
In Deutschland werden gegenwärtig mehr Katzen als Hunde gehalten, trotzdem sind sie in geringerer Zahl bei den Tierarztkonsultationen vertreten. Warum stellt man Katzen seltener dem Arzt vor als Hunde? Meist zögert der Besitzer, das Tier zum Arzt zu bringen und meint "das ging nicht gut". Katzen können sich bei der Konsultation sehr lebhaft aufführen; sie mögen es nicht, ihren Wohnsitz zu verlassen, noch weniger wenn es zum Tierarzt geht, wo so viele Gerüche in der Luft liegen, die von Artgenossen stammen. Dann muss die Katze beim Arzt stillhalten und es sich gefallen lassen, dass ein Fremder sie anfasst und untersucht und ihr zu allem Überfluss oft genug eine Spritze verpasst.
Wenn eine Katze ständig in der Wohnung lebt, ist der Besitzer der Meinung, sie sei vor Infektionskrankheiten geschützt. Umgekehrt meinen viele Katzenbesitzer, deren Katzen auf dem Land im Freien leben, sie müssten kein Geld ausgeben, um ihre Tiere impfen oder sterilisieren zu lassen. Als Begründung führen sie an, die Katzen stürben ohnehin oft vorzeitig, wenn sie unter ein Auto geraten oder ein böswilliger Nachbar sie erschieße. Ein anderer wichtiger Grund liegt bei der Katze selbst: Katzen sind Tiere, die kaum wehleidig sind und sich rasch daran gewöhnen, mit einer Behinderung zu leben. Sie „verbergen" daher oft ihre Krankheiten und Beschwerden, und nur sehr geringfügige, kaum wahrnehmbare Verhaltensänderungen können den Besitzern ein Problem signalisieren. So kommt es nicht selten vor, dass beispielsweise eine Anämie bei diesen Tieren unbemerkt bleibt und dass die Katze erst im Endstadium der Krankheit zum Tierarzt gebracht wird. Der Hämoglobingehalt ist niedrig, und die Zahl der roten Blutkörperchen fällt rapide ab. Das Blut kann keine ausreichende Menge Sauerstoff mehr binden, das Tier ist schnell erschöpft, aber es kompensiert dieses Problem, indem es sich weniger bewegt. Erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium der Krankheit, wenn der Hämoglobingehalt auf 4 bis 5 g/dl gesunken ist (die normalen Werte liegen bei 10 bis 15 g/dl ), fällt dem Besitzer auf, dass es seiner Katze nicht gut geht. Trotz dieses Hintergrundes schenken heute sowohl Tierhalter als auch Tierärzte den Katzen schon viel stärkere Beachtung. Es gibt auch einige Maßnahmen, die dazu beitragen, dass eine Katze sich beim Tierarzt „gut aufführt".

Damit die Katze ruhig bleibt und sich nicht ängstigt, muss sie in einem Katzenkorb transportiert werden. Man setzt sie entweder vor der Fahrt oder im Wartezimmer in den Korb (manche Katzen sind im Auto lieber nicht in den Korb eingesperrt). In dem Korb kann die Katze eine schützende Zuflucht vor Menschen und anderen Tieren, Katzen und Hunden, suchen. Der Korb bietet auch Schutz vor Sekreten, wenn z.B. eine Katze mit Schnupfen im Wartezimmer niest. Wenn der Transport in einem Taxi erfolgt, sollte man einen Korb mit dichtem Boden aus Plastik und einer Gummiunterlage verwenden, falls Ihre Katze „ihr Geschäft verrichten" oder erbrechen sollte. Wenn die Katze nicht in den Korb hineingehen will, muss man sie rückwärts hineinschieben. Wenn sie gewohnheitsgemäß beim Tierarzt aggressiv reagiert, ist ein Korb angebracht, der von oben geöffnet wird (wie manche Weidenkörbe); die Katze ist dann leichter zu greifen. Schließlich noch ein Wort zu dem Fall, dass ein längerer Weg zu Fuß zurückzulegen ist: hierfür eignet sich eher ein biegsamer Korb mit flachem Boden, er lässt sich leichter tragen. Manche sehr ruhige Katzen lassen sich auch an der Leine führen oder legen den Weg auf der Schulter ihres Besitzers zurück. Viele werden jedoch unruhig und beginnen umherzutoben, wenn sie im Wartezimmer ankommen, weil sie sich nirgendwo verstecken können.

Der Tierarzt legt in der Regel Wert darauf, dass der Besitzer der Katze während der Untersuchung anwesend ist, damit das Tier sich sicherer fühlt. Insbesondere ist wichtig, dass die Katze ihre Bezugsperson jederzeit sehen bzw. ihre Anwesenheit fühlen kann. Schüchtern veranlagte Katzen haben das Bedürfnis, ihren Kopf unter dem Arm oder unter dem Zipfel eines Kleidungsstücks ihres Besitzers zu verbergen. In der Regel wird die Katze während der Untersuchungen nur ganz leicht festgehalten. Der Tierarzt fixiert die Katze auf dem Tisch, indem er sie lediglich mit einer Hand am Brustlatz festhält. Ist eine Spritze zu verabreichen oder muss der Körper abgetastet werden, wobei das Tier Schmerz empfinden kann, hält er es am Hals fest, damit es nicht weglaufen kann. Diese Art des Festhaltens sieht zwar dramatisch aus, verursacht aber keine Schmerzen. Wenn Proben entnommen werden müssen, wie etwa Blut- oder Urinproben, kann Hilfestellung durch eine Krankenschwester erforderlich sein, das Tier wird dann fester gehalten. Es ist wichtig, in dieser Situation ruhig zu bleiben, denn Katzen sind sehr empfänglich für die Ängste ihrer Bezugspersonen. Ruhiges, schnelles Arbeiten ist Unterpfand des Erfolgs, denn so vermeidet man, dass die Katze die Geduld verliert, sich aufregt und aggressiv wird. In einigen seltenen Fällen greift der Tierarzt auf drakonische Maßnahmen zur Fixierung aggressiver Katzen zurück; die manchmal über jedes Maß beunruhigte Katze kann in Panik verfallen und jede Selbstkontrolle verlieren. Sie verwandelt sich dann in eine kleine Wildkatze, die um sich beißt und kratzt, wie es gerade kommt, dabei auch ihren Besitzer nicht verschont, da sie ihn nicht mehr erkennt. In diesem Fall muss man dicke Handschuhe anlegen und das Tier mit einem großen Handtuch stilllegen. So barbarisch, wie dies auch aussehen mag, diese Methode ermöglicht es, das Tier unter Kontrolle zu halten, damit es niemanden verletzen und auch sich selbst nichts zufügen kann.

Katzen sind in der Behandlung so heikle Tiere, weil sie oft nur unspezifische und undeutliche Symptome zeigen, die Symptome sind unabhängig von der jeweiligen Erkrankung gleichbleibend: das Tier frisst nicht mehr, es versteckt sich, erbricht. Anders als ein Hund, der sich beklagen kommt, wenn ihm etwas fehlt, stellt die Katze jede Aktivität ein, hält Haus mit ihren Kräften und versteckt sich. Zum Glück für den Tierarzt können die Besitzer der Katzen, da sie ihren Tieren sehr nahe stehen, die Feinheiten erkennen, die sich in deren Verhalten geändert haben. Es ist darum wichtig, dass der Besitzer zu Beginn des Tierarztbesuchs sorgfältig die von ihm beobachteten Abweichungen zum normalen Verhalten des Tieres beschreibt. Diese Gesprächatmosphäre gibt auch der Katze Gelegenheit, sich zu entspannen und sich besser in die Situation zu fügen.


Anschließend führt der Tierarzt die klinische Untersuchung durch. Dies ist eine wichtige Etappe, die in Ruhe absolviert werden muss. Sie besteht darin, dass die Katze genau in Augenschein genommen wird: die Farbe der Schleimhäute, der Geruch im Mundraum, das Aussehen des Fells werden geprüft. Die Augen werden mit einem Ophtalmoskop untersucht, die Ohren mit einem Otoskop. Anschließend wird das Abdomen abgetastet, in der Regel ist dies sehr leicht aufgrund der geringen Körpergröße der Katze. Durch das Abtasten können anormale Massen (Hypertrophie der Ganglien, Tumore, Fremdkörper) sowie die Beschaffenheit der Harnblase und des Darminhalts erkannt werden. Schließlich gibt das Abhören mit einem Stethoskop Auskunft über den Zustand von Herz und Lunge. Das Herz einer Katze schlägt mit hoher Frequenz (durchschnittlich 200 Herzschläge pro Minute) und kann, wenn das Tier erregt ist, bis zu 260 Schläge pro Minute erreichen. Das Abhören gestaltet sich manchmal schwierig, wenn die Katze schnurrt, dies kommt oft bei Kätzchen oder bei alten, sehr kranken Katzen vor. Achtung, im letztgenannten Fall ist das Schnurren ein Zeichen, dass das Tier leidet. Schließlich muss der Tierarzt für die endgültige Diagnose oft zusätzliche Untersuchungen vornehmen (Blut- und Harnanalysen, Röntgen, Ultraschalluntersuchung, Biopsie). Die Katze trägt ihr Leiden nicht zur Schau und ist im Ausdruck zurückhaltend, darum benötigt der Tierarzt großen Scharfblick, um die betreffende Krankheit zu erkennen. Zum Glück für die Katzen befindet sich die Katzenheilkunde heute in vollem Aufschwung. Teilweise ist dies der Nachfrage von Seiten der Katzenbesitzer zu danken: sie widmen der Gesundheit ihrer vierbeinigen Gefährten mehr und mehr Aufmerksamkeit. Und die Katzen, da sie mit wachsender Regelmäßigkeit von klein auf zum Impfen kommen, gewöhnen sich ebenfalls daran, die Untersuchungsprozedur zu ertragen.

Seit den 60er Jahren hat die Katzenheilkunde einen großen Schritt nach vorn getan. Die Innere Medizin hat sich dabei am stärksten weiter entwickelt, zuerst mit der Erforschung der Viruserkrankungen und der Identifizierung des Leukosevirus sowie der Erforschung des Immunschwäche-Syndroms und der Infektiösen Peritonitis der Katze, danach mit der Erkennung der Erkrankungen des Harnsystems (Niereninsuffizienz und Blasenentzündung) einschließlich der Entwicklung neuer Diätfuttersorten, der Erforschung der Lebererkrankungen (der verschiedenen Arten von Hepatitis als Ursache der Gelbsucht), und in jüngster Zeit mit der Erforschung der Herzkrankheiten, die einfacher zu erkennen sind, seit Ultraschalldiagnostik und Doppler-Sonographie in die Untersuchungstechnik Einzug gehalten haben. Die angelsächsischen Ländern sind besonders weit auf diesem Gebiet fortgeschritten. So wurde an der Universität von Cornell im Staat New York bereits vor 25 Jahren ein ganzes Departement ausschließlich für Katzenheilkunde eingerichtet. In Europa hat Großbritannien mit einem 1993 an der Universität von Bristol eingerichteten Departement für Katzenheilkunde die Führungsposition inne. In Frankreich haben sich Züchter und Tierärzte, die sich besonders für Katzen interessieren, zu einem Verband formiert, der „Société française de félinotechnie" (S.F.F.), um Konferenzen zu organisieren, die sich ausschließlich mit Problemen der Gesundheit der Katzen beschäftigen.

Die in einigen Ländern entstandenen „cat clinics" , Tierkliniken speziell für Katzen, sind ebenfalls der leidenschaftlichen Begeisterung für Katzen zu verdanken. Die erste derartige Klinik wurde 1975 in Chicago von Dr. Barbara Stein gegründet, darauf folgten zahlreiche weitere (gegenwärtig zählt man in den USA 300 „cat clinics"). Die erste europäische Klinik speziell für Katzen wurde im Oktober 1987 in Dänemark eröffnet, danach folgten andere in Großbritannien und Frankreich. Andere Tiere außer Katzen haben keinen Zutritt zu diesen Kliniken, so soll vermieden werden, dass fremdartige Gerüche und Geräusche die Katzen verstören. Der Bereich der Katzenheilkunde befindet sich in voller Aufwärtsentwicklung. Katzenbesitzer, Züchter, Universitätsgelehrte und Tierärzte zeigen Interesse. Es ist ja auch ein edles Anliegen all dieser Katzenfreunde, den „Samtpfoten" zu dienen!


Wenn eine Katze in die Klinik eingeliefert wird, versucht man, bestimmte Bedingungen einzuhalten, um dem Tier ein möglichst gutes Befinden zu sichern. Katzen ängstigen sich leicht, und sie benötigen viel Schlaf (im Durchschnitt 18 bis 24 Stunden). Man ist daher bestrebt, sie weit entfernt von Hunden, die ab und zu bellen, unterzubringen. Eine Katze, die nicht ausreichend schläft, wird reizbar. Außerdem lieben Katzen die Bequemlichkeit: es geht nicht an, sie in einen leeren, kalten Käfig einzusperren. Eine Katze braucht ein Katzenklo und ein Lager; es ist auch zweckmäßig, ihr ein Kleidungsstück zu lassen, das sie kennt (einen Schal oder Pullover ihrer Bezugsperson). Ihr Lager muss in einem beheizten Raum untergebracht sein. Auch wenn die Katze keinen Lärm mag, so mag sie doch ein wenig Unterhaltung (Vögel draußen am Fenster, ab und zu die Anwesenheit eines Menschen, der nach ihr schaut, all die Dinge, bei denen sie ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen kann: Schlummern und Beobachten). Besuche der Besitzer sind in der Klinik gern gesehen: oftmals ist es so ein Besuch der Anlass, aus dem die Katze, etwa nach einer Operation, zum erstenmal wieder Futter annimmt und zu fressen beginnt. Oftmals ist es so ein Besuch, der die Katze dazu bewegt, sich zu recken und zu strecken, um sich an ihren Besitzer zu schmiegen. Die Katze ist ein reinliches Tier: man bemüht sich also, sie zu putzen (bürsten, die Augen auswischen, das Mäulchen reinigen etc.) Alle diese „kleinen Pflegemaßnahmen" (Säuberung, Streicheln, ihr das Lieblingsfutter geben, ihr freundlich zureden..) sind notwendig für das Wohlbefinden und eine positive Stimmung der Katze. Weit fort von ihrer gewohnten Umgebung kann es sonst leicht geschehen, dass die Katze trotz aller ihr angediehenen medizinischen Versorgung verkümmert und eingeht.

ANZEICHEN, BEI DENEN EIN TIERARZT AUFGESUCHT WERDEN SOLLTE
- Husten oder Niesen - Ausfluss aus Augen und/oder Nase - Speichelfluss und Vernachlässigung des Putzens (Zahnbettentzündung und Zahnschmerzen) - Wiederholtes Auftreten von Erbrechen und Durchfall - Atembeschwerden mit starken Auf - und Ab - Bewegungen des Brustkorbs (Flüssigkeitsansammlung im Brustraum). - Gelbfärbung der Schleimhäute und der Haut: Zahnfleisch, Bindehaut, Ohrmuschel (Anzeichen von Gelbsucht). - Jede Verdickung oder Warzenbildung auf oder unter der Haut oder in der Nähe der Milchdrüsen (Möglichkeit eines Tumors). - Jeder Ausfluss aus der Vagina: Eiter oder Blut (Anzeichen von Gebärmutterentzündung oder Gebärmutterkrebs). - Ungewöhnlicher Durst, verbunden mit vermehrter Harnausscheidung (Anzeichen Leber- oder Niereninsuffizienz oder Diabetes). - Die Katze bleibt vor dem Wassernapf stehen und trinkt nicht. - Die Katze wird unrein (Urin, Abkoten außerhalb des Katzenklos). - Die Katze sucht häufig das Katzenklo auf, ohne etwas auszuscheiden bzw. sie scheidet nur einige Tropfen Urin aus (Blasenentzündung). - Die Katze wird aggressiv und beißt (möglicherweise Zahnschmerzen). - Eine alte Katze stößt plötzlich gegen Möbel (Verlust der Sehkraft bei Bluthochdruck).
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