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Beeinflussung des Verhaltens

Häufig wird die Kastration als "Allheilmittel" zur Bekämpfung von unerwünschten Verhaltensweisen angesehen. Insbesondere auf dem Hundeplatz ist dies ein viel diskutiertes Thema. Gewünscht wird die positive Beeinflussung von u. a. nachfolgendem Problemverhalten:

  • Aggressivität gegenüber Artgenossen und/oder gegenüber Menschen
  • Ängstlichkeit
  • Hyperaktivität
  • Sexualverhalten des Rüden, wie Streunen, Jaulen, Unruhe, Futterverweigerung, Urinmarkieren, Aufsprungversuche
  • Ungehorsam

Natürlich verspricht die Kastration nicht in allen Fällen Erfolg. Die Kastration stellt keinerlei Ersatz für eine sorgfältige Erziehung des Hundes dar und sie ist auch kein Wundermittel gegen jegliches Fehlverhalten des Tieres! Ist ein Hund z. B. sehr aktiv und bewegungsfreudig, so ändert eine Kastration daran in der Regel gar nichts. Es sei denn, der Hund wird nach der Operation weniger bewegt und "fett" gefüttert, so dass er dann infolge des Übergewichtes träger ist als zuvor.


Trotz allem gibt es einige Fälle, bei denen die Kastration in der Therapie von Verhaltensproblemen hilfreich sein und insgesamt für ein besseres Miteinander zwischen Hund und Mensch sorgen kann. Ganz allgemein gilt dabei: Die Operation verspricht nur dann Erfolg, wenn Verhaltensweisen beeinflusst werden sollen, die durch Sexualhormone gesteuert sind. Dann kann sich die Kastration als wirksam erweisen, da danach keine Hormone mehr gebildet werden. Aber Vorsicht: Es gibt auch sexualgesteuertes Verhalten, das nicht nur hormonell bedingt ist, sondern auch "erlernt" wird. Das bedeutet, dass bei einem älteren Rüden die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass er nach einer Kastration sein "Benehmen" nicht ändern wird.


Beispiel: Es gibt Rüden, die regelmäßig ganz extrem auf läufige Hündinnen in der Nachbarschaft reagieren. Sie fressen nicht mehr, jaulen den ganzen Tag, verweigern die Nahrung und versuchen, zu den Hündinnen zu laufen, wann immer es geht. Durch die Kastration wird diesen Rüden der Sexualtrieb genommen - folglich bleiben auch die damit verbundenen Verhaltensweisen aus. In diesem Fall ist die Kastration sinnvoll, denn betroffene Rüden leiden regelrecht unter der Situation! Durch die Kastration fällt ein erheblicher Stressfaktor für den Rüden weg. Aber Vorsicht: Natürlich ist nicht jeder Rüde sexuell hyperaktiv, sondern es gibt auch viele, bei denen eine Situation in der beschriebenen Form gar nicht existiert. Bei einem vollkommen unbeeindruckten Rüden wäre die Kastration ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, da kein berechtigter Grund für diesen Eingriff existiert. Auch bei Aggressionen (z. B. gegenüber anderen Rüden) kann eine Kastration ggf. Abhilfe schaffen. Laut einer Untersuchung ist bei etwa 60 % der Rüden, die sich gegenüber ihren männlichen Artgenossen aggressiv verhalten, durch die Kastration eine Besserung zu erzielen. Aggressionsverhalten aufgrund von Erziehungsfehlern oder aber auch Territorialverhalten wird hingegen in der Regel nicht beeinflusst. Ebenso können Rangordnungsprobleme zwischen Zwei- und Vierbeinern durch eine Kastration nicht gelöst werden.


Ist man sich nicht sicher, ob die Kastration eine gewünschte Verhaltensänderung bewirken kann und der Hund trotzdem in seinen wesentlichen Eigenschaften unverändert bleibt, so kann zunächst die medikamentöse Kastration versucht werden. Durch die dabei gespritzten "Anti-Hormone" kann ein kastrationsähnlicher Effekt simuliert und beobachtet werden, wie und ob sich das Verhalten des Hundes verändert. Dies ist eine gute Möglichkeit herauszufinden, ob durch die Operation eine Besserung auftreten kann oder nicht. Grundsätzlich ist die Therapie von verhaltensauffälligen Hunden ein schwieriges Gebiet! Nicht ohne Grund gibt es Fachtierärzte für Verhaltenstherapie! Es empfiehlt sich immer deren Rat einzuholen, wenn bei Ihrem Hund Verhaltensprobleme bestehen. Oft ist neben/statt einer Kastration nämlich auch eine gezielte Verhaltenstherapie nötig!

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