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  6. Die Katze in Kino, Comic und Co.

Die Katze in Kino, Comic und Co.

Das Kino hat seine eigenen Katzendresseure: den Briten John Holmes oder den Amerikaner Frank Inn, der folgende Auswahl anbietet: verwachsene Katzen, die einen Katzenbuckel machen; Katzen, denen sich vor Angst die Haare sträuben; gähnende Katzen; Katzen, die sich die Schnurrhaare lecken... Ihm zufolge sind die „Feinschmecker-Katzen", diejenigen, die ihre Aufgabe für eine Pastete und nicht für eine Liebkosung erfüllen, die besten Schauspieler. 1920 war Pepper The Cat, eine Figur aus dem Film Down of the Farm eine der ersten schauspielernden Katzen. Sie war eine liebevolle Katze, hing sehr an Mak Sennet und verstand sich prächtig mit Frederich der Maus und Teddy der Dogge. Die Katze Rhubarb, Hauptdarsteller des Films gleichen Namens aus dem Jahre 1952, war streitlustig, verbittert und hinterhältig. Mit Hilfe dieser von einem misanthropen Milliardär als Alleinerbin eingesetzten Katze fragwürdigen Charakters karikierte Arthur Lubin die amerikanische Gesellschaft, ihre Gangster, ihre konziliante Polizei, ihre marktschreierische Reklame und ihren Fetischismus. Seinerzeit war die Katze Rhubarb ein richtiggehender Star, der hohe Gagen erhielt. Überdies heimste sie zwei Patsy Awards (Oskar für Tiere) ein. Zahlreiche, mehr oder weniger beachtete Katzen erscheinen in Filmen unterschiedlicher Qualität. Auf der Leinwand verkörpern sie die traditionell mit ihnen verbundenen Motive:

Felix der Kater
  • Das Übernatürliche:

Die Katze aus dem All von Norman Tokar, Ein Tag, eine Katze von Jasny Jones, die Katze in Alien von Ridley Scott, La Féline von Jacques Tourneur, Katzenmenschen von Paul Schrader, Die schwarze Katze von Edgar George Ulmer nach der Vorlage von Edgar Allan Poe.

  • Die Sinnlichkeit, die Sexualität, die Frau:

La Féline von Jacques Tourneur, Cat People von Paul Schrader, Die Frau des Bäckers mit ihrer Pomponette von Pagnol. Trotz dieser Filme scheint die Katze jedoch noch keine Paraderolle im Kino gefunden zu haben.

Die Katze im Comic

Zwischen den Figuren aus Comics und Zeichentrickfilmen besteht ein ständiger Austausch. So entstehen einige Katzen in Comics, um später in Zeichentrickfilmen zu erscheinen (zum Beispiel die Figuren von Walt Disney), während andere zuerst auf der Leinwand und erst später auch in gedruckter Form existieren (Felix, der Kater). George Herriman, der Autor eines von 1911-1944 im New York Journal erscheinenden Comic-Strips, schrieb die Beziehung zwischen Katze und Irrsinn bis in alle Ewigkeit fest. Man sagt, dass Präsident Wilson diesen Comic seinen Kabinettsmitgliedern vorlas. Die lispelnde Katze (oder Kater, das Geschlecht steht nicht eindeutig fest) mit dem sprechenden Namen Krazy Kat ist in die Maus Ignatz verliebt. Diese Maus heißblütigen Temperaments steht deren Avancen jedoch gleichgültig gegenüber und verbringt ihre Zeit damit, unter Beobachtung des seinerseits unsterblich in die Katze verliebten Hunde-Polizisten Offissa Pupp, alle Welt mit Steinen zu bewerfen. In diesem Universum regieren schon die Poesie und die Logik des Absurden, die Otto Messmer und Pat Sullivan zweifellos dazu inspirierten, den Abenteuer liebenden Kater Felix zunächst auf der Leinwand und später auch im Comic zu erschaffen. Die Katzen bei Walt Disney sind im Allgemeinen vom Hund Pluto verfolgte, streunende Katzen. Ausnahmen bilden die Katze Nip, ständig darauf aus, Mickey zu quälen, und vor allem der große schwarze Kater Karlo, ein Gangster, dessen üble Pläne von Mickey durchkreuzt werden. In den Geschichten von Hanna und Barbera verteidigt die Katze Tom das Haus gegen die Attacken zweier spöttischer Mäuse, die in einem Loch in der Mauer leben. Wie nicht anders zu erwarten verbringen sie ihre Zeit damit, Nahrung zu suchen und Tom zu ärgern. So entspinnen sich völlig entfesselte Jagden, bei denen alles erlaubt ist. Die Geschichten haben einen dermaßen großen Erfolg, dass die Zeitschrift Our Gang, welche die Geschichten veröffentlichte, 1942 in Tom & Jerry umbenannt wird. Im Kino sind diese Abenteuer ein ähnlich großer Erfolg. Gleiches gilt für das Paar Sylvester und Tweetie. Die Helden der Nachkriegscomics sind meist Menschen, die sich einen Hund als Gefährten erwählt haben (Struppi, Idefix, Rantanplan). Eine Katze tritt nur auf, um den Hund zur Geltung zu bringen (Pif und Herkules) oder um Katastrophen zu verursachen. In Gaston wird die Katze als Dieb, Meckerfritze und Auslöser von Verheerungen dargestellt. Der Gefährte des Zauberers Gargamel, Asrael (die Schlümpfe von Peyo), ist ein niederträchtiger Kater, der genauso arglistig und grausam ist wie sein Halter. Er entspricht dem teuflischen Bild, das man sich im Mittelalter gern von der Katze gemacht hat. Fritz the Cat erscheint in den Heften von Crumb erstmals im Jahr 1959, doch veröffentlicht wurden die Comicstrips erst 1965. Sein Zeichner definiert Fritz wie folgt: „ein junger Kater, ein gebildeter Student, der mit der neuesten Mode geht und gemeinsam mit Millionen von anderen Tieren in einer modernen Mega-Stadt lebt". Dieser Kater ist so skrupellos, zynisch, ehrgeizig und selbstbewusst wie ein junger Mann. Seine Abenteuer enden stets gut. In den Siebziger Jahren entsteht in Europa eine mit dem amerikanischen Underground (Fatty Fredy) vergleichbare, kulturelle Gegenbewegung und mit ihr die Katze Squeak the Mouse von Matiolli, eine Art verzerrtes Tom & Jerry. 1978 schuf Jim Davis für die Herald Tribune den unwiderstehlichen Garfield, eine dicke, orange-schwarz getigerte Katze. Dieser jähzornige, verlogene, faule und autoritäre Kater macht seinem Halter John das Leben schwer. Dennoch kommen beide nicht ohne den anderen aus und verstehen sich gut. Hier erkannten die Amerikaner das Verhältnis zwischen Mensch und Tier wieder, wie es tatsächlich in vielen Haushalten existiert. Garfields Devise lautet: „Katzen sind unschlagbar". Im Comic werden der Katze die gleichen Eigenschaften und Symbole zugeschrieben wie in anderen Kunstbereichen auch:

  • Haustier (Felix, Garfield...)
  • Tier mit erotischer Ausstrahlung (Fritz von Matiolli oder die Katzen bei Edika)
  • Grausames und heuchlerisches Tier (Rasputin und Erste Untersuchungen von Sokal)
  • Verschwiegenes, durchtriebenes Tier (Chevalier und Gheebrant, Chaminou von Macherot, Stanislas, Superkater, Die Katze alias Jacques Bertrand von Greg); Verfluchtes Tier (Fatty Freddy, Maido und Maildur)
  • Verkörperung des Übernatürlichen (die Katzen in Mandrake, die telepathische Katze von Gogol in Die Geschäfte der Unsterblichen, die Viele Leben des Felix, Pussy und Krazy, Ottag von Rebuffi, die Acht Tage des Teufels von Convard.

Die Katze in der Karikatur

Russische Künstler verspotteten ihren Herrscher, den Zaren Paul I., und karikierten ihn in Gestalt einer Furcht erregenden, dicken Katze. Louis Weine zeichnete jährlich mehr als tausend Katzen mit menschlichen Zügen. Siné stellte die Katze zu karikaturistischen Zwecken in Buchillustrationen und gar auf Tellerbemalungen dar. Das Gleiche gilt für Barberousse und Dubout.

Die Katze im Zeichentrickfilm

+1911 schuf G. Harriman Krazy Kat, eine der poetischsten Figuren des Zeichentrickfilms überhaupt, deren Charakteristika wir oben schon kennen gelernt haben. Der von Otto Messmer im Jahre 1920 geschaffene Felix, einer der ersten Stars des vertonten Zeichentrickfilms, war ein immenser Erfolg. Eine Zeichnung von Felix, die ihn bei einigen seiner Späße zeigt, wird von 1928-1930 sogar zum offiziellen Testbild des Senders NBC. Außerdem machte Lindbergh Felix zum Maskottchen seiner Luftfahrtversuche. Für den französischen Autor fantastischer Geschichten, Marcel Brion „ist Felix nicht nur eine Katze, sondern DIE Katze." Der berühmte Kater bewegt sich in einer Welt, in der Alles möglich ist: er füllt einen Kohlenkeller mit aus einem Saxofon ausströmenden Noten, er bietet die über seinem Kopf zwitschernden Vögel zwei kleinen Alten an, mit denen er zusammengestoßen ist und die den Verlust ihres Kanarienvogels beklagen. Ständig gerät er ins Staunen. Er nimmt die Welt mittels zweier aus seinem Körper hervorgehender Zeichen wahr: dem Ausrufungszeichen und dem Fragezeichen. Mit seinem heiteren Gemüt findet er Gefallen daran, sich über das Dasein lustig zu machen und ist stolz darauf, selbst zurechtzukommen. Er ist ebenso wagemutig wie schelmisch und hat ebenso viel Glück wie Einfälle. Während des Zweiten Weltkriegs entwarfen Fritz Freleny und Chuck Jones die Figuren Sylvester und Tweetie für das Filmstudio Warner Bros., das mehr am Ulk als an der Darstellung der Realität interessiert war. Hauptdarsteller der Geschichte ist die Miezekatze Sylvester, die sich ständig neue Methoden ausdenkt, um den kleinen Vogel zu fangen, für den sie aber auch Zuneigung empfindet. Das Duo erinnert an die von Fred Quinky, William Hanna und Joseph Barbera für Metro Goldwyn Mayer geschaffenen Figuren Tom und Jerry. Die trickreiche Maus triumphiert jedes Mal über den Tollpatsch Tom. Im Laufe der Jahre entwickelt sich die große Katze zu einem sanftmütigen Stubenhocker, der von der quirligen Jerry ausgescholten wird. Die Figuren vermenschlichen zusehends. Beide Katzen, sei es nun Sylvester oder Tom, sind darauf versessen, ihre Beute zu verfolgen, mit der sie sich jedoch unter Aufbietung all ihrer Kräfte verbrüdern, sobald ein äußerer Feind auftritt. Fritz the Cat ist aus einem Comic hervorgegangen. Die Abenteuer dieses Helden von Crumb wurden von Ralph Bakshi 1971 verfilmt. Fritz hätte auch jedes andere Tier sein können, ist aber eine lasterhafte Katze. In der Welt von Walt Disney sind die Katzen, denen eine Nebenrolle zukommt, meist hinterhältig. Die zwei Siamkatzen aus Susi und Strolch sind haarsträubende Lügner, die Katze aus Aschenputtel ist gar der Teufel persönlich. Gepetto umsorgt in Pinocchio eine heitere und bewundernswerte Katze, während Pinocchio von einer betrügerischen und heuchlerischen, der Komplizin des Fuchses, hintergangen wird. Viel sympathischer sind die Katzen hingegen, wenn sie, wie in Spion auf Samtpfoten oder Aristocats, die Hauptrolle spielen. Der zuletzt genannte Film ist im Übrigen eine treffliche Darstellung der Welt der Katzen (oder besser der Menschen?), in der adlige Katzen (Duchesse...) mit dem gleichen Wohlwollen wie proletarische (Thomas...) geschildert sind. Walt Disney widmete der Katze noch weitere Filme, so zum Beispiel F.B.I. Operation Katze und Die Katze aus dem All.