Wie viel Kratzen ist normal? So erkennen Sie Anzeichen für Haut- und Fellerkrankungen bei Ihrem Hund

Juckreiz bei Hunden ist sowohl für den Besitzer als auch für das Tier eine quälende Angelegenheit. Betroffene Hunde kratzen sich häufig, sie lecken sich vermehrt und knabbern an Stellen, die vom Juckreiz betroffen sind. In der Folge kommt es zu mehr oder weniger schweren Hautläsionen sowie krankhaften Veränderungen des Fells. Als Hundebesitzer spürt man das Unwohlsein des Tieres und fühlt sich häufig hilflos. Wie viel Lecken und Kratzen ist normal? Wann liegt eine ernsthafte Erkrankung oder Störung vor? Und was kann man tun, damit sich der eigene Hund schnell wieder wohlfühlt?

Haut und Fell sind „Spiegel der Gesundheit"

Die Haut und ihr Anhangsorgan, das Fell, stellen das größte Organ des Körpers dar. An Haut und Fell kann man häufig sehr schnell erahnen, ob ein Tier gesund oder krank ist. Erkrankungen, zum Beispiel im Magen-Darm-Bereich, Allergien oder aber auch Stoffwechselstörungen, können sich auf die Haut- und Fellgesundheit des Tieres auswirken und zu mehr oder weniger ausgeprägten Veränderungen führen. Juckreiz, Schuppen, stumpfes Fell, Haarverlust oder Ekzeme sind nur einige Beispiele für Symptome, die darauf hinweisen, dass ein Tier nicht gesund ist.

Ein gesunder Hund sieht folglich auch gesund aus. Zahlreiche Faktoren leisten einen Beitrag zur Gesundheit eines Hundes, darunter auch die Pflege, Haltung und Ernährung. Letztere sorgt dafür, dass der Hund alle Nährstoffe erhält, die er für eine intakte Haut und ein gesundes Fell benötigt. Insbesondere hochwertige Proteine, essenzielle Fettsäuren, Vitamine und Spurenelemente, wie Kupfer und Zink, spielen eine wichtige Rolle für die Haut- und Fellgesundheit. Wird eine hochwertige Nahrung gegeben, so können die Nährstoffe in der Nahrung von Ihrem Hund optimal genutzt werden. Haut und Fell erhalten so alle Nährstoffe, die sie brauchen, um „glücklich“ zu sein.

  • Gut zu wissen: Der Aufbau der Haut

    Die Haut besteht aus mehreren Schichten von Hautzellen. Die oberste Zellschicht nennt man Epidermis. Ihre Zellen sind flach und liegen übereinander wie die Ziegel eines Daches oder Steine in einer Mauer. Die einzelnen Zellen werden durch Hautfette, sogenannte Ceramide, zusammengehalten. Zellen und Ceramide bilden zusammen die sogenannte „Hautbarriere“. Diese schützt den Hund vor schädlichen Einflüssen durch die Umwelt, wie ein Schutzwall. Außerdem verhindert sie, dass der Körper Wasser verliert und austrocknet.

    Wussten Sie schon, dass durch eine optimale Fütterung die Hautbarriere gestärkt werden kann? Studien haben ergeben, dass ein Komplex aus Vitaminen und einer Aminosäure die Ceramidbildung steigern und so die Stabilität der Hautbarriere gefördert werden kann. Wie das funktioniert? Es wird die Bildung derjenigen Hautfette gefördert, die für den Zusammenhalt der einzelnen Zellen der Hautbarriere wesentlich sind. Feuchtigkeitsverluste der Haut gehen zurück, die Haut wird in ihrer Abwehrkraft gestärkt und die Hautgesundheit wird unterstützt.

Wenn es juckt und kratzt - Hautprobleme bei Hunden

Der Haarzyklus: Wie viel Fellwechsel ist normal?

Jedes Haar folgt seinem eigenen Lebenszyklus. Es durchläuft eine Wachstums-, Ruhe und Übergangsphase. Interessant ist, dass nur in der Wachstumsphase ein Einfluss durch die Ernährung genommen werden kann. Warum? Nur in dieser Zeit wird das Haar an seiner Wurzel über ein Blutgefäß mit Nährstoffen versorgt. Deshalb kann die Ernährung auch ausschließlich zu dieser Zeit die Gesundheit des Einzelhaares beeinflussen. Warum lohnt dieses Wissen? Hat ein Hund z.B. Fellprobleme und die Ernährung wird deshalb verändert, so kann sich dieser positive Effekt erst dann auswirken, wenn die Haare des Hundes sich in der Wachstumsphase befinden. Für die Praxis heißt das: Fellprobleme erfordern Geduld. Es braucht Zeit, bis sich positive Veränderungen bemerkbar machen.

Neben dem Haarzyklus unterliegt das Haar auch noch einem jahreszeitenabhängigen Fellwechsel. Der Rhythmus wird durch die Temperatur und die Tageslichtlänge gesteuert. In der Regel wechseln Hunde zweimal im Jahr ihr Fell, um das jeweilige „Sommerfell“ bzw. „Winterfell“ auszubilden. Genau in dieser Zeit nimmt die Bedeutung der Ernährung übrigens noch mehr zu, denn Hunde brauchen nun mehr Nährstoffe, um neues Haar zu bilden und auch die obersten Hautschichten zu regenerieren. Mangelt es in dieser Phase an Nährstoffen, so funktioniert der Fellwechsel nicht reibungslos. Ausdruck dessen sind Vierbeiner, die ständig haaren, bzw. bei denen der Fellwechsel nicht enden mag. Sollten Sie das Gefühl haben, dass Ihr Hund konstant und nicht nur phasenweise deutlich Fell verliert, so lohnt sich ein Besuch beim Tierarzt zur Beratung.

Wie erkenne ich, ob Haut und Fell meines Vierbeiners gesund sind?

Besteht massiver Juckreiz bei Hunden, so können sich innerhalb sehr kurzer Zeit massive Hautveränderungen entwickeln. Die Behandlung wird dann mit jedem Tag schwieriger und aufwendiger. Das Motto lautet deshalb: So früh wie möglich reagieren, um rechtzeitig Schlimmeres zu vermeiden. Der Tierarzt sollte schnellstmöglich aufgesucht werden, um den Vierbeiner zu untersuchen und die Ursache für den massiven Juckreiz zu finden und Therapiemaßnahmen festzulegen.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob eine mögliche Hauterkankung vorliegt, können Sie zunächst eine genaue Begutachtung vornehmen. Die Checkliste unten enthält hilfreiche Fragestellungen:

  • Checkliste: Haut & Fell bei meinem Hund

    Schauen Sie sich die Haut und das Fell Ihres Hundes ganz genau an:

    • Glänzt das Fell und liegt es eng an?
    • Gibt es haarlose Stellen?
    • Gibt es Fellverfärbungen, etwa zwischen den Zehen?
    • Sehen Sie Schuppen oder Ekzeme?
    • Können Sie Schürfwunden oder andere Verletzungen erkennen?

    Im nächsten Schritt sollten Sie das Fell anfassen. Überprüfen Sie dabei, wie sich das Fell anfühlt:

    • Besteht übermäßige Fettbildung?
    • Riecht das Fell sehr stark?
    • Verliert Ihr Hund bei Berührungen übermäßig viele Haare?
    • Handelt es sich um den normalen jahreszeitenabhängigen Fellwechsel oder verliert Ihr Hund während des ganzen Jahres übermäßig viel Fell?

    Beobachten Sie das Verhalten Ihres Hundes:

    • Kratzt sich Ihr Hund sehr häufig?
    • Leckt Ihr Hund vermehrt an gewissen Stellen?
    • Knabbert er zum Beispiel regelmäßig an den Pfoten?
    • Reibt er sich auffällig an Gegenständen oder rauen Oberflächen, um seinen Juckreiz zu stillen?

 

Schauen Sie unbedingt auch auf Ohren und Krallen! Es handelt sich um Anhangsorgane der Haut, die häufig mit reagieren und erkranken, wenn die Haut- und Fellgesundheit beeinträchtigt ist. Bei Allergien besteht in der überwiegenden Zahl der Fälle auch eine beidseitige Ohrenentzündung.

Was sind mögliche Ursachen für ein starkes Jucken und Fellverlust?

Flohspeichelallergie

Die Flohspeichelallergie, die durch den Biss des Flohs ausgelöst wird, ist die häufigste allergische Hauterkrankung, wobei die Reaktion unabhängig von der Anzahl der Flöhe ist. Bereits wenige Flöhe können mit ihrem Speichel eine allergische Reaktion auslösen. Ein betroffener Hund zeigt intensiven Juckreiz und Hautveränderungen besonders in der hinteren Körperhälfte. In diesem Fall muss eine 100%ige, konsequente Flohkontrolle und Prophylaxe durchgeführt werden, da die Tiere jedes Mal, wenn ein Floh die Möglichkeit hat, das Tier zu beißen, wieder Hautveränderungen zeigen. Hier bietet die Tierarztpraxis eine Vielzahl von hervorragend verträglichen und wirksamen Produkten an. Diese wirken nicht nur gegen Flöhe, sondern auch gegen Zecken.

Was tun?

Eine Flohkontrolle können Sie bei Ihrem Hund durchführen, indem Sie ihn auf eine weiße Unterlage wie z.B. ein Stück Küchenrolle setzen und gründlich durchbürsten. Finden Sie schwarze Punkte auf der weißen Unterlage, so befeuchten Sie diese mit einem Tropfen Wasser. Kommt es zu einer rötlichen Verfärbung, so handelt es sich um Flohkot (getrocknetes Blut).

Atopie

Eine Atopie ist eine erbliche, immunologische Abwehrreaktion, die auf der äußeren Körperoberfläche stattfindet. Betroffene Tiere reagieren allergisch auf Umweltreize und Stoffe in der häuslichen Umgebung. Eine vergleichbare Allergie bei uns Menschen wäre der Heuschnupfen. Zu den Allergenen, die am häufigsten beteiligt sind, zählen Hausstaubmilben, Pollen oder Schimmelpilze.

Bei Hunden mit atopischer Dermatitis ist die Barrierefunktion der Haut beeinträchtigt, wodurch diese Stoffe die Haut leichter durchdringen können. Das Immunsystem der Vierbeiner reagiert auf die Umweltallergene überempfindlich und es kommt zu einer Abwehrreaktion des Körpers. In der Folge treten Entzündungsreaktionen auf, die oft mit Juckreiz einhergehen. Das typische Alter des Krankheitsbeginns liegt zwischen 6 Monaten und 3 Jahren. Bevorzugt zeigen sich die Hautveränderungen am Kopf, an den Pfoten, am Bauch, in der Leistengegend und in den Achselhöhlen. Häufig tritt auch eine beidseitige Ohrenentzündung auf. 

Futtermittelallergie

Hat ein Vierbeiner eine Futtermittelallergie, so reagiert sein Immunsystem auf bestimmte Eiweiße (= Proteine) in der Nahrung überempfindlich, also allergisch. Ziel muss es deshalb sein, herauszufinden, welche Proteine dem betroffenen Hund „das Leben schwer machen“, um diese zukünftig zu vermeiden. Falsch ist in diesem Zusammenhang übrigens die Aussage, dass Proteine grundsätzlich „schlecht“ sind. Es geht nicht um die Höhe des Proteingehaltes in der Nahrung - der kann ruhig weiterhin „hoch“ sein - sondern die Vermeidung bestimmter, verdächtiger Proteinquellen. Auf welches Protein der Vierbeiner allergisch reagiert, ist ganz unterschiedlich: Rind, Milcheiweiß, Fisch, Hühnerei, Weizen – vieles ist möglich. Auch ist es unerheblich, ob ein Protein tierischer oder pflanzlicher Herkunft ist. Keine Proteinquelle ist allergener als die andere. Allergische Reaktionen sind also sowohl auf tierische als auch auf pflanzliche Eiweiße möglich.

Hunde mit diagnostizierter Futtermittelallergie müssen zeitlebens den Nahrungsbestandteil, auf den sie allergisch reagieren, vermeiden. In kommerziell gefertigter Tiernahrung werden heute meist mehrere Proteinquellen gemischt, um möglichst viele Geschmacksrichtungen zu kreieren. Dadurch ist der Allergiker jedoch bereits mit zahlreichen Eiweißquellen in Kontakt gekommen, was die Suche nach nicht allergieauslösenden Proteinen heute oft erheblich erschwert und auf den Einsatz von sogenannten „Single Source Diäten“ mit nur einer Proteinquelle limitiert. Dadurch rücken Diätnahrungen aus hydrolysierten Proteinen immer mehr in den Fokus.

Schon gewusst?
In der überwiegenden Zahl der Fälle äußert sich die Allergie in dermatologischen Symptomen. Dann besteht massiver Juckreiz mit Folgeerscheinungen, wie Ekzembildung etc. Ein kleiner Teil der Tiere reagiert allerdings auch mit Magen-Darmbeschwerden, d.h. die Tiere leiden unter Durchfall und Erbrechen.

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Ihr Hund leckt sich oft, hat kahle Stellen im Fell oder kratzt sich übermäßig?

Wenn Sie dieses Verhalten bei Ihrem Hund beobachten, dann sollten Sie unbedingt Ihren Tierarzt aufsuchen und Ihren Hund untersuchen lassen. Hautprobleme haben oft tieferliegende Ursachen, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind.

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