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Der Blut- und Lymphkreislauf

Zum Blutkreislauf gehören auf anatomischer und auf physiologischer Ebene die Blutgefäße (Venen und Arterien) und das Herz. Da sich der Kreislauf eines Fötus und eines erwachsenen Tieres stark voneinander unterscheiden, werden hier beide Arten getrennt voneinander betrachtet. Der Lymphkreislauf dient als Drainagesystem für den Blutkreislauf. 

Der Blutkreislauf beim Fötus 

Die ersten Blutgefäße werden gebildet, wenn sich der Fötus nicht mehr durch einfache Diffusion von einer Zelle zur anderen ernähren kann, denn die Entwicklung der inneren Organe erfordert eine direkte Zufuhr von Nährstoffen zu den betroffenen Zellen. Das Herz dagegen entsteht auf weitaus kompliziertere Art und Weise, nämlich aus Oberflächenzellen des Embryos. Es liegt zunächst außerhalb des Embryos und nimmt seinen endgültigen Platz im Brustkorb erst später ein. Das Herz hat erst eine geradlinige Form (ein Überbleibsel der Evolution), wölbt sich dann, dreht sich einige Male um die eigene Achse und nimmt dann schließlich die bekannte Form an. 

Beim Fötus haben die "Lungen" noch keine Funktion, denn der Sauerstoff wird über die Nabelvenen durch das Blut der Mutter übertragen, während das Kohlendioxid über die Nabelarterien abgeleitet wird. So ist ein ganzer Teil des Kreislaufs durch Öffnungen im Herzen und einen Kanal, der die Aorta (in der linken Herzkammer entspringende Hauptschlagader) mit der Lungenarterie (entspringt in der rechten Herzkammer) verbindet (der so genannte Ductus arteriosus), quasi "geshuntet". Das Herz schließt sich erst am Ende der Trächtigkeit und in den ersten Stunden nach der Geburt. Der Ductus arteriosus schließt sich erst nach der Geburt, wenn die Lungen ihre Arbeit aufgenommen haben. 

Dieser Entwicklungsvorgang kann zu Anomalien führen, wenn sich beispielsweise die Herzkammern nicht richtig schließen, der Ductus arteriosus bestehen bleibt oder das Herz nicht in die richtige Position wandert.

Herz des Hundes, Ansicht von den Vorhöfen aus

1. Rechte Herzkammer
2. Lungenarterie
3. Rechtes Herzohr (Teil des rechten Vorhofs)
4. Vordere Hohlvene
5. Aorta
6. Hintere Hohlvene
7. Linkes Herzohr (Teil des linken Vorhofs)
8. Linke Herzkammer

Der Blutkreislauf beim erwachsenen Tier 

Bei einer normalen Entwicklung verläuft die Herzachse beim Hund schräg zur Körperachse, und das Herz ist zur linken Seite verschoben (befindet sich im vierten Siebtel). Es ist quer abgeflacht, so dass die rechte Herzkammer eine kraniale Position einnimmt (zur Vorderseite des Hundes hin) und die linke Herzkammer eine kaudale Position (zur hinteren Seite hin). Die Herzbasis mit den Gefäßen befindet sich also in kranial-dorsaler Position (vorne oben), während die Spitze kaudal-ventral (hinten unten) liegt. Als Herzgegend wird der Bereich zwischen der dritten und der sechsten Rippe bezeichnet. Das Gewicht des Herzens unterscheidet sich von Rasse zu Rasse ganz erheblich. 

  • Das Herz wird in vier große Abschnitte unterteilt: Der rechte Vorhof nimmt das sauerstoffarme Blut auf und leitet es in die rechte Herzkammer weiter, aus der es in die Lunge befördert wird; derlinke Vorhofnimmt das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge auf und leitet es in die linke Herzkammer weiter, von wo es in die verschiedenen Teile des Körpers gepumpt wird. Beim erwachsenen Tier sind die Herzkammern vollständig voneinander abgeschlossen, so dass sich sauerstoffarmes und -reiches Blut nicht mischen können. Die Weiterleitung von einem Herzteil in einen anderen geschieht mithilfe von Klappen, die eine Art "Pfortensystem" bilden.

Physiologisch gesehen, arbeitet das Herz in einem regelmäßigen Zyklus, auch Herzschlag oder Herzrhythmus genannt. Die Hohlräume des Herzens ziehen sich zusammen, eine Kontraktion hat dabei zwei Phasen: die Systole (Kontraktionsphase) und die Diastole (Erschlaffungsphase). Diese Phasen verlaufen jedoch nicht in allen Hohlräumen synchron; zuerst kontrahieren die Vorhöfe, dann die Herzkammern. Die Anzahl der Herzschläge pro Minute bestimmt die Herzfrequenz. Beim Hund liegt diese je nach Größe zwischen 70 und 160 (kleine Rassen haben eine höhere Herzfrequenz als größere). Die Frequenz hängt auch von der Aktivität ab. Beim Schlafen tritt normalerweise eine Frequenzabsenkung (Bradykardie) auf, bei Anstrengung oder großem Stress (z. B. einem Besuch beim Tierarzt) eine Frequenzerhöhung (Tachykardie).

  • Herzrhythmus: Der Herzrhythmus folgt einem genau festgelegten Ablauf. Durch den schwachen Druck des venösen Rückstroms und die Öffnung der Atrioventrikularklappen füllen sich die Herzkammern zunächst passiv mit Blut (die Arterienklappen bleiben dabei geschlossen); die anschließende Kontraktion der Vorhöfe (die Vorhofsystole) vervollständigt die Füllung der Kammern. Daraufhin beginnt die Herzkammersystole, die Kammern sind dabei maximal gefüllt; durch den steigenden Kammerinnendruck werden die Atrioventrikularklappen zu Beginn der Kammerkontraktion geschlossen. Mit zunehmender Kontraktion übersteigt der Kammerinnendruck den Arteriendruck, und die Arterienklappen öffnen sich. Schließlich erschlaffen die Herzmuskeln, die Arterienklappen schließen sich (Erschlaffungsphase). Die Vorhöfe füllen sich mit frischem Blut, die Atrioventrikularklappen öffnen sich, die Kammern füllen sich ebenfalls, und ein neuer Herzschlag beginnt.

Beim Abhören mit dem Stethoskop hört der Arzt nur die Töne, die von den verschiedenen Phasen hervorgerufen werden. Beim Hund erzeugt der Herzschlag zwei Töne: "bu", kurze Stille, "dupp", lange Stille. Der erste Ton dauert länger an, da er sich aus verschiedenen Quellen zusammensetzt: Schließen der Atrioventrikularklappen, ansteigender Kammerdruck, Einströmen des Blutes in die Wurzel der großen Arterien. Der "dupp"-Ton dagegen ist kürzer, da es lediglich vom Schließen der Arterienklappen herrührt. Jedes zusätzliche Geräusch kann beim Hund als pathologisch angesehen werden. Dank neuer Untersuchungsmethoden wie der Elektrokardiografie oder der Echokardiografie kann jedoch der gesamte Herzrhythmus inzwischen genauer untersucht werden. Die Interpretation der Ergebnisse ist allerdings sehr komplex und sollte nur von einem Spezialisten durchgeführt werden. 

Zu klären bleibt noch die Frage, wo der Rhythmus der Herzaktion seinen Ursprung hat. Die Muskelwand des Herzens besteht aus drei Gewebearten, die das so genannte Erregungsleitungssystem bilden. Dieses Gewebe besteht aus Zellen, die sich langsam und spontan depolarisieren können und dabei ein Aktionspotenzial freigeben, das in alle Herzzellen weitergeleitet wird und die Kontraktion des Herzmuskels bewirkt. Der in den Vorhöfen gelegene Sinusknoten bestimmt dabei den Rhythmus, er übernimmt also die Funktion eines "Schrittmachers" für das Herz.

Herz des Hundes (linke Seite und rechte Seite)

1. 3. Rippe
2. 6. Rippe
3. Aortaöffnung (Ostium aortae)
4. Öffnung der Lungenarterie (Ostium trunci pulmonaris)
5. Öffnung zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer (Ostium atrioventriculare sinistrum)
6. Herzspitze
7. Ellenbogenspitze
8. Trikuspidalklappe
9. Aortaöffnung (Ostium aortae)
10. 3. Rippe

Schematische Darstellung des Blutkreislaufs

1.   Kopfkapillaren
2.   vordere Hohlvene
3.   Truncus brachiocephalicus
4.   Aorta
5.   Lungenarterie
6.   Lungenvenen
7.   Lungenkapillaren
8.   Truncus coeliacus und Gekrösearterie
9.   Kapillaren der Verdauungsorgane
10. Körperkapillaren
11. Lymphkanäle des Körpers
12. Pfortader
13. Leberkapillaren
14. Lebervenen (Venae hepaticae)
15. Milchbrustgang (Lymphe)
16. hintere Hohlvene
17. linke Herzkammer
18. rechte Herzkammer
19. linkes Herzohr (Teil des linken Vorhofs)

Blut

Der Herzrhythmus kann sich durch unterschiedliche Faktoren ändern, sowohl äußere (Wahrnehmung eines Stress verursachenden Objekts usw.) als auch innere, und nimmt dabei Einfluss auf die aus aktivierenden und hemmenden Nervenzellen bestehenden Nervenbahnen. Auch die Lunge und die Blutgase beeinflussen über die auf dem Aortenbogen sitzenden Barorezeptoren die Herzfrequenz. Ein Sauerstoffüberschuss verlangsamt den Herzschlag, während ein Überschuss an Kohlendioxid ihn beschleunigt.

  • Arterien und Venen: Das Herz dient nur als Pumpe für den Blutkreislauf, die Gefäße jedoch transportieren das Blut zu den Organen. Die anatomische Bezeichnung für die vom Herzen ausgehenden Blutgefäße lautet Arterien (egal ob das Blut reich oder arm an Sauerstoff ist), die zum Herzen führenden Gefäße heißen Venen. Diese haben kleine Klappen, durch die ein schwacher Druck auf das Blut ausgeübt wird, der für die Zirkulation unabdingbar ist. Daher entweicht das Blut aus einer verletzten Arterie stoßweise in Intervallen, während es aus einer verletzten Vene kontinuierlich herausfließt. 

Die Aorta, eine große Arterie mit sauerstoffreichem Blut, entspringt im linken Teil des Herzens und führt zur Vorderseite des Tieres. Sie bildet bald nach dem Ursprung eine Krümmung, den Aortenbogen, und führt dann in den hinteren Teil des Körpers. Direkt vor dem Aortenbogen entspringt der Truncus brachiocephalicus (versorgt den Kopf und die vorderen Gliedmaßen) sowie die linke Schlüsselbeinarterie (Arteria subclavia sinistra), die zum Brustkorb führt. Im weiteren Verlauf versorgt die Aorta alle inneren Organe und die hinteren Gliedmaßen über kleinere Arterien. An einem Muskel oder einem Organ verzweigt sich die Arterie in ein Bündel von Arteriolen, in denen der Sauerstoff abgegeben und das Kohlendioxid aufgenommen wird. Das Blut wird dann über die Venolen wieder abgeleitet, die in eine kleine Vene münden. Alle kleinen Venen im Vorderteil des Körpers führen zur vorderen Hohlvene (Vena cava cranialis), die im hinteren Teil zur hinteren Hohlvene (Vena cava caudalis). Diese beiden Hohlvenen leiten das Blut wieder zum rechten Teil des Herzens, von wo es über die Lungenarterie in die Lunge gepumpt wird. Hier wird das Blut vom Kohlendioxid befreit. Über die Lungenvenen gelangt es zurück zum Herzen und von dort aus wieder in die Aorta: Der Kreis ist geschlossen.

Blutvolumen (Volämie): 80-90 ml Blut pro kg Körpergewicht

Rote Blutkörperchen: 5,5 bis 8,5 x 106 pro mm3
(= 5.500.000 bis 8.500.000)
Weiße Blutkörperchen: 6.000 bis 17.000 pro mm3.
Hämoglobin: 12 bis 18 g pro 100 ml.
Blutplättchen: 200.000 bis 500.000 pro mm3.
Hämatokrit (%): 37-55.
(Verhältnis von roten Blutkörperchen zu einer Einheit Blutvolumen)
Kalzium: 95 bis 120 mg/l.
Glukose: 0,7 - 1,1 g/l.
Fette insgesamt: 5,5 bis 14,5 g/l.
Cholesterol: 0,5 bis 2,7 g/l.
Phosphor: 40 bis 80 mg/l.
Blutungsdauer (Ohr): 2 bis 3 Minuten
Gerinnungszeit: 6 bis 7,5 Minuten.

DIE VENEN DES HUNDES

1. Schwanzvene
2. innere Hüftvene
3. seitliche Sakralvene (Kreuzbeinvene)
4. Hodenvene (Samenstrangvene)
5. Nierenvene
6. Pfortader
7. Zwischenrippenvene
8. vordere Hohlvene
9. Vena costocervicalis
10. tiefe Nackenvene
11. Wirbelkörpervene
12. innere Drosselvene
13. Ohrvene
14. Ohrspeicheldrüse
15. Vene der Augen, der Nase und der Lefzen
16. Glandula mandibularis
17. Gesichtsvene
18. äußere Drosselvene
19. Achselvene
20. Herzvene
21. Vena thoracica interna
22. oberflächliche Unterarmvene
23. Vordermittelfußvene
24. hintere Hohlvene
25. Lebervenen
26. Pfortader
27. Bauchdeckenvene
28. Penisrückenvene
29. Vena saphena medialis
30. Hintermittelfußvene
31. Vena saphena lateralis
32. Kniekehlenvene
33. Oberschenkelvene (Femoralvene)
34. äußere Hüftvene
35. innere Schamvene

DAS ARTERIENSYSTEM DES HUNDES

1. Schläfenarterie
2. Ohrarterie
3. Halsschlagader
4. obere Schulterblattarterie
5. Brustaorta
6. Zwischenrippenarterie
7. Sonnengeflechtsarterie (Truncus coeliacus)
8. vordere Gekrösearterie
9. Lendenschlagader (Lumbalarterie)
10. äußere Hüftarterie
11. innere Hüftarterie
12. Sakralarterie (Kreuzbeinarterie)
13. innere Schamarterie
14. Schienbeinarterie
15. Arteria saphena
16. Oberschenkelschlagader (Femoralarterie)
17. Arteria mediana
18. Unterarmarterie
19. Oberarmarterie
20. -21. Brustkorbarterien
22. Achselarterie
23. Truncus costocervicalis
24. Schilddrüsenarterie
25. gemeinsame Kopfarterie
26. Wirbelarterie (Vertebralarterie)
27. äußere Kopfarterie
28. Gesichtsarterie

Der Lymphkreislauf

Der Lymphkreislauf ist ein Drainagesystem, der die Lymphe aus dem allgemeinen (Blut-) Kreislauf entsorgt. Die Lymphgefäße sind wie die Venen mit Klappen versehen und vereinigen sich schrittweise, um die Lymphe schließlich in zwei großen Sammelgefäßen abzuleiten: dem Milchbrustgang (Ductus thoracicus) und dem rechten Lymphstamm (Ductus lymphaticus dexter). Die Lymphgefäße selbst sind nur schwer zu erkennen, die Lymphknoten (Lymphonodi) dagegen lassen sich leicht ausmachen. Sie filtern jeweils die Lymphe einer Körperregion. Ihre Anzahl ist relativ groß; einige liegen an der Oberfläche und sind tastbar, andere liegen tiefer im Körper (in den großen Körperhöhlen) und sind nur durch radiologische oder echografische Untersuchungen zu lokalisieren. Die Vergrößerung eines Lymphknotens bedeutet meist eine Entzündung im entsprechenden Ableitungsbereich; daher ist es wichtig, sie bei einer ärztlichen Untersuchung abzutasten. Über die Lymphknoten gelangen häufig auch Krebszellen von einem Organ in ein anderes. Beim Entfernen eines Tumors entnimmt man deshalb manchmal auch die umliegenden Lymphknoten, um die Verbreitung der Krankheit zu verhindern.

SCHEMATISCHE DARSTELLUNG DES LYMPHSYSTEM BEIM HUND

1. Lendenstämme (Trunci lumbales)
2. Chylusgefäße
3. Kehlstamm
4. Milchbrustgang
5. Truncus bronchomediastinalis

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