Behandlung besteht in der Verabreichung blutzuckersteigernder Medikamente und vor allem in der chirurgischen Entfernung des Tumors. Die Heilungsaussichten sind sehr unsicher, da es sich bei dem Tumor in den meisten Fällen um Krebs handelt, der zum Zeitpunkt der Diagnose häufig schon Metastasen gebildet hat. Die Chirurgie des Pankreas ist sehr heikel.

Die Nebennieren

Sie sondern Steroidhormone ab (in den fasciculären und reticulären Zonen des Nebennierenmarks): die Glukokortikoide. Die Glukokortikoide sind Moleküle, die zahlreiche Funktionen im Organismus übernehmen. Die synthetischen Moleküle sind oft den natürlichen überlegen und finden in der Human- und Tiermedizin breite Verwendung. Hier kurz ihre wichtigsten Eigenschaften: Sie wirken stark entzündungshem-mend und antiallergisch; sie erhalten den zentralen Venendruck, vermindern die Schockgefahr, verringern den Verbrauch von peripherer Glukose (Widerstand zum Insulin), wandeln überschüssiges Insulin in Lipide um und sorgen für eine Neuverteilung von Fett. Die Absonderung von Glukokortikoiden wird über das Hypothalamus-Hypophyse-System reguliert: Im Hypothalamus wird ein Hormon mit der Bezeichnung CRH produziert, dieses stimuliert Synthese und Sekretion des Hormons ACTH über die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse), welche wiederum die Produktion von Glukokortikoiden durch die Nebennierenrinden anregt. Eine Überstimulierung der Nebennieren durch ACTH kann allerdings zu einer Hypertrophie der Nebennieren führen. Außer den Glukokortikoiden synthetisieren die Nebennieren (Glomerulus-Region) noch ein weiteres Hormon, Aldosteron, das eine wichtige Rolle bei der Nierenfunktion spielt. Das Aldosteron stimuliert die Reabsorbtion des Wassers sowie der Salz- und Kaliumionen über die Niere und trägt so zur Stabilisierung des Wasserhaushalts bei.

Hyperadrenokortizismus

Dieses Syndrom mit vielfältigen klinischen Konsequenzen kommt beim Hund häufig vor. Es handelt sich um eine Reihe von Symptomen, die mit einem Überschuss an endogenen oder exogenen Glukokortikoiden (medikamentösen Ursprungs) zusammenhängen.

Man unterscheidet:

  • Das primäre Cushing-Syndrom, das durch eine erhöhte Sekretion der Nebenniere verursacht wird, als Folge eines Nebennierentumors (15% der Fälle von Hyperkortizismus sind darauf zurückzuführen).
  • Das Cushing-Sydrom als Folge einer erhöhten Stimulierung der Nebennieren durch die Hypophyse (85% der Fälle).
  • Das iatrogene Cushing-Syndrom, verursacht durch Dauermedikation mit exogenen Kortikoiden.

Im Allgemeinen lässt sich das Cushing-Syndrom bei Hunden ab dem 7. Jahr beobachten sowie bei bestimmten Rassen, vor allem Pudel, Dackel und Boxer. Die klinischen Symptome treten in progressiver Form auf und ergeben bei Häufung ein vielfältiges klinisches Krankheitsbild:

  • Polyurie-Polydipsie (erhöhtes Harnvolumen, gesteigertes Durstempfinden): Der Hund kann innerhalb von 24 Stunden bis zu 100ml pro kg Körpergewicht trinken.
  • Polyphagie: Der Hund verlangt unablässig nach Nahrung.
  • Ausdehnung des Abdomens (fassförmiges Aussehen).
  • Auf der Haut: diffuser Haarausfall an den Flanken und am Unterleib, sehr spröde, pergamentartige Haut, zahlreiche Komedonen und Hautinfektionen (Pyodermie).
  • Muskelschwäche mit Verformungen der Bänder, die eine Kniescheibenluxation oder einen Riss der Achil-lessehne nach sich ziehen können, oder auch, wie beim Pudel, deutlich erhöhter Dauertonus der Gliedmaßen.

Die Behandlung hängt von der Ursachendiagnose ab und ist:

  • chirurgisch im Falle eines Nebennierentumors,
  • oder auf chemotherapeutischem Wege, was beim Cushing-Syndrom die Nebennieren zerstört. Das Medikament der Wahl nennt sich o.p.-DDD (Mitotane ND). Eine genaue Überwachung des Hundes ist beim Einleiten dieser Behandlung erforderlich, da sie nicht ohne Risiko ist. Auch andere Wirkstoffe kommen zur Anwendung wie etwa Ketoconazol (wirkt den Korticosteroiden entgegen ohne die Nebennieren zu zerstören) oder Selegilin (Deprenyl ND), das die Ausschüttung von ACTH über die Hypophyse reduziert und somit auch die Stimulation der Nebennieren, allerdings ist ihre Wirksamkeit geringer als die von Mitotane.
  • Die Strahlentherapie ist bei der Behandlung von Tumoren der Hypophyse von Bedeutung.

Die Prognosen sind unterschiedlich und die Lebenserwartung kann wenige Tage bis sieben Jahre betragen (im Durchschnitt 2 Jahre). Rückfälle sind häufig und man muss sich darauf einstellen, dass der Hund bis seinem Lebensende in Behandlung bleibt.

Hypokortizismus (Nebennierenrindeninsuffizienz)

Der Hypokortizismus oder auch Addison-Krankheit ist das Ergebnis eines Defizits von Mineralkortikoiden und Glukokortikoiden, das eine Zerstörung der Nebennierendrüsen (primärer Hypokortizismus) verursacht bzw. eine mangelhafte Stimulation durch das ACTH (sekundärer Hypokortizismus). Diese Krankheit kann spontan auftreten (etwa durch einen Tumor) oder iatrogen (infolge Dauermedikation mit Kortikoiden bzw. o.p.-DDD).

Die Symptome sind unspezifisch und könnten auf eine größere Zahl von Erkrankungen zutreffen, was die Diagnose erschwert. Zu nennen sind: Appetitlosigkeit, Erbrechen, Schwäche, Lethargie, Durchfall, Gewichtsverlust, Polyurie-Polydipsie, Schüttelfrost, Zit-tern, Leibschmerzen, Dehydratation, Bradykardie.

Die Diagnose erfordert daher grundsätzlich weitere Untersuchungen, vor allem ein Ionogramm mit dem Nachweis von Hyperkaliämie (herabgesetzte Kaliumausscheidung) sowie eine Hormonspiegelung (derselbe Stimulationstest mit ACTH wird auch bei Verdacht auf Hyperkortizismus durchgeführt).

Zum Zeitpunkt einer akuten Erkrankung ist eine Prognose eher ungünstig, sie ist jedoch ausgezeichnet, sobald das Tier die Krise überstanden hat. Die

Behandlung erfolgt durch Gabe von Defekthormonen wie Glukokortikoide (Prednisolon, Solumedrol sowie Cortanyl ND), Mineralkortokoiden (Syncortyl und Fludrocortison ND) und Wiederbelebungsmaßnahmen (Infusion etc.) während der Krise.

Es sind keine besonders veranlagten Rassen bekannt.

Die Schilddrüse

In ihr bilden sich die Schilddrüsenhormone T3 und T4. Wie bei den Nebennieren wird die Schilddrüsenaktivität über eine Zentrale gesteuert: über das TRH (engl.: thyrotropin releasing hormone) regt der Hypothalamus die Produktion des TSH (engl.: thyreoidea stimulating hormone) in der Hypophyse an, das wiederum die Schilddrüse stimuliert. Die Schilddrüsenhormone haben eine negative Rückwirkung auf Hypothalamus und Hypophyse (ein erhöhter Wert der Schilddrüsenhormone reduziert die Produktion von TRH und TSH). Grundsätzlich ist es die Aufgabe der Schilddrüsenhormone, Stoffwechselprozesse anzuregen. Somit spielen sie, bei normalen Werten, eine wichtige Rolle im Wärmehaushalt (Wärmeproduktion durch den Organismus zur Erhaltung einer konstanten Temperatur) sowie im Eiweißumsatz. Bei überhöhten Werten führen sie zu Abbaustoffwechsel verbunden mit Verschwendung von Energie.

Hyperthyroidie (Schilddrüsenüberfunktion)

Bei Katzen ist sie eine häufig auftretende Alterserkrankung, während sie beim Hund selten vorkommt, in über 90% der Fälle als Folge eines Schilddrüsenkarzinoms (Adenokarzinom).

Die wesentlichen klinischen Symptome sind Gewichtsverlust, Unersättlichkeit, begleitet von einer Polyurie-Polydipsie (erhöhtes Harnvolumen, gesteigertes Durstempfinden), Verdauungsstörungen mit Durchfall, Verhaltensstörungen, einem Zustand dauernder Erregung, erhöhte Herzfrequenz sowie speziell eine tastbare Schwellung im Schilddrüsenbereich.

Die Diagnose erfolgt durch Abtasten der unnatürlichen Schwellung im Schilddrüsenbereich, durch Erhebung der Werte des Schilddrüsenhormons (T4), sowie durch eine eventuelle Schilddrüsenszintigraphie.

Die Prognose ist ungewiss, wenn bereits Metastasen verbreitet sind. Die Behandlung beruht im wesentlichen auf Begleitchirurgie mit oder ohne Chemotherapie.

Hypothyroidie (Schilddrüsenunterfunktion)

Diese Krankheit tritt beim Hund wesentlich häufiger auf. In 95% der Fälle ist sie mit einer Zerstörung der Schild-drüse verbunden (primäre Unterfunktion der Schilddrüse verursacht durch Immunschwäche, einen Tumor oder ohne erkennbare Ursache). Sie entsteht möglicherweise auch durch mangelhafte Sekretion des TSH, was zur Atrophie der Schilddrüse führt (sekundäre Schilddrüsenunterfunktion, z.b. bei Hypophysentumor). Für diese Krankheit besonders anfällige Rassen sind: Golden Retriever, Dobermann, Pinscher, Teckel, Irish Setter, Zwergschnauzer, Deutsche Dogge, Pudel, Boxer und Deutscher Schäferhund.

Die Symptome treten heimtückisch auf und bleiben in den Anfangsphasen oft unbemerkt. Zu nennen sind: Gewichtszunahme ohne Heraufsetzen der Essensration, Kälteempfindlichkeit (der Hund sucht warme Plätze auf), Hautstörungen in 70% der Fälle (diffuse Alopezie, Trockenheit der Haut, Hyperkeratose, Myxödem, Pyodermatose, trockene oder ölige Seborrhoe), Fortpflanzungsstörungen (Infertilität), Herzstörungen (Bradykardie, i.e. Abfall der Herzfrequenz), neuromuskuläre Störungen und Ermüdbarkeit.

Die Diagnose orientiert sich am Wert des Schilddrüsenhormons T2, vor und nach der indirekten Stimulierung der Schilddrüse durch das TRH.

Die Behandlung erfolgt durch Verabreichung von synthetischen Schilddrüsenhormonen (Levothyroxine oder Levothyrox ND); die Behandlung muss unter Umständen, sobald eine gesicherte Diagnose vorliegt, bis zum Lebensende fortgesetzt werden, regelmäßige Kontrollen sind allerdings notwendig, um Überdosierungen zu vermeiden.