Neurologische Erkrankungen des Hundes
Hier sollen in Kürze die Hauptsymptome von Krankheiten neulogischen Ursprungs beschrieben werden, mit Hinweisen zu notwendigen Behandlungen bzw. Maßnahmen für den Hundebesitzer.
Gehirnschlag, Schlaganfall
Man beobachtet eine rapide Entwicklung der neuralgischen Symptome, verursacht durch starke Blutung, Verschluss oder Gefäßkrampf in der Gehirnregion.
- Symptome: plötzliches Auftreten, man beobachtet einen kurzfristigen Verlust des Bewusstseins oder den Beginn eines Komas, eine Erweiterung der Pupillen, erhöhte Herzfrequenz, Krampfanfälle. Daraus entstehende Lähmungen variieren je nach Ausdehnung und Intensität des Insults.
- Krankheitsverlauf: Oft verläuft der Gehirnschlag tödlich. In anderen Fällen kommt es zu einer langsamen Besserung, manchmal mit Folgeerscheinungen wie schiefliegendem Kopf, Rückgang der Sehschärfe.
- Behandlung: durch den Tierarzt. Es geht darum, die Gehirnödeme zu bekämpfen, die Atemwege frei zu halten und die Zerebralgefäße medikamentös zu erweitern. Ihr Tierarzt wird entscheiden, ob und in welcher Form eine Behandlung sinnvoll ist.
Arthrose der Wirbelsäule
Hierbei handelt es sich um eine degenerative Erkrankung der Wirbelsäule mit fortschreitender Bildung von knochigen Auswüchsen ("Papageienschnabel"), die mehrere Wirbelkörper miteinander verschweißen können. Vereinzelt kann es zu einer schmerzhaften Knochenmarkkompression kommen, möglicherweise auch zu einer Versteifung der Wirbelsäule.
- Behandlung: Der Tierarzt ist dringend aufzusuchen.
Ataxie (Koordinationsstörungen)
Unkoordinierte, unwillkürliche Bewegungen sowie Gleichgewichtsstörungen beim Stehen und Gehen.
- Klassifizierung: Eine Ataxie kann verschiedene Ursachen haben: degenerative, entzündliche Veränderungen des Nervensystems kommen in Frage. Die Bezeichnung einer Erkrankung erfolgt u.a. nach dem Sitz der Veränderungen (peripher, spinal, zerebral) und der Ursache (erblich, erworben)
- Behandlung: Suchen Sie umgehend den Tierarzt auf.
Hirntraumata
Hirndrucksteigerung durch Gewebsveränderung (Tumor, Abszess etc.), Erhöhung des Gehirnvolumens (Ödem) oder abnorme Ansammlung von Flüssigkeiten (Blutungen, Wasserkopf).
- Symptome: Der Hund zeigt eine unnatürliche Kopfhaltung, bewegt sich im Kreis, verhält sich ungewohnt, hat Konvulsionen, Sehstörungen, Schädigung der Hirnnerven sowie Koordinationsstörungen oder Teillähmungen.
- Behandlung: durch den Tierarzt. Sie besteht in der Verringerung des Hirndrucks, nötigenfalls verbunden mit einem chirurgischen Eingriff.
Konvulsion (Konvulsionssyndrom, Epilepsie)
Neurologische Symptome eines Hirnschadens verbunden mit Bewusstseinsstörungen, Beeinträchtigung der Sinne und des Muskeltonus sowie vermehrtem Speichelfluss, Harndrang und Stuhl.
- Ursachen: Sie können erworben oder angeboren sein: Missbildungen (Wasserkopf), Gehirnentzündung, Stoffwechselstörungen, Vergiftungen, Traumata oder auch Hirntumor.
- Behandlung: durch den Tierarzt. Sie erfolgt mit dem Ziel, die Dauer, den Schweregrad und die Häufigkeit der Anfälle zu reduzieren.
Hitzschlag
Beim Hitzschlag handelt es sich um ein zerebrales Ödem, verursacht durch einen Ausfall der Thermoregulation. Er tritt häufiger bei den Brachyzephalen (Rundköpfen) auf, wenn die Witterung warm und feucht ist und die Ventilation mangelhaft. Er ist leider immer wieder die Folge, wenn Tiere im Auto gelassen werden und der Halter nicht bedenkt, dass das im Schatten geparkte Fahrzeug nach einiger Zeit in pral-ler Sonne stehen kann.
- Symptome: überhöhte Körpertemperatur (über 41° Celsius), steigende Atemfrequenz, Zyanose (Blaufärbung der Schleimhäute), Zittern, Konvulsionen sowie Benommenheit.
- Behandlung: Sofort den Tierarzt aufsuchen. Bis dahin kann die Körpertemperatur durch Abdecken mit feuchten, kalten Tüchern gesenkt werden.
Embolie der Faserknorpel
Verschluss spinaler Blutgefäße durch Faserknorpelmaterial, welches z.B. von einem Bandscheibentrauma stammen kann. Dieses Phänomen tritt meist imLendenwirbelbereich auf.
- Symptome: Zu beobachten ist eine rasch auftretende Lähmung, einseitig oder beidseitig, jedoch ohne jeglichen Schmerz in der Wirbelsäule (im Gegensatz zum Bandscheibenvorfall).
- Behandlung: durch den Tierarzt.
Enzephalitis (Entzündung des Gehirns)
Ursache für diese Erkrankung können Viren, Bakterien oder auch Parasiten sein.
- Symptome: Es können unterschiedliche zentralnervöse Störungen auftreten, je nach Lokalisation der Entzündungen.
- Behandlung: erfolgt durch den Tierarzt.
Hepatische Enzephalose
Es handelt sich um eine nicht-entzündliche Beeinträchtigung der Hirnfunktionen, die durch die ehlende "Entgiftungstätigkeit" der insuffizienten Leber hervorgerufen wird. Die Leber ist unfähig, giftige toffe, z.B. Ammoniak zu neutralisieren.
- Symptome: Neurologische Beeinträchtigungen, die ein bis drei Stunden nach der Mahlzeit deutlich werden kann und zwar durch Koordinationsstörungen, Bewusstseinsveränderung und Konvulsionen.
- Behandlung: komplex und nur durch den Tierarzt.
Bandscheibenvorfall
Typ 1 nach Hansen: bei chondrodystrophoiden Rassen (genetisch bedingter disproportionaler Kleinwuchs, wie z.B. beim Dackel, Mops oder Pekinesen) tritt eine Austrocknung, Degeneration, Verkalkung des Bandscheibenkerns auf. Diese beginnt schon in sehr jungen Jahren und führt zu Elatizitätsverlust, erhöhtem Druck und Verschleiß und schleißlich zum Einreißen des Faserknorpelringes.
Typ 2 nach Hansen: bei den nicht chondrodystrophoiden Rassen, wie dem Deutschen Schäferhund, dem Dobermann oder dem Pinscher, handelt es sich um eine Metaplasie der Fasern des Bandscheibenkerns ohne Versprödung des Rings. Dieser verformt sich jedoch zunehmend, ohne dass Bandscheibensubstanz austritt. Die Komprimierung des Rückenmarks erfolgt daher langsam. Diese Form tritt zumeist bei älteren Tieren auf.
Bandscheibenvorfälle werden nach ihrem Schweregrad klassifiziert: (siehe Tabelle unten)
Hydrozephalus (Wasserkopf)
Es kommt zu einer Vergrößerung des Hirnkammervolumens, verursacht durch Übersekretion, durch Verminderung der Liquorresorption oder durch Störung der Passage Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit. Diese Krankheit ist entweder erworben oder angeboren (vor allem bei Zwergrassen).
- Symptome: Wenn der Hydrozephalus angeboren ist, finden sich seine Anzeichen zwischen der 5. Woche und dem 6. Lebensjahr (70% der Fälle im ersten Lebensjahr). Junge Hunde: zu beobachten sind eine Verformung des Schädels, Verminderung des Wachstums, Lethargie, Neigung zur Aggressivität, Anfälle von Konvulsionen sowie Minderung der Sehkraft. Ausgewachsene Hunde: vor allem konvulsive Anfälle, herabgesetzte Wachheit, Erschöpfung sowie ein tief getragener Kopf.
- Behandlung: Der angeborene Wasserkopf ist behandelbar. Beim erworbenen Wasserkopf sind die Prognosen ungünstig.
Instabilität der Halswirbel
Dabei handelt es sich um einen Defekt der Halswirbel oder ihrer Verbindungen, was zu einer Verengung des Wirbelkanals sowie zu einer Rückenmarksquetschung führt.
- Anfällige Rassen: Dogge, Dobermann, Basset Hound.
- Symptome: Deutliche Koordinationsstörungen der Hinterläufe bis hin zu Lähmungen. Im fortgeschrittenen Stadium sind auch die Vorderläufe betroffen. In der Halswirbelregion sind keine Schmerzen zu verspüren.
- Behandlung: durch den Tierarzt und chirurgisch.
Degenerative Myelopathie
Diese degenerative Erkrankung des Rückenmarks beginnt in der thorakolumbalen Region und führt so zu einer Teillähmung und zu Koordinationsstörungen.
- Anfällige Rassen: Deutscher Schäferhund, Siberian Husky, Collie, Hirtenhunde ab 7 Jahren.
- Behandlung: nur durch den Tierarzt.
Gesichtsnervlähmung
Sie ist die Folgeerscheinung einer Entzündung der Gesichtsnerven, etwa nach einer Mittelohrentzündung oder aus unbekannter Ursache.
- Symptome: Feststellbar ist die Veränderung gegen-über der gesunden Gesichtshälfte, Erschlaffung der Gesichtsmuskulatur und vermehrter Speichelfluss auf der betroffenen Seite.
- Prognose: Heilung nach drei bis vier Wochen.
- Behandlung: ausschließlich durch den Tierarzt.
Kieferlähmung
Folge einer Entzündung des Nervus Trigeminus.
- Symptome: entsteht rasch, man konstatiert eine Lähmung des Kiefers bei klaffendem Maul, dadurch kann der Hund die Nahrung nicht aufnehmen und hat Schwierigkeiten beim Trinken und Schlucken, speicheln.
- Prognose: Heilung nach zwei bis drei Wochen.
- Behandlung: nur durch den Tierarzt.
Radialislähmung
Verlust der Beweglichkeit der Streckmuskulatur an Schulter, Vorderfußgelenken und Zehen wie auch Verlust der Sensibilität an der Rückseite der Vorderläufe, hervorgerufen durch eine Schädigung entlang der Nervenbahn.
- Symptome: Auffällig ist die Parese der Vorderläufe, die ungewöhnliche Abnutzung der Krallen, die sich durch das Reiben der Pfotenoberseite am Boden ergibt.
- Behandlung: Langwierig, erfordert den Tierarzt, möglicherweise auch den Chirurgen.
Spondylose
Die Spondylose eine chronische Erkrankung des Bandscheibenraums sowie der angrenzenden Wirbelknochen. Sie geht mit dem Umbau der Wirbelkörper und Exostasenbildung (Brückenbildung) einher.
- Allgemeine Symptome: Fieber und Appetitlosigkeit können auftreten; Nervensystem: teilweise oder vollständige Lähmung, Schmerzen in der betroffenen Region, die Hunde versteifen im Rücken.
- Behandlung: durch chirurgischen Eingriff.
Atlanto-axiale Subluxation (unvollständige Verrenkung)
Kompression des Rückenmarks im Halswirbelbereich, hervorgerufen durch eine Verlagerung des Achsenwirbels (erster Halswirbel) im Rückenmarkskanal.
Eine gewisse Anfälligkeit ist bei Zwergrassen gegeben.
- Symptome: Bei akuter Kompression kommt es zu einer kompletten Lähmung aller vier Extremitäten (Tetraplegie). Chronische Kompression führt zu Nackenschmerzen, Teillähmung an den Extremitäten sowie Koordinationsstörungen. Jede Halsbiegung ist mit Schmerzen verbunden.
- Behandlung: durch den Tierarzt.
Cauda-Equina-Syndrom
Komprimierung der Nerven am Ende des Rückenmarks (Cauda-Equina-Bereich), zwischen dem letzten Lendenwirbel und dem Kreuzbein. Unter diesem Begriff wird eine Vielzahl von Erkrankungen zusammengefasst; Ursache können u.a. Arthrosen, Missbildungen, Entzündungsprozesse, Tumoren sowie traumatischeVerletzungen sein.
- Symptome: Feststellbar sind Schmerzen in der Region der unteren Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins, das Aufstehen fällt schwer, teilweise oder komplette Lähmung der hinteren Extremitäten, mitunter Harn- und Stuhlinkontinenz.
- Behandlung: durch den Tierarzt, bei angemessener Indikation: chirurgischer Eingriff.

