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Risiko: Übergewicht

Es stimmt - nach der Kastration besteht tatsächlich ein höheres Risiko für die Entwicklung von Übergewicht. Aus Studien geht hervor, dass die Gefahr einer Gewichtszunahme bei kastrierten Hündinnen doppelt so groß ist wie bei nicht kastrierten, intakten Hündinnen. Ein ähnlicher Trend lässt sich übrigens auch bei Rüden erkennen - wenn auch nicht ganz so stark ausgeprägt! Wurde der Hund wegen einer Diabeteserkrankung kastriert, so besteht darüber hinaus ein ganz besonders großes Übergewichtsrisiko.

Warum legen kastrierte Hunde so schnell an Gewicht zu? Als Ursache kommen verschiedene Aspekte infrage. Grundsätzlich ist es so, dass die Geschlechtshormone eines Tieres seinen Appetit und Stoffwechsel regulieren. So hemmen sie bei nicht kastrierten Hunden das Hungergefühl und kurbeln gleichzeitig indirekt den Stoffwechsel an. Fällt nach der Kastration der Einfluss der Geschlechtshormone weg, so ist vielfach ein übermäßiger Appetit bei gleichzeitig vermindertem Energiebedarf die Folge. Eine ungünstige Kombination! Die Konsequenz daraus ist klar: Übergewicht! In einer Studie wurde gezeigt, dass kastrierte Beaglehündinnen im Vergleich zu ihren nicht kastrierten Artgenossinnen bei freiem Nahrungsangebot 20 % mehr Futter zu sich nahmen und deutlich an Gewicht zulegten. In einer anderen Studie konnten kastrierte Beaglehündinnen ihr Idealgewicht nur halten, wenn nach der Kastration die Futtermenge um 30 % reduziert wurde.

Aber Vorsicht - aus dem zuvor Gesagten ergibt sich keinesfalls, dass jeder kastrierte Hund auch tatsächlich übergewichtig wird. Das Wissen über ein erhöhtes Risiko für Übergewicht soll vielmehr dazu motivieren, rechtzeitig Vorsorge zu treffen. Übergewicht nach der Kastration kann ohne Weiteres vermieden werden. Hierbei spielen zwei Faktoren eine entscheidende Rolle: Bewegung und Umstellung der Ernährung. Beobachtungen an einer Gruppe von deutschen Schäferhunden belegen die Bedeutung ausreichender Aktivität für den Erhalt des Idealgewichtes. Kastrierte Hündinnen, die weiterhin trainiert wurden, entwickelten im Vergleich zu intakten (nicht kastrierten) kein Übergewicht. Deshalb ist der Grundsatz "Bewegung hält fit!" nach der Kastration Ihres Hundes ganz wichtig.

Außerdem ist es für die Vorbeugung gegen Übergewicht unerlässlich, die Ernährung Ihres Hundes umzustellen. Für die Gesundheit Ihres Hundes ist dieser Aspekt ganz entscheidend. Schließlich sehen dicke Hunde nicht nur unschön aus und haben eine verminderte Kondition - mit der größeren Körperfülle geht auch ein deutlich höheres Risiko für Begleiterkrankungen einher.

Die richtige Ernährung nach der Kastration

Übergewicht und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Die möglichen Zusammenhänge und Ursachen für die Entstehung eines Diabetes mellitus beim Hund sind noch nicht vollständig geklärt. Die Zunahme übergewichtiger Tiere in der Hundepopulation bei gleichzeitigem Anstieg des Anteils zuckerkranker Hunde spricht jedoch für einen direkten Zusammenhang. Wird ein Hund nach der Kastration zu dick, kann das Auftreten der Zuckerkrankheit begünstigt werden.

Was steckt hinter der Erkrankung?
Insulin, ein Hormon, welches von der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, dient dazu, den Blutzucker (Glukose) zu verwerten bzw. für dessen Aufnahme in die Körperzellen zu sorgen. Ist ein Hund an Diabetes mellitus erkrankt, so kann die Glukose aufgrund eines Insulinmangels nicht mehr genutzt werden. Betroffene Hunde zeigen dann u. a. folgende Symptome:

  • Vermehrtes Trinken
  • Häufigen Harnabsatz
  • Übermäßiges Fressen
  • Abgeschlagenheit (Apathie)
  • Augenerkrankung (Grauer Star = Linsentrübung am Auge)
  • Anfangs häufig Übergewicht, im fortgeschrittenen Stadium Untergewicht

Beim Hund werden verschiedene Diabetesformen unterschieden. Am häufigsten kommt der sogenannte Typ-1-Diabetes vor, bei dem die Bauchspeicheldrüse keinerlei Insulin mehr bildet. Es besteht ein absoluter Insulinmangel, der die Aufnahme von Blutzucker (Glukose) in die Körperzellen unmöglich macht. Neben diesem Diabetestyp gibt es noch andere, seltenere Ausprägungsformen, u. a. solche, die auf einer sogenannten Insulinresistenz der Organe beruhen. In diesem Fall wird von der Bauchspeicheldrüse noch Insulin produziert. Die Körperzellen sprechen allerdings auf das Hormon nicht mehr an, sodass aus diesem Grunde die Glukoseaufnahme ebenfalls gestört ist. Eine Insulinresistenz kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, dazu gehört auch Übergewicht. Zwar ist noch nicht ganz geklärt, ob eine Insulinresistenz immer in einen klinisch ausgeprägten Diabetes mellitus mündet, trotzdem scheint sicher zu sein, dass ein Hund, der nach der Kastration zu dick geworden ist, auch ein erhöhtes Diabetesrisiko aufweist.

Wichtig ist: Nicht die Kastration selbst ist für das erhöhte Diabetesrisiko verantwortlich, sondern Übergewicht infolge falscher Fütterung und mangelhafter Bewegung nach der Kastration. Es handelt sich also um eine indirekte Folge der Kastration.

Wussten Sie eigentlich schon, dass durch die Kastration einer bestimmten Diabetesform vorgebeugt werden bzw. diese therapiert werden kann?

Ähnlich dem menschlichen Schwangerschaftsdiabetes kann sich bei Hündinnen unter dem Einfluss des Hormons Progesteron während der Trächtigkeit oder aber auch im normalen Zyklus (im Metöstrus) ein Diabetes mellitus entwickeln. Im letzteren Fall wird eine möglichst baldige Kastration der Hündin empfohlen.

Übergewicht und Verdauungsprobleme

Werden kastrierte Hunde zu gut gefüttert und gleichzeitig nicht ausreichend bewegt, nehmen sie schnell zu. Simpel ausgedrückt "bremsen" die überflüssigen Pfunde die Aktivität der Tiere. Der Bewegungsmangel führt allmählich dazu, dass der Darm träger wird. Die Darmtätigkeit ist eingeschränkt und Verdauungsprobleme in Form von Verstopfungen sind die Folge. Grundsätzlich besteht bei kastrierten Hunden aber kein größeres Risiko für Verdauungsbeschwerden als bei nicht kastrierten Artgenossen. Das Grundproblem ist auch in diesem Fall das Übergewicht!


Bei Rüden mit einer gutartigen Vergrößerung der Prostata kann es zur Einengung des Enddarms und in der Folge zu erschwertem Kotabsatz kommen. Bei solchen Rüden kann die Kastration zur Beseitigung der Verdauungsstörung beitragen, da sich durch den Wegfall des Sexualhormons Testosteron die vergrößerte Prostata deutlich verkleinert und somit die Einengung des Enddarms und die Schmerzen beim Kotabsatz behoben werden.

Übergewicht und Harnsteine

Bei Harnsteinen handelt es sich um eine Zusammenlagerung von Mineralstoffen in den ableitenden Harnwegen des Hundes. Sind diese kleiner, so spricht man von Kristallen oder Grieß. Aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung lassen sich verschiedene Harnsteinarten unterscheiden. Zu den bekanntesten Typen zählen der Struvitstein (Ammonium-Magnesium- Phosphatstein) und der Kalziumoxalatstein. Leidet ein Tier an Harngrieß oder -steinen, so setzen die Tiere häufiger - oft ohne Erfolg und unter Schmerzen - Urin ab. Dabei ist häufig Blut im Urin zu erkennen.

Einige Studien belegen, dass bei übergewichtigen Hunden ein größeres Risiko für das Auftreten von Kalziumoxalatsteinen existiert. Somit handelt es sich auch dabei um eine indirekte Kastrationsfolge, die dem Übergewicht nach der Operation zuzuschreiben ist.

Übergewicht und sonstige Risiken

Legen kastrierte Hunde im Anschluss an die Operation an Gewicht zu, so steigt das Risiko für zahlreiche Folgeerkrankungen an. Neben den zuvor genannten Erkrankungen spielen die nachfolgenden Begleitrisiken eine Rolle:

  • Herz - Kreislauf-Probleme
  • Höheres Narkoserisiko
  • Verminderte Ausdauer und Hitzetoleranz
  • Gelenkerkrankungen
  • Gestörte Wundheilung
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Hauterkrankungen
  • Geringere Lebenserwartung

Die in diesem Kapitel angesprochenen möglichen Folgen einer Kastration können durch eine gezielte Ernährung beeinflusst bzw. verhindert werden. Nicht die Kastration an sich ist problematisch! Man muss nur den damit einhergehenden Veränderungen des Stoffwechsels gerecht werden und die Haltung des Hundes, insbesondere seine Fütterung, entsprechend anpassen (siehe Kapitel Ernährung).