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Verhaltensstörungen

Verhaltensstörungen werden bei Hunden häufig beobachtet. Einige davon kann der Halter schon beim Kauf des Welpen, aber auch durch eine gute Erziehung vermeiden.

Gewisse Störungen tauchen schon im Welpenalter oder in der Adoleszenz auf, wie Phobien: Angst vor Lärm, vor Autos, vor Menschen. Diese Hund werden sich nicht an das Leben in der Stadt gewöhnen können. Es wird sehr schwierig sein, mit ihnen auf die Straße zu gehen. Sind sie nicht angeleint, können sie weglaufen und überfahren werden. Andere ziehen an der Leine, weil sie zurück nach Hause wollen, bremsen mit allen vier Pfoten oder preschen immer wieder sprungweise los. Wieder andere sind nicht stubenrein und warten selbst stundenlangen Spaziergängen, bis sie wieder zu Hause sind, um ihr Häufchen zu machen. Sie können sich nur in einer ruhigen Umgebung, die sie im Griff haben entleeren. Oft haben sie Angst vor Menschen und können sogar angstinduzierte Aggressivität an den Tag legen.

Den Welpen früh an unterschiedliche Lärmarten gewöhnen

Die Entwicklung des Welpenhirns ist mit der Geburt nicht abgeschlossen. Sie erfolgt über mehrere Wochen. Daher ist es notwendig, den Welpen in einer stimulierenden Umgebung mit unterschiedlichen Menschen und Geräuschen aufzuziehen. Geschieht die Aufzucht auf dem Lande, gibt es oft nicht viele verschiedene Menschen und Geräusche, und der Hund ist später kaum in der Lage, mit dem Lärm und den Menschen in der Stadt zurechtzukommen. Einige Züchter und Halter haben das verstanden und setzten die Welpen diversen Geräuschen aus, lassen sie von unterschiedlichen Menschen füttern und fördern den Umgang mit ihnen. Häufig ist jedoch der Welpe, der ausschließlich auf dem Land aufwächst und später einmal in der Stadt leben soll, nicht in der Lage, mit der neuen Umgebung zurechtzukommen.

Sicherlich ist der Züchter zum Teil dafür verantwortich, aber auch der zukünftige Halter weiß oft zu wenig über die Erziehung eines Welpen. Der Welpe muss sehr früh zahlreiche Erfarungen machen, auf der Straße spazieren gehen, mit dem Auto fahren, mit anderen Tieren und Menschen in Berührung kommen, diverse laute Geräusche kennen lernen. Es gibt heute Impfstoffe zum Schutz gegen Welpenkrankheiten, daher kann man schon ab der achten Lebenswoche mit dem Welpen auf die Straße gehen, selbst wenn davon abgeraten wird.

Andere Hunde sind einfach unerträglich. Sie sitzen nicht still, laufen nach allem, was sich bewegt (Jogger, Fahrräder, Vögel, Laub), und spielen unaufhörlich. Sie sind unermüdlich in Bewegung und verursachen oft Schäden in der Wohnung. Sie knabbern an allem herum, vor allem wenn der Halter glaubt, der Hund brauche das, "weil er gerade Zähne bekommt", und die Knabberei akzeptiert.

Manchmal handelt es sich dabei um Hunde von zu jungen Muttertieren, die ihre Welpen noch nicht erziehen können, oder aus einem zu großen Wurf, in dem die Mutter überfordert ist und es nicht schafft, alle ihre Welpen gut zu erziehen. In anderen Fällen wurden Welpen zu früh vom Muttertier abgesetzt (vor der 8. Lebenswoche), zu jung gekauft oder das Muttertier ist gestorben. Diese Welpen haben weder gelernt, ihren Bewegungsapparat, noch ihren Kiefer zu kontrollieren, und sie kommen praktisch im Rohzustand, ohne jede Selbstkontrolle, zu ihrem neuen Halter.

 

Trennungsangst

Eine andere pathologische Verhaltensweise, die Halter oft um Rat fragen lässt, ist Trennungsangst. Hunde werden in die Sprechstunde gebracht, weil sie die Einrichtung auseinandernehmen, immer wieder im gesamten Haus (das heißt überall, wo sie Zugang haben) Wasser lassen und Kot absetzen, mehr noch: weil sie Laut geben, wenn sie alleingelassen werden (Bellen, Heulen und Winseln). Hier kann die Ursache die übermäßig starke Bindung an einen Menschen sein. Die Bindung ist ein Erziehungsmechanismus, der es dem Welpen erlaubt, seine Mutter als Bezugsperson und Ruhepunkt zu identifizieren. Diese Bindung ist absolut unverzichtbar für eine ordentliche soziale Prägung und den erfolgreichen Verlauf der psychomotorischen, kognitiven und sozialen Entwicklung des Tieres. In der vegetativen Phase konzentriert die Hündin sich ausschließlich auf ihre Neugeborenen, und alles, was den Kontakt zwischen der Hündin und ihren Welpen einschränkt, löst einen Zustand tiefster Verstörung aus. In der anschließenden Übergangsphase fixieren sich die Kleinen ihrerseits auf die Mutter. Nur sie ist in der Lage, ihre Welpen zu beruhigen. Sie wird der Ruhepol, um den herum sich der Forschungsdrang entwickeln und der Übergang zum aktiven Erleben der Umwelt vollziehen kann. Jetzt besteht eine Bindung, die auf Gegenseitigkeit beruht. Jeder Versuch, den Kontakt zu unterbrechen, löst massive Verstörung aus, die sich durch Lautgeben ausdrückt sowie durch große Unruhe sowohl bei der Mutter als auch bei ihren Welpen. Aber zur Bindung gehört auch das Loslassen. Das ist ein wichtiges Ereignis in der Sozialisation des Jungtiere. Wenn die Rüden vier bis fünf Monate alt sind, wird der Mutter der Kontakt langsam lästig, und sie dürfen sich ihr nicht mehr nähern. Sie müssen sich einen anderen Schlafplatz suchen. Diese Phase endet damit, dass die Jungtiere an den Rande des Rudels gedrängt werden. Bei den jungen Weibchen dauert dieser Prozess länger und beginnt ab ihrer zweiten Hitze.

 

Die Bezugsperson

Die bisher exklusive Bindung des Jungtieres an die Mutter verlagert sich und geht auf die soziale Gruppe über. Kommt der Hund in ein Haus, schließt er sich einem Menschen ganz besonders an, und diese Bindung beruht auf Gegenseitigkeit. Die Bezugsperson ist im Allgemeinen derjenige, der ihm zu fressen gibt, ihn streichelt usw. Im Alter von etwa vier bis fünf Monaten muss der Halter für eine Loslösung sorgen. Klappt das nicht, wie so häufig, so gerät der junge Hund jedes Mal, wenn er von seiner Bezugsperson getrennt ist, in Panik und Verstörung: Dann sucht er die Bezugsperson, und das bedeutet Beschädigung, manchmal sogar massive Zerstörung der Einrichtung, begleitet von emotionalem Urinieren und Koten und Lautgeben in einem Ausmaß, dass sich die Nachbarn beschweren. Der Hund muss lernen, den Halter loszulassen, und das kann er nur, wenn der Halter auf Aufforderungen zum Spiel und zum Streicheln nicht mehr reagiert. Er muss den Hund zurückstoßen. Es ist immer Sache des Halters, in einer Beziehung die Initiative zu ergreifen. Der Halter muss ihm auch einen Schlafplatz außerhalb des Schlafzimmers zuweisen.

Die Depression beim Hund

 

Bestimmte Verhaltensstörungen lassen sich als depressive Zustände beschreiben. Depression wird als Befindlichkeitsstörung mit Schlafstörungen, psychomotorischen Einschränkungen sowie Rückzugstendenzen beschrieben. Das Tier verliert die Fähigkeit, sich Veränderungen seiner Umgebung anzupassen. Der depressive Zustand kann akut oder chronisch sein. Der akute Depressionszustand drückt sich auf Verhaltensebene durch Antriebsarmut, das heißt durch Apathie aus. Der Hund hat kein Interesse an seiner Umgebung und auch kaum Interesse an seinen üblichen Aktivitäten. Er frisst weniger oder gar nicht mehr (Anorexie) und schläft viel (Hypersomnie).Es gibt zahlreiche mögliche Ursachen, wie zum Beispiel ein Trauma (Verkehrsunfall), aber auch der brutale Verlust eines sozioaffektiven Ruhepunkts (Aussetzung, Tod der Bezugsperson, sogar eines Tieres, zu dem eine enge Bindung bestand). Manchmal kann es sich um abgelehnte Welpen handeln, die später nicht die Erfahrung einer Bindung machen konnten, weder mit einem Menschen, noch mit einem Tier. Beim chronischen depressiven Zustand legt der Hund unangemessen starke emotionale Reaktionen an den Tag, sobald er intensiven Reizen ausgesetzt ist. Sein Verhalten hat sich verändert. Der Hund verliert sein Interesse an allen üblichen Aktivitäten (Spiel, soziale Beziehungen). Es kann zu Schlafstörungen und zu Verunreinigungen kommen. Die chronische Depression kann sich aus einer unbehandelten akuten Depression entwickeln, tritt jedoch auch bei endogenen Problemen, endokrinen Problemen (Dysfunktion der Schilddrüse oder der Nebennieren) und bei Gehirntumoren auf.

 

Beißen

Die in der Sprechstunde am häufigsten genannte Verhaltensstörung ist das Beißen. Wie alle sozialen Säugetiere organisiert auch der Hund sein Rudelleben durch bestimmte Rangordnungsregeln (Zugang zur Nahrungsaufnahme, Kontrolle über Territorium und Geschlechtsverhalten). Hat der Hund die Pubertät erreicht, versucht er, innerhalb des menschlichen Rudels seine Position zu finden. Er drückt seine Dominanz aus und verteidigt seine hierarchischen Vorrechte. Das führt zu Konflikten und Aggressionen, sogar Sauberkeitsverstößen (hierarchieinduziertes Urinieren), wenn ihm bestimmte Vorrechte verweigert werden. Dies sind die Vorrechte eines dominanten Hundes: Der dominante Hund frisst als erster, frisst langsam und hat es gern, wenn seine Rangniedrigeren ihm dabei zusehen. Er kontrolliert den Zugang zum Territorium, die Platzverteilung und das Kommen und Gehen der anderen Rudelmitglieder. Er positioniert sich daher oft an einer strategischen Stelle (Schlafzimmer, Treppenabsatz, Flur), von wo aus er alles gut beobachten kann. Er bestimmt über die Produktion von Nachkommen und über das Geschlechtsverhalten der Gruppe. Werden seine Vorrechte als Ranghöchster infrage gestellt, so kann dies Rangordnungsprobleme verursachen, die sich durch Aggressionssequenzen, also Drohungen (Knurren) und Zubeißen ausdrücken, sowohl innerhalb des Hunderudels als auch im Familienrudel. Verhaltensstörungen lassen sich leicht vermeiden. Bestimmte Probleme kann man sich ersparen, wenn man sich den Züchter gut ansieht. Fahren Sie zu ihm hin, sehen Sie sich das Muttertier und die anderen Welpen an und auch die Art und Weise, wie sie aufgezogen und gefüttert werden usw. Kaufen Sie ein Tier, das mindestens acht Wochen alt ist, und fragen Sie, ob es auch nicht zu früh vom Muttertier abgesetzt wurde (mit weniger als zwei Monaten). Wenn der junge Hund in seiner zukünftigen Familie eintrifft, sollten gewisse Regeln einhalten werden, um ein harmonisches Zusammenleben zu gewährleisten.