Wie viel Kratzen ist zu viel? Haut- und Fellerkrankungen bei Katzen

Ein schönes, glänzendes Fell ist Zeichen für eine gesunde und vitale Katze. Die Haut spielt für den Gesundheitszustand und das Wohlbefinden unserer Vierbeiner eine entscheidende Rolle, denn sie bildet als Barriere gegen die Außenwelt die erste Verteidigungslinie gegen Bakterien und Viren und übernimmt außerdem zahlreiche Aufgaben. Doch was kann man tun, wenn Hautprobleme vorliegen? Was können Ursachen für übermäßiges Kratzen, Schuppen oder stumpfes Fell sein?

 

Warum spielt die Haut eine so wichtige Rolle für die Gesundheit der Katze?

Durch Juckreiz ist eine Katze zwar in ihrem Wohlbefinden stark gestört, in ihrem Allgemeinbefinden jedoch oft nicht stark beeinträchtigt. Mancher Katzenbesitzer mag daher dazu neigen, den Tierarztbesuch bei diffusem Juckreiz aufzuschieben. Die Haut spielt jedoch für die Gesundheit einer Katze eine sehr wichtige Rolle. Nicht behandelte Hauterkrankungen können weitereichende Folgen haben. Die Haut ist mit rund 14 Prozent des Körpergewichts das größte Organ einer Katze. Anatomisch besteht die Haut aus drei Schichten - Epidermis (Oberhaut), Dermis (Lederhaut) und Subkutis (Unterhaut) - die ihrerseits aus mehreren Schichten bestehen und Anhangsgebilde wie Talg- und Schweißdrüsen aufweisen.

  • Abgrenzung gegen die Umwelt

    In ihrer Funktion als Abgrenzung des Organismus gegen die Umwelt schützt die Haut den Körper vor schädlichen Einflüssen wie UV-Licht, mechanischen Einwirkungen, körperfremden Substanzen (Allergene) oder Parasiten. Diese Barrierefunktion bewahrt auch vor Verlust von Körperflüssigkeit. Außerdem dient die Haut der Wärmeregulation. Als Sinnesorgan für die Empfindung von Kälte, Hitze, Schmerz und Juckreiz fungiert die Haut als Informationszentrum für den Körper. Stumpfes Fell, verstärkter Haarausfall, Rötungen der Haut oder ein vermehrter Juckreiz sind untrügliche Anzeichen dafür, dass mit der Gesundheit einer Katze etwas nicht in Ordnung ist.

  • Eine starke Hautbarriere

    Um das Eindringen von Allergenen (z.B. Pollen, Milben) und Bakterien zu verhindern, muss die Hautbarriere intakt sein. Die oberste Schicht der Haut besteht aus abgestorbenen, verhornten Hautzellen, die wie Ziegelsteine einer Mauer angeordnet sind. Zwischen den Zellen befinden sich – vergleichbar mit dem „Mörtel“ in einer Mauer – Hautfette (Ceramide). Zellen und Ceramide bilden zusammen die Hautbarriere, die dazu dient, den Verlust von Wasser durch die Haut zu minimieren und die Haut so vor Austrocknung zu schützen. Gleichzeitig bildet die Hautbarriere ein Schutzschild nach außen, um das Eindringen von Fremdsubstanzen zu verhindern. Ist die Hautbarriere gestört, können diese Funktionen nicht mehr gewährleistet werden.

Wie kann die Ernährung ein gesundes Fell unterstützen?

Die Versorgung der Haut mit einzelnen Nährstoffen ist essenziell, um die Hautstruktur zu stärken und ihre Gesundheit zu gewährleisten. Haut und Haare bestehen zu über 90 % aus Proteinen. Eine maßgeschneiderte Nahrung versorgt Katzen hierbei mit jenen Proteinen, die für die Produktion von Keratin - dem wichtigsten Proteinbestandteil des Haars – unerlässlich sind. Katzen mit langem, dichtem Fell benötigen rund 30 – 35 % des täglichen Proteinbedarfs für den Erhalt und das Wachstum von Haut und Haar. Bei einem Mangel an Keratin wird das Haar schnell brüchig. Auch das Spurenelement Zink ist unter anderem an der Bildung von Keratin beteiligt, fördert die Wundheilung und ist für die Aufrechterhaltung der Hautstruktur unentbehrlich.

  • Darüber hinaus haben diese Nährstoffe einen Einfluss auf gesundes Fell bei Katzen:
    • B-Vitamine tragen zur Beschaffenheit von Haut und Fell bei.
    • Biotin (auch als Vitamin B7 oder Vitamin H bezeichnet) beugt dem Austrocknen der Haut, dem Haarausfall und der Schuppenbildung vor.
    • Vitamin A reguliert die Talgproduktion und ist an der Regenerierung der Haut durch Wachstum und Vermehrung der Hautzellen beteiligt.
    • Die mehrfach ungesättigten Omega-6-Fettsäuren, allen voran die Linolsäure – enthalten in Pflanzenölen – sind bedeutsam für den Fellglanz.
    • Die in Fischöl enthaltenen Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend. Diese für Katzen essentiellen Fettsäuren müssen mit der Nahrung zugeführt werden, da sie der Körper nicht selbst bilden kann. Ein Mangel zeigt sich durch Schuppenbildung und Beeinträchtigung der Hautbarriere.
    • Auch die Fellfarbe wird durch die aufgenommenen Nährstoffe beeinflusst. Das Spurenelement Kupfer ist an der Bildung der Haarpigmente und somit an der Entstehung der Fellfarbe beteiligt.

Wenn es juckt und kratzt - Hautprobleme bei Katzen


Warum kratzt sich meine Katze?

Ist die Haut eines Vierbeiners aus dem Gleichgewicht geraten, bemerkt man dies am übermäßigen Kratzen und Schlecken sowie an Veränderungen des Fells, wie stumpfe, trockene oder auch abgebrochene Haare.

Der Grund dafür kann ein Ungleichgewicht oder Mangel in der Versorgung mit bestimmten Nährstoffen sein, der durch eine Anpassung der Ernährung ausgeglichen werden kann. Verschiedene Lebensumstände, wie der Beginn der Heizperiode mit zu trockener Luft in Wohnungen und Häusern, Stress oder körperliche Belastung wie das Säugen frisch geborener Welpen stellen ebenfalls eine Belastung des Organismus und damit auch der Haut im Speziellen dar.

Veränderungen der Haut können jedoch auch Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung sein. Die häufigsten Ursachen für Hautprobleme sind generelle Erkrankungen wie Parasiten, Räudemilben, Pilzerkrankungen oder eine Atopie - eine allergische Reaktion der Haut auf Umweltallergene. Zu möglichen Ursachen für Hauterkrankungen zählt außerdem die Futtermittelallergie.

1. Flohspeichelallergie

Die Flohspeichelallergie, die durch den Biss des Flohs ausgelöst wird, ist die häufigste allergische Hauterkrankung. Bereits wenige Flöhe können mit ihrem Speichel eine allergische Reaktion auslösen. Katzen zeigen intensiven Juckreiz und Hautveränderungen besonders in der hinteren Körperhälfte. Bei diesen Patienten muss eine 100%ige, konsequente Flohkontrolle und Prophylaxe durchgeführt werden, da die Tiere jedes Mal, wenn ein Floh die Möglichkeit hat, das Tier zu beißen, wieder Hautveränderungen zeigen. Eine Flohkontrolle können Sie bei Ihrer Katze durchführen, indem Sie Ihren Vierbeiner auf eine weiße Unterlage wie z.B. ein Stück Küchenrolle setzen und gründlich durchbürsten. Finden Sie schwarze Punkte auf der weißen Unterlage, so befeuchten Sie diese mit einem Tropfen Wasser. Kommt es zu einer rötlichen Verfärbung, so handelt es sich um Flohkot (getrocknetes Blut).

2. Atopie

Atopie ist eine erbliche, immunologische Abwehrreaktion, die auf der äußeren Körperoberfläche stattfindet. Betroffene Hunde und Katzen reagieren allergisch auf Stoffe in der häuslichen Umgebung. Zu den Allergenen, die am häufigsten beteiligt sind, zählen Hausstaubmilben, Pollen oder Schimmelpilze. Bei Atopikern ist die Barrierefunktion der Haut beeinträchtigt, wodurch diese Stoffe die Haut leichter durchdringen können. Das Immunsystem der Tiere reagiert auf die Umweltallergene überempfindlich und es kommt zu einer Abwehrreaktion des Körpers. In der Folge treten Entzündungsreaktionen auf, die oft mit Juckreiz einhergehen. Das typische Alter des Krankheitsbeginns liegt zwischen 6 Monaten und 3 Jahren. Bevorzugt zeigen sich die Hautveränderungen am Kopf, an den Pfoten, am Bauch, in der Leistengegend und in den Achselhöhlen. Häufig tritt auch eine beidseitige Ohrenentzündung auf. Anfänglich ist die Krankheit oft auf bestimmte Monate im Jahr beschränkt, führt aber im Laufe der Jahre meist zu einer ganzjährigen Erkrankung.

Was kann hier helfen?

  • Medizinische Shampoos: Vielen Tieren bringen medizinische Shampoos Erleichterung. Baden entfernt die Allergene von der Haut und hilft, den Juckreiz zu reduzieren.
  • Spezialnahrungen: Spezialnahrungen für Atopiker zielen darauf ab, die Funktion der Hautbarriere zu stärken und die entzündlichen Reaktionen der Haut durch Fütterung hochwertiger Omega-3-Fettsäuren zu begrenzen. Atopie ist nicht heilbar und muss lebenslang behandelt werden, ist aber mit einer gut abgestimmten Therapie und einer maßgeschneiderten Ernährung gut kontrollierbar.

3. Futtermittelallergien bei Katzen

Ein geringerer Prozentsatz der Katzen mit Hautproblemen leidet unter einer Futtermittelallergie. Sie werden dann beobachtet, wenn ein Nahrungsbestandteil - zumeist ein bestimmtes Eiweiß - nicht vertragen wird. Symptome einer Futtermittelallergie zeigen sich durch Reaktionen des Magen-Darm-Traktes (Erbrechen, Durchfall) oder häufiger durch Hautveränderungen. Im Gegensatz zu einer Futtermittelallergie sind die Symptome einer Futtermittelintoleranz nicht auf eine Reaktion des Immunsystems zurückzuführen, wie bei der Laktoseintoleranz, die auf einem Laktase Mangel (= Enzym für die Spaltung von Milchzucker) beruht.

Bei Futtermittelallergien werden bestimmte, mit der Nahrung aufgenommene Proteine von der Körperabwehr als ‚feindlich‘ eingestuft. Prinzipiell kann jede Proteinquelle eine allergische Reaktion auslösen. Im Zuge der Immunreaktion werden im Körper sogenannte „Memory Cells“ (Gedächtniszellen) gebildet, welche bei einem weiteren Kontakt diese Proteine als Antigene wieder erkennen und eine Abwehrreaktion im Körper auslösen. Man sieht anhand des Mechanismus, dass Allergien nicht angeboren sind, wie so oft behauptet wird. Ebenso ist es unwahrscheinlich, schon bei Welpen eine „echte Allergie“ zu finden.

Reagiert die Haut im Zuge der Futtermittelallergie, so ist auch hier das Hauptsymptom starker Juckreiz. Durch Kratzen und Lecken kommt es zu Schuppenbildung, Krusten, Haarausfall, Hautverdickungen, sekundären bakteriellen Infektionen und Infektionen mit Hefepilzen. Die Veränderungen treten plötzlich auf, obwohl das Tier mit dem Allergen bereits Monate oder sogar Jahre in Kontakt war. Futtermittelallergien sind unabhängig von der Rasse der Katze und der Jahreszeit.

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