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Die Geburt

Die Überwachung der Geburtsphase beginnt mit Vorsorgeuntersuchungen beim Tierarzt, die besonders bei Erstgebärenden und bei Risikohündinnen unbedingt anzuraten ist. Die ersten Untersuchungen sollten vor dem Belegen stattfinden.

    Bei der gynäkologischen Untersuchung der Hündin werden eventuelle Hindernisse für die Geburt festgestellt. Verwachsungen im Scheidenbereich (bei Erstgebärenden) können z.B. das Austreiben der Welpen behindern.Durch eine oder mehrere Röntgenaufnahmen der Bauchhöhle kurz vor dem Wurftermin kann zu diesem Zeitpunkt die Anzahl der Welpen genauer festgestellt werden als durch eine Ultraschalluntersuchung. Auf diese Weise können u.a. auch mögliche Anomalien festgestellt werden, die zu Geburtsstörungen führen können, beispielsweise eine Beckenenge, Mumifizierung der Föten (zu erkennen am gasartigen Dichtebild und der Dislokation der Knochen) oder auch ein unproportionales Größenverhältnis von Mutter und Föten. Die auf dem Röntgenbild erkennbare Position der Föten ist jedoch kein verlässliches Mittel zur Vorhersage von Geburtsstörungen, da sich die Welpen im letzten Moment noch um 180? drehen können.Durch eine Ultraschalluntersuchung der Gebär-mutter kann festgestellt werden, ob die Welpen leben, da hier die Herzschläge sichtbar werden.

 

Anzeichen für einen bevorstehenden Wurf

In der Woche vor dem Werfen kann sich das normale Verhalten der Hündin verändern: Manche tragen verschiedene Objekte zusammen, um sich ein Wurflager zu bauen, suchen nach einem ruhigen Plätzchen oder im Gegenteil verstärkt die Gesellschaft ihres Herrchens oder Frauchens. Auch andere Anzeichen wie Appetitlosigkeit, Verstopfung und das Anschwellen des Gesäuges sind nicht bei allen Hündinnen festzustellen; besonders beim ersten Wurf steigt die Milchleistung manchmal erst am Wurftag oder sogar einige Tage später auf.

In den drei Tagen vor der Geburt schwillt die Vulva an und erschlafft unter dem Einfluss von Östrogen.

Die rektal gemessene Körpertemperatur fällt in den 24 Stunden vor der Geburt um 1° C , Dieses Anzeichen lässt sich mit einiger Sicherheit verwenden, vorausgesetzt, die Temperatur der Hündin wird in den vier Tagen vor dem errechneten Wurftermin jeweils morgens und abends gemessen. Ein Abfall von 1 ° C im Vergleich zum Durchschnittswert der vier vorangegangenen Tage deutet dann auf die unmittelbar bevorstehende Geburt hin.

Diese vorübergehende Untertemperatur fällt mit einem Abfall des Progesterongehaltes im Blut zusammen. Die Kombination dieser beiden Ergebnisse bezeugt die Reife des Fötus und zeigt an, dass die Geburt nun ohne größere Gefahren für die Neugeborenen auf natürliche Weise oder durch Kaiserschnitt stattfinden kann. An dieser Stelle soll darauf hingewiesen werden, dass die medikamentöse Einleitung der Geburt beim Hund gefährlich ist.

Das Austreten des Schleimpfropfens schließlich, der während der Trächtigkeit den Gebärmutterhals verschließt, ist das Zeichen für die unmittelbar bevorstehende Geburt und findet wenige Stunden (höchstens 24 bis 36) vor den ersten Wehen statt.

Der normale Verlauf der Geburt

Wenn bei den Vorsorgeuntersuchungen keine besonderen Risiken festgestellt wurden, braucht während der Geburt in der Regel nicht eingegriffen zu werden.

Die ersten Anzeichen für die Geburt zeigen sich durchschnittlich etwa 63 Tage nach der Befruchtung. Eine Tragzeit von 65 Tagen ist schon selten, und ab 70 Tagen kann man den Zustand als anormal bezeichnen.

Die ersten Kontraktionen finden nur im Uterus statt und sind von außen häufig lediglich durch die Nervosität der Hündin zu bemerken. Diese beobachtet immer wieder ihre Flanken und zieht sich in der Regel in eine ruhige Ecke zurück, um dort ein bequemes Lager zu bauen, wenn sie nicht schon eine Wurfkiste hat. Anorexie (Appetitlosigkeit) ist in dieser Phase ganz normal und steigert sich manchmal bis zum Erbrechen. Diese Vorbereitungsphase dauert durchschnittlich 6 bis 12 Stunden, kann sich beim ersten Wurf aber auch über bis zu 36 Stunden hinziehen.

Das Eintreten des ersten Welpen in den Geburtskanal löst sichtbare Kontraktionen der Bauchmuskeln aus (Ferguson-Reflex), die das Austreiben durch die Gebärmutter verstärken und die innerhalb von weniger als drei Stunden zum Platzen der ersten Fruchtblase (Allantois) führen sollten. Die zweite Fruchtblase (Amnion) um den Welpen kann danach am Scheideneingang sichtbar werden (höchstens zwölf Stunden nach Abgang des Fruchtwassers). Wenn die Amnion-Membran nicht beim Durchgang durch den Geburtskanal gerissen ist, erledigt das normalerweise die Mutter in der Minute nach der Geburt. Anschließend durchtrennt sie die Nabelschnur und leckt den Brustkorb des Neugeborenen, was ihn zu den ersten Atembewegungen anregt. Sollte die Austreibung nicht problemlos erfolgen, kann der Züchter vorsichtig nachhelfen. Dazu kann man im Rhythmus der Wehen am Welpen ziehen und so die Hündin unterstützen. Hilfe ist auch nötig, wenn sich der Welpe trotz der mütterlichen Stimulation nicht bewegt. Langsames Reiben bzw. leichtes Drücken des Brustkorbs kann die selbständige Atmung in Gang setzen. Wenn diese Maßnahmen keine Wirkung zeigen, muss auf kaltes Wasser oder Atemanregungsmittel zurückgegriffen werden.

Auf die Geburt jedes Welpen folgt normalerweise innerhalb von 15 Minuten die Nachgeburt (außer bei besonders starken Kontraktionen), die meistens von der Mutter gefressen wird. Die Welpen werden im Abstand von wenigen Minuten bis zu einer halben Stunde und länger ausgetrieben. Ein Intervall von mehreren Stunden zwischen zwei Austreibungen kann jedoch auf eine Anomalie hindeuten, beispielsweise auf eine Wehenschwäche, die entweder primär (durch Erschöpfung, Hypoglykämie (Unterzuckerung) oder Hypokalziämie) oder sekundär (Querlage, gleichzeitige Einstellung zweier Föten, Verlegung des Geburtskanals) sein kann. Hier ist tierärztliche Kontrolle anzuraten, da ein medizinischer oder chirurgischer Eingriff notwendig sein kann.

DIE WURFMELDUNG IN FRANKREICH

Das Formular der Wurfmeldung, das in Frankreich von der SCC (Zentrale Hundevereinigung) nach dem Erhalt des Deckzertifikates dem Züchter zugesandt wird, muss innerhalb von zwei Wochen nach dem Wurf ausgefüllt an die SCC zurückgeschickt werden. Sobald die Welpen eine Identifikation erhalten haben (durch Tätowieren oder Mikrochip), schickt der Züchter einen Antrag auf vorläufigen Eintrag des Wurfes in das LOF (franz. Zuchtbuch) an dieselbe Organisation; dieser Eintrag wird erst dann in einen endgültigen Eintrag umgewandelt, wenn die Welpen als erwachsene Tiere die Rassebescheinigung erhalten haben.

Medizinische Eingriffe

Von der standardmäßigen Verabreichung von Oxytozin (Hormon, das die Gebärmutterkontraktionen verstärkt), das auf natürliche Weise von der Hirnanhangsdrüse abgegeben wird, ist ausdrücklich abzuraten. Der unbedachte Einsatz dieses Hormons ohne genaue Diagnose birgt folgende Gefahren:

  • Gebärmutterriss, falls die Wehenschwäche sekundär durch ein Hindernis bedingt ist;
  • Ersticken aller Welpen in Geburtsstellung durch die vorzeitige Abschnürung der zuführenden Gefäße der Nabelschnur;
  • vollständiges Ausbleiben der Wirkung auf die Gebärmutter, die während der Erholung eine Refraktärphase durchlebt (für etwa eine halbe Stunde nach jeder Austreibung), Beschränkung auf Sekundärwirkungen (vor allem Durchfall);
  • Deaktivierung der Hirnanhangsdrüse mit nachfolgender Störung der Milchabsonderung;
  • sekundäre Eklampsien.

Die primäre Wehenschwäche (d.h. ohne anatomische Hindernisse) tritt häufig bei bestimmten prädisponierten Hündinnen auf:

  • bei kleinen Hündinnen (Yorkshire-Terrier, Zwergpudel, kleine Windhunde) oder im Gegenteil bei Riesenrassen (Bullmastiff, Bordeaux-Dogge);
  • bei während der Geburt sehr ruhigen (Basset) oder im Gegenteil zu nervösen Hündinnen (Cocker Spaniel);
  • bei fettleibigen oder älteren Hündinnen;
  • bei großer Wurfstärke.

In diesen Fällen genügt in den meisten Fällen eine Infusion von Kalziumglukonat bei gleichzeitiger Überwachung des Herzrhythmus, damit die Gebärmutterkontraktionen wieder aufgenommen werden. Die Massage des Gesäuges löst die reflexartige Ausschüttung von körpereigenem Oxytozin aus, was einer Verabreichung von außen vorzuziehen ist.

Chirugische Eingriffe

Da die Möglichkeiten der Geburtshilfe beim Hund sehr begrenzt sind, muss beim Versagen medizinischer Maßnahmen oder einer offensichtlichen Verlegung des Geburtskanals eine Episiotomie (Einschnitt der oberen Vulvakommissur) oder ein Kaiserschnitt vorgenommen werden. Unproportionale Größenverhältnisse zwischen Mutter und Föten stellen dabei den Hauptgrund für einen Kaiserschnitt dar. Sie sind häufig anzutreffen

  • bei brachycephalen Rassen: Durch den breiten Kopf mit eingedrückter Schnauze haben die Welpen Schwierigkeiten, sich im Becken einzustellen, was häufig zu einer Seitenlage führt, bei der der Kopf auf die Brust gebeugt ist;
  • bei Überschreitung der Tragzeit oder wenn der Wurf nur aus einem oder zwei Welpen besteht: Der Fötus kann dann im Vergleich zum Beckendurchmesser der Mutter übermäßig groß sein;
  • bei den "miniaturisierten" Rassen;
  • wenn die Hündin von einem sehr viel größeren Rüden gedeckt wurde.

Die Lebensfähigkeit der Welpen bei der Geburt hängt von ihrer Reife (nachzuprüfen über den Progesterongehalt), der Dauer der unproduktiven Kontraktionen (führen zu Schmerzen und Sauerstoffmangel beim Welpen im Geburtskanal, aber auch bei den Föten in Wartestellung), der Geschwindigkeit des Eingreifens und der verwendeten Narkoseart im Falle eines Kaiserschnitts ab.

Die Pflege nach der Geburt

Eine wichtige vorbeugende Maßnahme besteht darin, jeden Neugeborenen zu einer Zitze der Mutter zu führen, wenn diese ihn nicht spontan selbst dorthin dirigiert, damit er das Kolostrum (Erstmilch) aufnehmen kann. Die darin enthaltenen Antikörper sorgen beim Welpen für eine so genannte passive Immunisierung, im Gegensatz zur aktiven Immunisierung durch Impfung oder Infektion.

Wenn die Anzahl der Welpen unter der im Röntgenbild festgestellten Anzahl liegt, kann durch eine erneute Radiografie des Bauches der oder die fehlenden Welpen lokalisiert und ein unnötiger Kaiserschnitt vermieden werden, falls sie sich im Magen der Mutter befinden. Es kommt nämlich nicht selten vor, dass die Mutter tot geborene Welpen zusammen mit den Plazenten auffrisst. Bestimmte pflanzliche und homöopathische Mittel können die Entleerung und die Rückbildung der Gebärmutter unterstützen. Durch einfache Hygienemaßnahmen können aufsteigende Gebärmutterinfektionen während der Austreibung der Lochien (grünlicher Ausfluss in den Tagen nach der Geburt) verhindert werden. Eine systematische Verabreichung von Antibiotika ist vom wirtschaftlichen und medizinischen Standpunkt sowie vom Gesichtspunkt der Prophylaxe aus unnötig. Nicht nur können sie in die Muttermilch übertreten und Vergiftungen bei den Welpen hervorrufen (bei einigen auch Missbildungen am Zahnschmelz), sondern auch dazu führen, dass einige Keime Resistenzen ausbilden und die Antibiotika später nicht mehr gegen sie wirken können.