Der Wolf als Urvater des Hundes
Der Wolf als Urvater des Hundes?
Die ältesten entdeckten Hundeskelette lassen sich auf etwa 30.000 Jahre nach dem Auftreten des Menschen im Cro-Magnon (Homo sapiens sapiens) zurück datieren. Sie sind immer in Verbindung mit den Resten menschlicher Gebeine exhumiert worden, deshalb erhielten sie in der Folge die Bezeichnung Canis familiaris (-10.000 Jahre). Es ist, anzunehmen, dass der Haushund von einem zuvor lebenden Wildhund abstammt. Zu seinen potentiellen Vorfahren gehören der Wolf (Canis lupus), der Schakal (Canis aurus) und der Kojote (Canis patrans).
Übrigens wurden die ältesten Überreste von Hunden in China entdeckt, während weder der Schakal noch der Kojote jemals in diesen Gegenden identifiziert wurden. Ebenfalls in China wurden die ersten Verbindungen zwischen dem Menschen und einer Spielart des kleinwüchsigen Wolfs (Canis lupus variabilis) nachgewiesen, der vor 150.000 Jahren lebte. Die Koexistenz dieser beiden Spezies in einem frühen Stadium ihrer Evolution stützt die Theorie des Wolfes als Vorfahre des Hundes.
Diese Hypothese ist in jüngerer Zeit durch mehrere Entdeckungen gestärkt worden, insbesondere durch das Auftreten gewisser nordischer Hunderassen als direkte Nachfahren des Wolfs. Genetische Arbeiten, bei denen die mitochondriale DNS dieser Arten verglichen wurde, ergab eine Ähnlichkeit von mehr als 99,8 % zwischen Hund und Wolf. Die zwischen dem Hund und dem Kojoten überstieg nicht die 96%-Marke. Weitere Hinweise ergeben sich durch die Existenz von mehr als 45 Unterarten von Wölfen, die am Ursprung der bei den Hunden beobachteten Vielfalt der Rassen stehen könnten, die Ähnlichkeit und das gegenseitige Verständnis der Körpersprache und vokalen Ausdrucksweise zwischen diesen beiden Spezies.
Ähnlichkeiten zwischen Wolf und Hund : eine schwierige Analyse
Diese Ähnlichkeiten zwischen Hunden und Wölfen komplizieren die Aufgabe der Paläozoologen, eine präzise Unterscheidung zwischen den Überresten des Wolfes und des Hundes zu treffen, wenn sie unvollständig sind oder der archäologische Kontext das Zusammenleben wenig wahrscheinlich macht. Tatsächlich unterscheidet sich der primitive Hund von seinem Vorfahren nur um einige wenig zuverlässige Detailpunkte, wie die Länge des Gesichtsschädels, den Winkel des Stopps oder die Entfernung zwischen den Reißzähnen und den oberen Backenzähnen.
Da außerdem die Zahl der Hunde, die Raubtiere waren, mit Sicherheit geringer war als die ihrer Beutetiere, sind die Chancen gering, ihre Fossilien zu entdecken. Alle diese Schwierigkeiten, zu denen noch die Möglichkeiten der Verbindung Hund - Wolf hinzukommen, lassen erahnen, warum viele Steine des Mosaiks des Ursprungs des Hundes noch zu entdecken bleiben. Vor allem gilt es, die Übergangsformen zwischen dem Canis lupus variablis und dem Canis familiari zu entdecken, die es eines Tages zulassen werden, eine scharfe Trennlinie zwischen den verschieden Theorien zu ziehen.
Es bleibt jedoch anzumerken, dass die Verbreitungstheorie, die die Verantwortung für die Anpassung des primitiven Hundes den menschlichen Wanderungen zuschreibt, die Evolutionstheorie nicht ausschließt, die wiederum besagt, dass die Vielfalt der Hunde auf den unterschiedlichen Zyklen der Domestikation des Wolfes beruht.
Die Schlacht der Theorien
Zahlreiche auf den Analogien des Knochenbaus und des Gebisses gegründete Theorien haben sich seit langer Zeit gegenüber gestanden, um den Spezies Wolf, Schakal und Kojote als Vorfahre des Hundes zu definieren. Andere haben eine Hypothese vertreten, nach der die Hunderassen so verschieden sind, wie der Chow-Chow oder der Windhund, da sie von verschiedenen Spezies derselben Art Canis abstammen.
Fiennes schrieb den Ursprung der vier großen Rassengruppen unserer heutigen Hunde 1968 sogar den vier verschiedenen Unterspezies der Wölfe (europäischer Wolf, chinesischer Wolf, indischer Wolf und nordamerikanischer Wolf) zu.
Manche Forscher haben schließlich angenommen, dass Kreuzungen zwischen diesen Spezies am Ursprung der Spezies Hund stehen könnten und dabei argumentiert, dass Paarungen zwischen Wolf - Kojote, Wolf - Schakal und auch Schakal - Kojote fruchtbar sind und zur Geburt von zeugungsfähigen Hybriden führen können, die alle 39 Chromosomenpaare besitzen. Diese letztgenannte Theorie der Hybridation erscheint heute durch die Kenntnis der ökologischen Barrieren, die diese verschiedenen Spezies in der Epoche des Auftritts des Hundes trennten, und die insbesondere das Aufeinandertreffen von Kojoten und Schakalen unmöglich machten, entkräftet.
Die Wölfe waren überall anwesend. Die Unterschiede im Verhalten und in der Größe zu den beiden anderen Spezies machte die Paarungen zwischen diesen jedoch höchst unwahrscheinlich, was unter anderem die Hypothese widerlegen würde, die die Vaterschaft des Hundes einer Hybridation zwischen dem Schakal (Canis aureus) und dem grauen Wolf (Canis lupus) zuschreibt.



