Partner Login

Bitte wählen Sie einen Service-Bereich aus

Zoofachhandel Tierarzt Professionals

Das Säugen

Das Ende der Tragzeit äußert sich auf hormoneller Ebene durch einen Rückgang des Progesterongehaltes im Blut, einen vorübergehenden Anstieg des Östrogenspiegels zur Erweiterung des Gebärmutterhalses und einen Anstieg des Hormons Prolaktin, das den Aufstieg des Kolostrums und später der Milch bewirkt.

Diese Hormonveränderungen finden bei trächtigen ebenso wie bei nicht trächtigen Hündinnen statt, was die Häufigkeit von Fällen von "Laktation nach Scheinträchtigkeit" beim Hund erklärt. Dieses Phänomen ist auch bei wilden Hundemeuten zu beobachten und betrifft vor allem Hündinnen mit niedrigerem Rang in der Hierarchie, die dann als Ammen dienen können, falls bei den dominanten Hündinnen die Milch ausbleibt. Wie bei vielen anderen Säugetieren wird auch hier die Bedeutung psychischer Faktoren auf die Milchproduktion deutlich.

Die Laktation bei der Hündin

Eine Hündin, die sich in ihrer Mutterrolle nicht wohlfühlt, die mit dem Wurflager nicht zufrieden ist oder aber bei einem Kaiserschnitt narkotisiert wurde, zeigt klassischerweise ein verspätetes Einschiessen der Milch. 

Die Behandlung dieses Zustandes kann über die Veränderung der Umgebungsbedingungen, durch pflanzliche oder homöopathische Mittel oder auch durch die Verabreichung bestimmter Medikamente gegen Übelkeit erfolgen, die über das zentrale Nervensystem stimulierend auf die Ausschüttung von Prolaktin wirken. 

Nach dem Austreiben der ersten Welpen wird die Milchsekretion automatisch durch einen neuro-hormonalen Mechanismus aufrechterhalten; dabei regt das Saugen oder eine Massage des Gesäuges die Sekretion eines anderen Hormons (Oxytozin) an, das wiederum die Milch in die Milchgänge treibt. Dieser Mechanismus wirkt in der Natur proportional zur Anzahl der gesäugten Welpen; auf diese Weise kann die Milchproduktion an den Appetit der Welpen angepasst werden, die so in gewisser Weise über den Gesundheitszustand der Mutter bestimmen.

Milchproduktion der Hündin

Die erste Milch, Kolostrum genannt, wird von der Mutter in den ersten zwei Tagen nach der Geburt abgesondert. Das Kolostrum ähnelt weder im Aussehen noch in der Zusammensetzung der späteren Milch: Es ist gelblich und durchscheinend, sodass es leicht mit Eiter verwechselt werden kann. 

Das Kolostrum ist viel eiweißreicher als die Milch: Außer seinem ausgezeichneten Nährwert stimuliert es auch die erste Darmentleerung der Welpen und versorgt sie mit 95% der nötigen Antikörper zum Schutz gegen Infektionen. Die Mutter überträgt auf diese Weise für fünf bis sieben Wochen passiv ihr "Immungedächtnis" auf ihre Welpen, bis diese selbst in der Lage sind, sich aktiv gegen Krankheitserreger zu wehren. Die Welpen können dieses "mütterliche Schutzschild" nur bis zu 48 Stunden nach der Geburt aufnehmen. Danach werden die Antikörper vor ihrer Absorption im Magen zerstört und verlieren ihre Wirkung. Diese Welpen sind dann nur noch durch die Antikörper geschützt, die während der Tragzeit die Plazentaschranke passiert haben (nicht mehr als 5%).

Das Kolostrum wird nach einigen Tagen durch die Milch ersetzt, deren Zusammensetzung von der Größe der Rasse (große Rassen haben proteinreichere Milch), der individuellen genetischen Veranlagung und der jeweiligen Zitze (die hinteren Zitzen sind produktiver) abhängt. 

 

Die Laktationsphase dauert im Durchschnitt sechs Wochen, mit einer Produktionsspitze um die dritte Woche. 

In den folgenden Wochen veranlasst der Rückgang der Milchproduktion die Mutter, Nahrung wieder hervorzuwürgen und so das Säugen der Welpen zu ergänzen. Die Welpen beginnen sich spontan für die mütterlichen Mahlzeiten zu interessieren. Dieser Zeitraum ist der Beginn einer fortschreitenden Entwöhnung, die um die sechste Woche mit einem Übergang zum Aufbaufutter für Welpen endet. 

Die Menge der von einer Hündin produzierten Milch kann durch regelmäßiges Wiegen der Welpen vor und nach dem Säugen abgeschätzt werden. Durch diese Vorgehensweise konnte man eine Laktationskurve in Abhängigkeit von Parametern mit direktem Einfluss auf die Milchproduktion (Gewicht und Gestalt der Mutter, Anzahl der gesäugten Welpen) aufstellen und eine Gleichung aufstellen, anhand derer sich die Milchproduktion schätzen lässt. 

So kann man davon ausgehen, dass eine 32kg schwere Labradorhündin mit acht Welpen zur Aufzucht ihrer Jungen das 2,4fache ihres eigenen Gewichts an Milch produziert. 

Es wäre jedoch anmaßend, die Milchproduktion in einer Gleichung "einschließen" zu wollen, die absolut gesehen auch noch Parameter wie die Temperatur im Wurfraum, den Wasserkonsum der Mutter, die Anzahl ihrer bisherigen Tragzeiten und ihre Stressbelastung enthalten müsste, um hier nur die wichtigsten zu nennen. 

Anhand dieser Gleichung lässt sich auch mit relativer Genauigkeit die Menge der um die Laktationsspitze produzierten Milch errechnen, die etwa 4% der Gesamtproduktion ausmacht. Unsere Hündin aus dem obigen Beispiel produziert zum Höhepunkt der Laktationsperiode also etwa drei Liter Milch pro Tag, was natürlich eine beträchtliche Futterumstellung erfordert, damit sie in diesem Zeitraum, dem anstrengendsten und anspruchsvollsten ihres Sexualzyklus', nicht zu sehr abmagert.

Vergleich Hundemilch/ Kuhmilch

Ernährung der säugenden Hündin

Im Gegensatz zur Trächtigkeit erhöht die Laktation die Futterbedürfnisse der Mutter ganz erheblich, da die Milch, mit der sie den Wurf säugt (1.200 bis 1.500 kcal pro kg Milch, abhängig von der Rasse und dem Laktationstag), einen besonders hohen Gehalt an Nährstoffen (an Kalzium, Energie und Proteinen) hat.

 

  • Appetitlichkeit: hängt vor allem von der Qualität und der Quantität der enthaltenen Fette und der tierischen Proteine ab;
  • gute Verdaulichkeit für eine gute Verwertung der Futterportion und eine angemessene Futtermenge (keine Blähungen nach dem Fressen, verringerte Kotmenge, fest geformter Kot);
  • erhöhter Energiegehalt: hier ist Trockenfutter besser geeignet;
  • Qualität und Quantität der Proteine, unverzichtbar für die Entwicklung von Knochen und Muskeln bei den Welpen;
  • genügend hoher Gehalt an Kalzium, Magnesium und Vitamin D, um das Risiko von Eklampsien (Krämpfen während der Laktation) zu verringern, vor allem bei kleinen Hündinnen mit großer Wurfstärke.

 

Legt man einen durchschnittlichen Energiegehalt von 1.350 kcal/kg Milch und einen Wirkungsgrad von 80% zugrunde, kann die Erhöhung des Energiebedarfs der Hündin aus dem obigen Beispiel in der Laktationsspitze auf 3 x 1.350/0,8 = 5.000 zusätzliche Kilokalorien pro Tag geschätzt werden. 

Das wichtigste Ziel in dieser Phase besteht darin, die Mutter mit einer qualitativ und quantitativ ausreichen den Nahrung zu versorgen, damit sie die Bedürfnisse des Wurfes im Wachstum erfüllen kann, ohne sich selbst dabei zu schwächen. 

Zu diesem Zweck muss für ein angemessenes Verhältnis von Angebot (Laktation) und Nachfrage (Entwicklung der Welpen) gesorgt werden. 

In bestimmten Fällen, d.h. bei sehr wurfstarken Rassen wie z.B. dem Irish Setter, ist es recht schwierig, Eingangs- und Ausgangsmenge, die bis zum Vierfachen der normalen Futtermenge ausmachen kann, ins Gleichgewicht zu bringen. 

Im Verlauf der Laktationsphase ist es wichtig, der Hündin besonders schmackhaftes Futter mit erhöhtem Energiegehalt anzubieten, damit sie ihren Energiebedarf decken kann, ohne deutlich größere Futtermengen zu sich nehmen zu müssen. Von einer Hündin, die normalerweise 1 kg selbst zubereitetes Futter frisst, kann schwerlich verlangt werden, in der Säugephase 4 kg desselben Futters aufzunehmen. 

Um dies zu erreichen, genügt bei den meisten säugenden Hündinnen ein besonders gut verdauliches Futter, das mindestens 30% Proteine und 25% Fett (bezogen auf die Trockenmasse) enthält und einen Energiegehalt von etwa 4.500 kcal/kg hat. Es kann empfehlenswert sein, das Futter in der Laktationsphase zur Selbstbedienung stehen zu lassen, solange es nicht Gefahr läuft zu verderben oder durch Exkremente verschmutzt zu werden. 

Nährstoffprofil von Futter für eine säugende Hündin (bezogen auf die Trockenmasse): 

  • Proteine: 30 bis 35%
  • Fett: 20 bis 30%
  • Rohfaser: 1 bis 2%
  • Kalzium: 1,5 bis 2%
  • Phosphor: 0,9 bis 1%
  • Vitamin A: 10.000 IE/kg
  • Energie: 4.200 bis 5.000 kcal/kg
  • Verhältnis Proteine/Energie: 75 bis 85 g/1.000 kcal

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass beim "Laktationsfutter" auf folgende Kriterien geachtet werden muss:

Die harmonische Entwicklung des Wurfes ist ein indirekter natürlicher Indikator für die Qualität der Milch und dadurch auch für die Gesundheit der Mutter. 

Wichtig ist dabei eine ausgewogene Zusammensetzung des Futters, da beigemengte Zusatzstoffe zum Ausgleich möglicher Mängel gleichzeitig die Absorption anderer Bestandteile stören können. Fortgesetzter Zinkmangel aufgrund einer unüberlegten Beimischung von Kalzium oder Laktationstetanien (Krämpfe) im Zusammenhang mit unkontrollierten Kalziumgaben sind in der Hundezucht die am häufigsten anzutreffenden Beispiele. 

Unabhängig von der Futtermenge darf die Hündin nach einem Monat des Säugens nicht mehr als 10% ihres Normalgewichtes verloren haben. Diese häufig in gewissem Umfang unvermeidliche Abmagerung muss in dem Monat nach der Entwöhnung der Welpen wieder vollständig rückgängig gemacht werden.

Zusätzliche Milchgaben

Wenn die Milchproduktion sich in den ersten drei Wochen als unzureichend erweist, um die Bedürfnisse jedes Welpen zu erfüllen (häufig der Fall bei Erstgebärenden), ist es eher zu empfehlen, dem gesamten Wurf zusätzliche Milch zu verabreichen, als nur einen oder mehrere Welpen herauszunehmen und diese ausschließlich mit Ersatzmilch zu füttern.

Künstliche milch als Notbehelf

Wenn für den gesamten Wurf wegen des Todes der Mutter keine Milch zur Verfügung steht oder wenn keine oder unzureichend Milch produziert wird (Agalaktie bzw. Hypogalaktie) oder wenn sie Giftstoffe enthält (Mastitis), kann durch den Einsatz von Ersatzmilch für Hunde in der Regel das Überleben der Welpen gesichert werden. Dabei kommt es zwar zu einer leichten Wachstumsverzögerung im Vergleich zum Durchschnitt (weniger als 10%), diese wird jedoch in der Folge durch das spontane Fressen des Entwöhnungsbreis wieder aufgeholt. Da die Welpen von der Mutter mehr als zwanzig Mal am Tag gesäugt werden, ist es für den Halter schwierig, den natürlichen Rhythmus beizubehalten. Man begnügt sich mit einer Fütterung alle drei Stunden in der ersten Woche nach einem festgelegten Rhythmus, wobei unbedingt auf die Schlafphasen Rücksicht zu nehmen ist (sie machen in der ersten Woche mehr als 90% der gesamten Zeit aus), da sie unverzichtbar für die spätere Bindung und Prägung sind. 

  • Der Energiegehalt der Hundemilch liegt bei etwa 1.350 kcal/kg;
  • ein Welpe benötigt 3 bis 4 ml dieser Milch pro Gramm Zunahmegewicht;
  • der Energiebedarf eines gesäugten Welpen liegt beim mehr als Zweieinhalbfachen des normalen Energiebedarfs eines erwachsenen Hundes mit demselben Gewicht.

 

Es ist zwar möglich, Kuhmilch so anzupassen, dass sie sich für die Aufzucht von Hundewelpen eignet, die Verwendung von Welpen-Trockenmilch ist aber vor allem wegen der kontrollierten Laktosezufuhr deutlich vorzuziehen. 

Außer der größeren Wirtschaftlichkeit und dem Zeitgewinn durch den Einsatz von Ersatzmilch in Pulverform ruft sie beim Welpen, der noch nicht genügend Magensäure produziert, um den Nahrungsbrei effektiv zu sterilisieren, auch seltener Durchfall hervor. 

Nach dem Einrühren in Wasser und dem Erhitzen auf 37°C wird diese Milch in einem Fläschchen bzw. falls der Welpe nicht saugen will, über eine Sonde (vom Typ eines Katheters) verfüttert. Bei der Verabreichung in die Schnauze mittels einer Spritze muss die Milch eine eher breiige Konsistenz haben, um den Schluckreflex auszulösen und damit sie nicht in den "falschen Hals" (die Atemwege) gerät. 

Die folgenden Angaben erleichtern die Berechnung der Trockenmilchmenge, die den Welpen zu verabreichen ist:

Beispiel: ein Welpe von einem Monat wiegt 3 kg (Erwachsenengewicht 22 kg). Die durchschnittliche tägliche Gewichtszunahme bewegt sich um 6 Gramm pro kg des angenommenen Erwachsenengewichts, liegt also bei 130 Gramm pro Tag. 

Um diese Gewichtszunahme zu ermöglichen, muss er also 4 x 130 = 520 g Milch pro Tag zu sich nehmen, d.h. etwa 0,52 x 1.350 = 600 kcal.

Adoption der Welpen durch eine Amme

Falls eine andere Hündin zur Verfügung steht, die sich im selben Laktaionsstadium befindet, ist es natürlich besser, auf eine Ernährung mit Ersatzmilch zu verzichten und dieser Hündin einen Welpen unter zu legen. 

Dazu entfernt man die Ammenhündin für etwa eine halbe Stunde von ihrem Wurf. Während dieser Zeit reibt man die "Neuzugänge" an den Welpen der Amme, damit sie den Geruch annehmen. Die Hündin ist dann in der Regel froh, wieder zu ihren Welpen zu kommen und akzeptiert die Untergelegten in der Regel problemlos. Auch wenn der Welpe in den ersten zwei Tagen nach der Geburt noch keine besondere Bindung zur Mutter aufgebaut hat, erkennt diese ihre Jungen sehr genau wieder. Dabei scheint der Geruch das wichtigste Merkmal zu sein. 

Von der dritten Woche an kann man den Welpen in sehr kleinen Schritten als Zusatz zur Muttermilch, deren Produktion langsam nachlässt, ein Aufbaufutter in Form von lauwarmem Brei anbieten. Einige Welpen kriechen auch spontan auf das Futter der Mutter zu und beginnen, daran zu lecken und so das Futterverhalten der Mutter zu imitieren. 

Wie die kleinen Vögel, die mit "Kropfmilch" ernährt werden, fordern auch einige Welpen in dieser Phase wieder hervorgewürgte Nahrung von der Mutter. 

Alle diese Anzeichen zusammen deuten darauf hin, dass mit der Entwöhnung begonnen werden kann.