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Die Bedeutung der Katze in der Geschichte

Das Bild, das uns die Katze im Verlaufe der Jahrtausende hinterlassen hat,erscheint wie ein ungeheurer Taumel zwischen extremen Welten. Von Epoche zu Epoche und von Land zu Land gingen die Meinungen über die Katze extrem auseinander, sie war Gottheit und Teufel, Glücksbringer und Grund allen Übels. Kein anderes Tier vermochte so viel Leidenschaft, Hass oder Bewunderung hervorzurufen. Es zeugt von einem ungewöhnlichen Charakter, in der Antike als Herrscher des Universums verehrt, im Mittelalter verabscheut und gefoltert zu werden, den Menschen heutzutage jedoch wieder würdevoll und faszinierend zu erscheinen. Welches Bild macht sich der Mensch von der Katze seit der Zeit, in der er mit ihr in Kontakt gekommen ist? Wie wird ihr Verhalten, wie ihr Auftreten gedeutet? Inwiefern ist dieses Tier dem Menschen nützlich?

Die Bedeutung der Katze

Die Katze weckt, je nach Epoche, verschiedene extreme Gefühle. Im alten Ägypten wird sie mit Mond und Sonne verknüpft und in den Stand einer Gottheit erhoben. Im Europa des Mittelalters kehrte sich ihr Los ins Gegenteil.

Der Katzengott

Die Katze erlebte ihre Sternstunden im Orient, wo sie verehrt und bewundert wurde. Von 1785 bis 1557 v.Chr., während des Übergangs vom Mittleren zum Neuen Reich, verehrten die Ägypter Bastet, die Katzengöttin mit Frauenkörper und Katzenkopf. Diese Göttin der Liebe und Fortpflanzung wurde sowohl in der Stadt Bubastis, die zur Zeit der Bubastiden Hauptstadt werden sollte, als auch in Sakkara verehrt, wo ihr ein Tempel, das Bubasteion, errichtet wurde. Zu jener Zeit ist es ein gängiger Brauch, heilige Katzen zu halten und während jährlich stattfindender Zeremonien anzubeten. Sie werden mit in Milch eingeweichtem Brot und Fischen aus dem Nil gefüttert, bevor sie in einem Korb ausgestellt werden, um die Huldigungen des Volks entgegenzunehmen. Nach ihrem Tode wickelt man sie in ein Leintuch und balsamiert ihren Körper mit Zedernöl ein. Mit der XXII. Dynastie (950 v.Chr.) kommt die Mumifizierung der Katzen auf. Später, im Verlaufe der starken Ausbreitung der griechischen Kultur im Land der Pharaonen während der XXX. Dynastie und im IV. Jahrhundert v.Chr., ist dieser Brauch schon zu einem festen Bestandteil der Sitten geworden: die Zahl der mumifizierten Katzen steigt stark an. Ein eindrucksvoller Beleg dafür ist die Entdeckung von bisher 16 Katzenfriedhöfen, deren wichtigste sich in Beni-Hassan, im Heiligtum der Katzengöttin Bastet in Sakkara, sowie in Bubastis befinden. Zunächst wurden die Katzenmumien nach Europa eingeschifft und im Londonder Natural History Museum konserviert. Doch angesichts der immer zahlreicher werdenden Funde musste man sich schließlich dazu entschließen, sie zum Düngen zu verwenden. Untersuchungen mitRöntgenaufnahmen, die kürzlich an diesen antiken Kostbarkeiten vorgenommen wurden, haben neue Erkenntnisse erbracht. Es handelt sich nämlich hauptsächlich um sehr junge Katzen im Alter zwischen 2 und 4 sowie 9 und 17 Monaten. Ein Detail lässt überdies Rückschlüsse auf die Sitten der Ägypter zu: ein Strangulationsmal an den Hälsen der Jungkatzen deutet darauf hin, dass sie nicht zwangsläufig eines natürlichen Todes gestorben sind, bevor man sie in Natron tauchte und anschließend einbalsamierte. Nichtsdestotrotz zieht der Katzenkult der Ägypter Kreise. Sein Einfluss erstreckt sich auch auf das Ausland: so gehen die wahrscheinlich aus dem 1. Jahrhundert v.Chr. stammenden Amulett-, Statuetten- und Sistrumfunde in Toulouse in Frankreich mit den Funden in den britischen Ortschaften Budbury, Gussage All Saints und Danebury einher, die als Katzenüberreste identifiziert wurden. Diese Fundstellen sind Belege für die starke Verwurzelung und die weite Verbreitung der Katze. Über lange Zeit hinweg erwähnen auch die griechischen Gelehrten den Katzenkult der Ägypter in ihren Schriften. Herodot etwa beschreibt die Familientrauer anlässlich des Todes des Tieres. Die Tradition verlangte, dass man sich zum Zeichen des tiefen Schmerzes die Augenbrauen abrasierte. Auch Diodor von Sizilien beschreibt die Leidenschaft der Ägypter für die Katzen. In einer Episode aus der kritischen Zeit, in der die Ägypter Krieg mit Rom fürchteten, berichtet er von der Machtlosigkeit des Königs Ptolemaios XII., Vater von Kleopatra, einen Römer, der aus Versehen eine Katze getötet hatte, vor der Steinigung zu retten. Die den Mord an heiligen Tieren ahnenden Gesetze sind dermaßen streng, dass selbst der König keine Macht hat, sie zu überschreiten. Die Katze ist heilig. Sie beeinflusst die Entscheidungen ihrer Anhänger. Gemäß der Schilderung des Geschichtsschreibers Polybios kommt diesem Tier im VI. Jahrhundert v.Chr. in militärischen Auseinandersetzungen sogar eine strategische Rolle zu. Etwa bei der Belagerung Pelusiums durch Perserkönig Kambyses II. Die Feinde bemächtigten sich der Katzen und postierten sie in vorderster Kampfesreihe. Diese Kriegslist führte zur sofortigen Aufgabe der Ägypter, die sich weigerten, ihre heiligen Tiere zur Zielscheibe einer Schlacht zu machen. Im Orient wird die Katze ebenfalls verehrt. Die Legende besagt, dass Mohammed es vorzog, einen Ärmel seines Kleides abzuschneiden, als die in seinen Armen eingeschlafene Katze Muezza zu wecken. Im XIII. Jahrhundert vererbt der Sultan El-Daher-Beybars streunenden Katzen einen großen Garten, der in der Folge "Obstgarten der Katzen" oder Gheytel-Qouttah genannt wurde. Auch im Fernen Osten genießt die Katze hohes Ansehen. Buddhistische Mönchen züchten heilige Katzen. Vor den Toren eines Palastes im japanischen Kyoto steht die Statue einer weißen Katze, die gerade fünf Junge zur Welt bringt. Dieser Tempel ist der Katze Maneki-Neko gewidmet, die sitzend und mit zum Willkommensgruß erhobener Pfote dargestellt wird.Er zeigt, wie sehr die Katze im Land der aufgehenden Sonne verehrt wurde.

Die Sonnenkatze

Als Verkörperung der Sonne hat die Katze die Macht, es jeden einzelnen Tag hell werden zu lassen.   Von ihren Vorfahren erbt die Katzengöttin Bastet ihre besondere Beziehung zur Sonne. Sie ist nämlich, wie ihre Schwester Sachmet, die Tochter des Sonnenkönigs Ra und trägt den Beinamen Blick-des-Ra. Die der Göttin gleichgestellte Katze, wird also mit der Sonne verknüpft, doch mehr noch als ihrem Charakter verdankt sie diese Verbundenheit ihrem Tun. Im Grunde ist es die Jagd auf Schlagen, wodurch die Katze es der Sonne ermöglicht, das Universum zu erhellen. Denn trifft die Katzengöttin auf den in ewige Dunkelheit und Chaos gehüllten Schlangendämon Apophis, bewahrt sie die Sonne vor ihrer totengleichen Versenkung. Die Illustrationen des Totenbuches zeigen sehr deutlich, wie sich die Katze darauf vorbereitet, der Furcht erregenden Schlange Apophis den Kopf abzuschlagen, sollte diese es wagen, näherzukommen. Dieser Geschichte zufolge kann die Welt nur dank der Wachsamkeit und dem Mut der Katze regelmäßig in Helligkeit erstrahlen. Für die Ägypter war die Katze der Wächter der Nacht und wurde deshalb als Held angesehen. Sie erfüllt ihre Aufgabe als Wachtposten im Herzen der Finsternis. Sie spielt eine entscheidende Rolle bei der nächtlichen Überfahrt der Sonnenbarke in das Reich der Toten, auch Amenta genannt. Es ist ein sich Nacht für Nacht wiederholendes Drama. Während der zwölf Stunden des Tages durchquert Ra, die Sonne, die zwölf Regionen Ägyptens. Doch um sechs Uhr, als er gerade die Pforten zur Unterwelt durchschreitet, übermannt ihn der Schlaf. In Begleitung der Toten, die er ins Jenseits führen soll, ist auch er nichts weiter als eine Leiche, dazu verdammt, die Stunden der Nacht zu durchfahren. In der achten Stunde jedoch kommt es zum entscheidenden Ereignis: Apophis taucht auf, um die Weiterfahrt der Sonnenbarke zu verhindern. In ebendiesem Moment richtet sich die Katze kühn und unerschrocken auf: "Ich bin Atoum, die göttliche Katze aus Heliopolis", verkündet sie und fährt, zu den Toten gewandt, fort: "Oh, ihr gerechten Verstorbenen, die ihr zu euren Lebzeiten gegen den Geist des Bösen gekämpft habt, ich werde in Amenta alle bösen Geister von euch fern halten, denn ich bin Atoum von den Himmeln, Atoum von den Anfängen und vom Ende der Welt." Kraftvoll enthauptet die mächtige Katze Apophis und macht den Weg für die Sonnenbarke frei, die sich wieder in Bewegung setzt. Das Eingreifen der Katze ermöglicht es der Sonne, zur zwölften Stunde wieder aufzugehen. In der ägyptischen Kultur ist die Schlange, die beschuldigt wird, den Tag verdunkeln zu wollen, allgegenwärtig. So ist sie zum Beispiel auf elfenbeinernen "Kultschiffchen" zu sehen, die aus der XII. Dynastie (1901 - 1785 v. Chr.)stammen. Es ist eine vor einer Schlange stehende Katze mit erhobenem Messer abgebildet, was den Kampf des Ra gegen die Finsternis symbolisiert. Diese Geschichte erzählt auch das Totenbuch, dort wird eine Große Katze erwähnt, die in der Stadt Heliopolis auf dem Perserbaum an der Seite Ras wohnt, und mit dem Schlangendämon Apophis um den Eintritt der Morgendämmerung kämpft. Die Identifikation der Katze mit der Sonne gehört zum kollektiven Bewusstsein und so findet man sie auch auf Säulen des Neuen Reiches.

Die Mondkatze

Die Katze wird dem die Schwangerschaft der Katze beeinflussenden Mond gleichgesetzt. Die gütige, Menschen und Kindern wohl gesonnene Göttin Bastet, Beschützerin schwangerer Frauen und der Gegenpol ihrer die Zerstörung verkörpernde Zwillingsschwester Sachmet, wird als Mondgöttin verehrt. Sie stellt die Hitze der Fruchtbarkeit dar. Plutarch beschrieb diese Verknüpfung der Katzengöttin mit dem Mond erstmals in seiner Abhandlung Isis und Osiris. Damals glaubte man, dass eine Katze in ihrem Leben siebenmal trächtig werden und insgesamt 28 Kätzchen zur Welt bringen könne. Die letzte Zahl entspricht der Anzahl der Tage einer Mondphase. Die Griechen vereinten ihre den Mond personifizierende Göttin Artemis mit der Katzengöttin Bastet. Diese Vereinigung lag auf der Hand, da Artemis der griechischen Mythologie zufolge vor der Verfolgung des Drachens Python nach Ägypten flüchtete, nachdem sie sich in eine Katze verwandelt hatte. Dass die Katze mit dem Mond in Verbindung gebracht wird, liegt an einer körperlichen Besonderheit. Das Katzenauge, dessen Pupille sich abhängig von den Lichtverhältnissen weitet und zusammenzieht, machte die Griechen stutzig. Zum damaligen Zeitpunkt waren sie außer Stande, eine wissenschaftliche Erklärung für dieses Phänomen zu geben. Sie glaubten, dass die Pupille in Anlehnung an die Mondphasen wächst und abnimmt. Im Verlauf der Geschichte inspiriert die Verbindung zwischen Katze und Mond auch die Architektur. Über dem Portal der Kirche Saint-Michel de Lescure nahe der französischen Stadt Albi, einem wahren Meisterwerk der römisch-benediktinischen Architektur (1150), befinden sich Friese, auf denen 24 Katzenköpfe angeordnet sind. Es handelt sich um einen kosmischen Kalender, auf dem abwechselnd Sonnen und Monde vor dem Hintergrund eines Musters aus Pflanzen und Tieren zu sehen sind. Es heben sich 23 bogenförmig angeordnete Katzenköpfe ab, ein etwas größerer 24. befindet sich auf dem Schlussstein. Dargestellt werden die 24 Stunden eines Tages, in die auch der Wechsel zwischen Tag und Nacht fällt.

Ein wertvoller Führer

In der griechischen, römischen und galloromanischen Welt existiert der Glaube, dass die Katze ihren Halter noch nach ihrem Tod begleitet. Dies zeigt die Grabstelle von Salamis (420 v.Chr.). Die Stelle von Laetus zeigt eine ähnliche Szene, setzt ihren Akzent aber auf die von der Katze zeitlebens übernommene Rolle eines Führers. Dieses Ende des I. oder Anfang des II. Jahrhunderts n.Chr. entstandene architektonische Kunstwerk, das 1831 in einer Mauer der römischen Befestigungsanlagen von Bordeaux gefunden wurde, zeigt ein kleines Mädchen, das ein Kätzchen in seinen Armen trägt. Diese Katze hat die Aufgabe, das Kind vor den auf seinem Wege lauernden Tücken zu bewahren. In der Kunstgeschichte der vergangenen Jahrhunderte ist die eine besondere Stellung an der Seite eines Kindes einnehmende Katze ein häufiges Motiv. Kinder inmitten ihrer Spielsachen und Haustiere abzubilden, ist überdies ein sowohl bei Römern als auch bei Galliern fest verankerter Brauch.

Die Teufelskatze

Im Mittelalter verabscheut man die Katze als Ausgeburt der Hölle, verbrennt sie und misshandelt sie aufs Übelste. Im Mittelalter, besonders zwischen 1180 und 1233, wird die Katze auf Grund ihrer merkwürdigen und unverstandenen Verhaltensweise zur Zielscheibe schwerster Anschuldigungen. Sie wird der Verbrechen beschuldigt, welche die Heiden den Christen, und später die Christen den Gnostikern und Juden zuschreiben. Man bringt sie mit Teufelsanbetungsritualen ketzerischer Sekten in Verbindung. Den Katharern zufolge erscheint der Teufel in Gestalt einer Katze. Im Jahr 1230 beschreibt der Bischof von Paris, Guillaume d'Auvergne, Luzifer in seinen Schriften als eine Krähe oder Katze.

Die verfluchte schwarze Katze

Ihre Farbe ist beunruhigend und beschert ihr ein unheilvolles Schicksal. Schwarze Katzen wecken schon von alters her das Misstrauen und den Hass der Menschen. Diese Abneigung geht bis zu Psammetique II., einem der Pharaonen der XXVI. Dynastie (594-588 v.Chr.) zurück, der die Standbilder der äthiopischen Usurpatoren zerstören ließ und alle schwarzen Äthiopier verdammte. Diese Geisteshaltung dauert bis ins Mittelalter an, wo der Teufel mit einem Äthiopier verglichen wurde. Die Angst vor dem Jahr 1000 bringt den Klerus gegen die Katze auf. Später bannte Gregor der IX., Papst von 1227 bis 1241, in einer Bulle den in Gestalt einer schwarzen Katze erscheinenden Teufel, dem die Teufelsanbeter die Geschlechtsteile küssen, bevor sie sich einer Orgie hingeben. Im Jahr 1307 wird der Bischof von Coventry beschuldigt, eine schwarze Katze verehrt zu haben, dasselbe Vergehen warf man den Templern in ihren Prozessen vor. Die Ärzteschaft verdammt die schwarze Katze in Grund und Boden. Ein berühmter Mediziner aus Mailand, Geronimo Cardan, warnt seine Patienten davor, dass schwarze Katzen bei den Menschen Melancholie hervorrufen, sie seien voller Hass und launisch, was sie grausam und dreist mache. Die Zeit der Massaker an Katzen brach an. Die Rückkehr der Kreuzritter und die Epidemien der schwarzen Pest taten ein Übriges, die Mär des in Gestalt einer schwarzen Katze erscheinenden Teufels aufrechtzuerhalten. Auch im 15. Jahrhundert haftet dieser schlechte Ruf der Katze noch an. Im Elsass glaubt man, der Teufel nehme seine Getreuen in einem von schwarzen Katzen gezogenen Vierspänner mit. In Schottland werden Katzen im XVII. Jahrhundert in einem barbarischen Ritual, dem Taghairm, auch "Teufelsmahlzeit" genannt, lebend gepfählt und zwei Tage lang gebraten. Ständig werden neue herbeigebracht, so dass entsetzliches Miauen, von dem angenommen wurde, es locke den Teufel an, diese düstere Zeremonie begleitet.

Die Komplizin der Hexen

Als Verbündete bei der Ausübung von Zauberei weckt die Katze Hass und Rachegelüste.   Die geschmeidige, nachtaktive und leise Katze besitzt die Fähigkeit, sich unbemerkt in die Häuser zu schleichen. Sie wird verdächtigt, dort Schaden und Hexenwerk anzurichten, so zum Beispiel die in ihrer Wiege schlafenden Kinder zu ersticken. Wenn das bösartige Tier dann von den Eltern durchgeprügelt wird, weist nicht sein Körper die Verletzungen und Blessuren auf, sondern der einer alten Frau, die sich, ihrer eigenen Aussage zufolge, in einen Kater oder eine Katze verwandelt hat. Die Katze scheint die Hauptzutat aller von den Hexen zusammengebrauten Tränke zu sein, da sie in jedem Rezept Verwendung findet.Man fülle den Pelz einer schwarzen Katze mit Gerste, Weizen und Hafer. Vollgestopft mit Getreide lege man ihn nun drei Tage lang in einen Brunnen. Anschließend wird die Tierhaut getrocknet und zerstoßen. Man erhält ein Pulver, das Schreckliches anrichten kann. Wird dieses Saatgut vom Gipfel eines hohen Berges aus in einen starken Wind geworfen und so in der ganzen Gegend ausgesät, so wird die Erde unfruchtbar und verwüstet.Die gehasste und verunglimpfte Katze wird gefoltert und anschließend auf traditionellen Festen verbrannt. Einige Städte in Nordfrankreich und Lothringen stehen in dem Ruf, felinophob zu sein: Arras, Metz oder Ypern in Flandern. Inmitten einer johlenden Menge werden Katzen zur Sommersonnenwende von einem hohen Turm aus in die Flammen geworfen. Lediglich schwarze Katzen mit weißen Tupfen entgehen dem Holocaust der Johannisnacht, da sie die Markierung eines Engels oder Gottes Fingerabdruck tragen. Bis in das Jahr 1733 gab es in Metz den Brauch, dreizehn Katzen zu opfern und zu verbrennen. In Ypern fanden diese grausamen Riten sogar erst 1817 ein Ende.

Die Massaker an die Katzen

Es ist Ludwig dem XIV. zu verdanken, dass die Johannisfeuer auf der Place de Grève in Paris, wo man Katzen in Anwesenheit des Königs verbrannte, verboten wurden. Doch als man kein Feuer mehr unter freiem Himmel entzünden durfte, wurde es in den Kathedralen entfacht. 1638 löste ein gewisser William Smyth in England ein heilloses Durcheinander aus, als er eine Katze im Sanktissimum der Kathedrale von Ely briet. Unter der Herrschaft Karls VII. (1660-1685) wurde auf feierlichen Prozessionen das Bildnis des Papstes verbrannt, es handelte sich allerdings nicht um ein einfaches Porträt, sondern um eine plumpe Statue, in die lebenden Katzen gestopft waren. Eine dramatische Wirkung war garantiert und die Menge konnte ihre Erregung nicht mehr im Zaum halten. Schließlich stand das Katzenschießen auf ländlichen Volksfesten als Volksbelustigung auf dem Programm. Das in einen hängenden Korb gesperrte Tier windet sich und stöhnt, von Pfeilen durchbohrt.

Die Unglück stiftende Katze

In Kopf und Schwanz der Katze sitzt all ihre Macht. In der Literatur finden sich seit dem Mittelalter unzählige Werke, in denen der Katze eine ganze Reihe von Lastern zugeschrieben werden. Beleg dafür sind die vielen Sprichwörter, die von der flämischen Malerei so reichlich bebildert wurden. Gerissen, durchtrieben und arglistig, dieses Bild wird in Schriften, Gemälden und anderen Kunstwerken von der Katze vermittelt. Heuchlerin ist sie in der Figur des Tibert im Roman des Fuchses (13. Jahrhundert), lasterhaft in der Gestalt des Grippeminaud in Rabelais Pantagruel. Auch der schlechte Ruf der Justiz fällt auf sie zurück, da das Futter der Richterroben aus Katzenfell zusammengenäht ist. Der Unglück bringende Teil der Katze sitzt jedoch lediglich in ihrem Kopf und ihrem Schwanz. Im 15. Jahrhundert warnt der Aberglaube junge Mädchen davor, einer Katze auf den Schwanz zu treten. Anderenfalls fänden sie im gesamten Folgejahr keinen Ehemann. Eine literarische Erzählung Madame d'Aulnoys aus dem Jahre 1697 berichtet von einer Prinzessin, die das Pech hatte, von einer bösen Fee in eine Katze verwandelt zu werden. Um das junge Mädchen zu erlösen, musste ihr Traumprinz den Kopf und den Schwanz der Katze abtrennen und anschließnd ins Feuer werfen, um die vom Bösen behafteten Körperteile für immer zu vernichten. Eine Überlieferung aus dem französischen Poitou ist diesbezüglich sehr aufschlussreich. Die Legende besagt, dass, als Gott die Katze erschaffen wollte, der Teufel zu ihm sagte: "Du kannst die Katze nach deinem Gutdünken erschaffen, ihr Kopf jedoch gehört mir." Eigentümlicherweise sitzt im vermaledeiten Katzenschädel ihr Hirn, den Ort seltsamer Kräfte. Obwohl das Fleisch der Katze vor allem in Spanien und Italien als Delikatesse geschätzt wird, gilt dies nicht fürs Hirn: es wirkt wie ein wahnsinnig machendes Gift. Das Irritierende am Schwanz hingegen ist, dass er sich ständig bewegt, sogar während des Schlafes. Dies führt zu der Vermutung, ihm wohne eine fremde Macht inne. Deshalb glaubt man, den Verursacher dieser verwirrenden Bewegung vernichten zu müssen, sei es nun der Wurm, das Gift, die Schlange oder das Haar des Teufels.