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  5. Die Fortpflanzung

Die Fortpflanzung

 

Die in den vorangegangenen Kapiteln dargestellten anatomischen und physiologischen Fakten sowie die Ausführungen zur Ernährung ermöglichen ein besseres Verständnis der wichtigsten Lebensphasen des Hundes, von der Paarung über die Trächtigkeit und das Werfen über das Säugen bis zur Entwöhnung der Welpen und ihrem Wachstum. Auch auf das Alter und seine Folgen wird eingegangen; das Erwachsenenstadium ist bereits an anderer Stelle in diesem Buch behandelt worden.

Obwohl das Ziel eines geplanten Deckaktes natürlich immer die Trächtigkeit der Hündin und ein Wurf ist, gelangen eine Privatperson und ein Züchter auf ganz unterschiedliche Weise dorthin. Der Besitzer eines Gesellschafts- oder Gebrauchshundes lässt seine Hündin vielleicht von Zeit zu Zeit Junge bekommen und hofft, dass ihre Sprösslinge ähnliche Eigenschaften haben werden wie sie. Die Fortpflanzung ist jedoch nicht, wie häufig angenommen wird, unverzichtbar für das seelische oder körperliche Gleichgewicht der Hündin. In der Natur hängt die Möglichkeit zur Fortpflanzung bei den wilden Hundemeuten eng mit der Position des Tieres in der Hierarchie zusammen, denn der Deckakt ist ein Indiz für Dominanz.

Ein Züchter dagegen wählt seine Zuchthündinnen und -rüden nach ihrer Herkunft, ihren Vorfahren und ihren genetischen Merkmalen aus. Er umgeht das Hindernis der hierarchischen Ordnung, indem er beim Deckakt zwischen den von ihm ausgewählten Zuchttieren Hilfestellung leistet und die Leitung übernimmt. Falls ein Partner abgelehnt wird, kann er sogar auf die künstliche Besamung zurückgreifen, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten.

Die Geschlechtsreife des Hundes Die Geschlechtsreife beim Rüden

Der Zeitpunkt der Geschlechtsreife hängt wesentlich von der späteren Größe es ausgewachsenen Tieres ab (6 Monate bei Zwergrassen bis 18 Monate bei Riesenrassen) und entspricht beim Rüden dem Zeitpunkt, zu dem erstmals befruchtungsfähige Samenzellen gebildet werden. Da die Fruchtbarkeit bei den großen Rassen mit dem Alter schneller nachlässt (diese Phänomen hängt wahrscheinlich mit der Alterung der Schilddrüse zusammen), verkürzt sich auch der Zeitraum, in denen mit großen Hunden gezüchtet werden kann, um eben diese Zeit. Die Befruchtungsfähigkeit des Spermas beginnt bei den Riesenrassen teilweise bereits mit 7 Jahren nachzulassen.

Die Geschlechtsreife bei der Hündin

Wie beim Rüden tritt die Geschlechtreife bei der Hündin umso später ein, je größer ihre Rasse ist (ebenfalls zwischen 6 und 18 Monaten). Die ersten Läufigkeiten verlaufen in der Regel unauffällig und werden manchmal gar nicht bemerkt. Man muss bei der Hündin jedoch unterschieden zwischen der Geschlechtsreife (Fähigkeit zum Eisprung) und der Zuchtreife (Fähigkeit zum Austragen eines Wurfes). Es ist nicht ratsam, eine Hündin gleich in den ersten Läufigkeitsperioden decken zu lassen, da die Geburtswege noch nicht voll entwickelt sind. Von der Geschlechtsreife an durchlaufen die Geschlechtsorgane der Hündin einen immer wiederkehrenden Zyklus, der sich in der Regel durch zwei Läufigkeitsintervalle im Jahr äußert.

ANATOMISCHE BESONDERHEITEN BEI DEN FORTPFLANZUNGSORGANEN DES RÜDEN

1. Harnleiter
2. Blase
3. Samenleiter
4. Prostata
5. Harnröhrenmuskel (Musculus urethralis)
6. Bulbus penis
7. äußerer Genitalmuskel
8. Musculus retractor penis
9. Innenblatt des Präputium
10. Pars longa glandis
11. Harnröhrenöffnung

SEITENANSICHT DES GENITALAPPARATES BEIM RÜDEN

1. Harnröhre
2. Anus
3. Musculus retractor penis
4. Bulbus penis
5. Schwellkörper
6. äußerer Genitalmuskel
7. Nebenhodenschwanz
8. Hodensack (Skrotum)
9. Hoden (Testikel)
10. Nebenhodenkopf
11. Vorhaut (Präputium)
12. Harnröhrenöffnung
13. Pars longa glandis
14. Schwellknoten (Bulbus glandis)
15. Penis
16. Leistenring
17. Samenleiter
18. Blase
19. Harnleiter

Läufigkeit der Hündin Der Sexualzyklus der Hündin

Der Sexualzyklus der Hündin ist monoöstrisch (ein einziger Eisprung pro Zyklus) mit spontaner Ovulation, d. h. der Eisprung kann nicht durch die Paarung ausgelöst werden, wie das z. B. bei der Katze der Fall ist. Er wird in vier aufeinander folgende Phasen unterteilt:

  • Proöstrus zur Vorbereitung auf den Eisprung,
  • Östrus oder eigentliche Ovulationsphase,
  • Metöstrus (entspricht der dauer einer Tragzeit und Laktationsphase)
  • Anöstrus oder sexuelle Ruhephase.

Die Dauer der einzelnen Zyklusphasen kann variieren. Nur die Phase des Metöstrus dauert mehr oder weniger immer gleich lang (120 +/- 20 Tage). Die eigentliche "Hitze", die sich über die Phasen Proöstrus und Östrus erstreckt, hat eine durchschnittliche Länge von drei Wochen, aber ihre Dauer hängt vom Datum des Eisprungs ab, das von einer Hündin zur anderen und selbst bei derselben Hündin von einem Zyklus zum nächsten variiert. Wenn eine Hündin also einmal zwölf Tage nach der ersten Blutung ovuliert hat, kann man deshalb nicht davon ausgehen, dass der Eisprung im nächsten Zyklus zur selben Zeit stattfindet.

Ablauf des Zyklus

Im Proöstrus schütten die wachsenden Follikel unter dem Einfluss der Hypophyse Hormone aus, die so genannten Östrogene. Diese bewirken bei der Hündin Veränderungen im Verhalten (Anlocken von Rüden, Lecken an den Genitalien) und im Körper. Die Vulva (Schloss) wird stark durchblutet und sondert einen blutigen Ausfluss ab; die Rüden bleiben so in ihrer Nähe, sie lässt sie jedoch noch nicht aufspringen. Der Zeitraum, in dem die Hündin einen Rüden akzeptiert, ist in der Regel durch besondere Verhaltensmuster gekennzeichnet. Nun zeigt die Hündin häufig ein reflexartiges Bewegungsmuster: nach Stimulation der Vulva (dorsales Scheidendach) schiebt sie die Schwanzwurzel zur Seite. Bei der Interpretation dieses Zeichens muss man jedoch Vorsicht walten lassen, da einige Hündinnen auch außerhalb der Ovulationsperiode Rüden aufspringen lassen. Im Östrus werden die Scheidenabsonderungen klarer und schleimiger, was den Deckakt erleichtert. In dieser Phase findet der Eisprung statt; die Eizellen sind jedoch noch unreif, man spricht von "Oozyten". In der Regel dauert es weitere 48 Stunden, bis sie befruchtungsfähig sind. Im Gegensatz zu den meisten Arten beginnen die Eierstöcke der Hündin bereits einige Tage vor dem Eisprung, Progesteron (Trächtigkeitsschutzhormon) zu produzieren. Der Progesterongehalt im Blut teigt danach kontinuierlich an, egal ob eine Befruchtung stattgefunden hat oder nicht. Mit diesem Wert lässt sich also beim Hund der Eisprung nachweisen, nicht jedoch eine Trächtigkeit. Wenn die Ausschüttung von Progesteron ein bestimmtes Niveau erreicht hat, erreicht dieses im frühen Metöstrus zunächst ein Plateau. Es wird von den Gelbkörpern in den Eierstöcken produziert, in denen die Oozyten herangereift sind. Dieses Hormon bereitet den Uterus auf die Einnistung der Embryonen vor und ermöglicht seine Entwicklung im Fall einer möglichen Trächtigkeit. Unabhängig von einer Trächtigkeit, fällt der Progesteronspiegel zwei Monate nach dem Eisprung rapide ab; die Geburt wird so ermöglicht, gegebenenfalls beginnt die Laktationsphase und der Uterus bildet sich langsam zurück bis zur Ruhephase des gesamten Fortpflanzungsapparates der Hündin (Anöstrus).

ANATOMISCHE BESONDERHEITEN BEI DEN FORTPFLANZUNGSORGANEN DER HÜNDIN

1. Eierstock
2. Eileiter
3. Gebärmutterhorn
4. Ligamentum intercornuale
5. Gebärmutterkörper
6. Gebärmutterhals
7. Vagina
8. Vaginalfalten
9. Harnröhre
10. Harnröhrenöffnung
11. Fossa clitoridis
12. kleine Vestibulardrüsen
13. Scheidenvorhof
14. Hymen
15. Blase

Deckakt oder Besamung Bestimmung des optimalen Deckzeitpunktes

Im Hinblick auf die lange Befruchtungsfähigkeit der Samenzellen (durchschnittlich vier Tage im weiblichen Genitaltrakt) können die Chancen für eine Befruchtung optimiert werden, indem man die Ei- und Samenzellen zusammenführt, wenn sie "in Hochform" für eine Befruchtung sind. Idealerweise sollte der Deckakt innerhalb von 48 Stunden nach dem Eisprung ausgeführt werden, wenn die Zellen fruchtbar und mehrheitlich fähig sind, den Ort der Vereinigung (die Eileiter) zu erreichen. Die Eizellen bleiben über einen Zeitraum von zwei Tagen nach ihrer Reifung fruchtbar (bei einigen Rassen anscheinend sogar über mehr als vier Tage); auf diese Weise kann es bei Hunden zur mehrfachen Bedeckung auch durch verschiedene Väter kommen.

Die Hauptschwierigkeit besteht also darin, möglichst genau die biologischen Anzeichen für den Eisprung zu beobachten. Um den Zeitpunkt des Eisprungs bei einer läufigen Hündin zu bestimmen, verfügt der Züchter über mehrere Mittel von unterschiedlicher Genauigkeit, die sich gegenseitig ergänzen.

  • Das Ende des Proöstrus wird im Allgemeinen durch die klarer werdenden Absonderungen aus der Scheide angezeigt; dies ist jedoch kein zuverlässiges Zeichen für den Eisprung. Bei einigen Rassen, z. B. beim Chow-Chow, bleibt der Ausfluss bis zum Ende des Östrus blutig.
  • Eine praktikable Möglichkeit besteht darin, die Hündin systematisch etwa zwölf Tage nach den ersten Blutungen decken zu lassen und zwei Tage später noch einmal. Dabei muss aber sehr genau auf den Zeitpunkt der ersten Blutungen geachtet werden.

Diese Schätzung ist jedoch ungenau, da die Ovulation bei einigen Hündinnen (etwa 20%) außerhalb dieses Zeitraums liegt und daher keine Befruchtung stattfindet oder aber nur wenige Welpen geworfen werden.

  • Auch das Akzeptieren des Rüden oder des Testrüden und der Reflex, die Rute zur Seite zu schieben, sind keine zuverlässigen Anzeichen für den Eisprung. So hat man z. B. Hündinnen beobachtet, die sich vom Beginn des Proöstrus an bespringen lassen, obwohl der Eisprung im Extremfall erst dreißig Tage später stattfand.

Viele Hündinnen lassen sich auch während einer Scheinträchtigkeit oder bei Infektionen des Harnsystems bespringen oder wenn sie unter Östrogen absondernden Follikelzysten leiden, was sich durch Nymphomanie bemerkbar macht.

  • Durch die Messung der Widerstandskraft des Vaginalschleims mithilfe eines Galvanometers kann die Fließfähigkeit des Scheidensekrets recht präzise bestimmt werden. Dieser Wert fällt normalerweise direkt nach dem Eisprung und zeigt so das Ende der Östrogen-Sättigungsphase und damit die rasche Erneuerung der Vaginalzellen an. Der Diagnosewert, der aus dieser Messung hervorgeht, kommt für die Zucht leider zu spät, da es sinnvoller ist, den Zeitpunkt des Eisprungs vorherzusagen, als ihn hinterher zu bestätigen.
  • Teststreifen, die biochemische Veränderungen des Vaginalschleims anzeigen, lassen sich nur schwer tief genug in die Vagina einführen, um eine Verschmutzung durch Urin zu vermeiden. Die Ergebnisse sind in der Regel ungenau (in den drei Tagen vor und nach dem Eisprung ist eine Farbänderung festzustellen) und daher nicht sehr zuverlässig.
  • Scheidenabstriche machen nach festgelegten Farbmustern die Veränderungen der Vaginazellen aufgrund von hormonellen Veränderungen sichtbar, besonders unter dem Einfluss von Östrogenen. Diese einfache und ökonomische Technik wird heute routinemäßig von Tierärzten und Züchtern für eine erste Einschätzung der aktuellen Phase des Sexualzyklus angewandt.

Durchführung eines Scheidenabstrichs

Nach einer Untersuchung der Schwellung der Vulva wird der untere Rand der Vulva nach unten gezogen und der Stieltupfer vertikal entlang der hinteren Scheidenwand eingeführt, um ein Eindringen in die Fossa clitoridis zu vermeiden. Sobald der Scheidenboden erreicht ist, wird der Tupfer in eine horizontale Lage gebracht und vorsichtig so weit möglich eingeführt. Durch kreisende Bewegungen werden dann um den Gebärmutterhals herum Sekret und abgeschilferte Zellen entnommen. Der Tierarzt führt diese Untersuchung mithilfe eines speziellen Instruments (Spekulum) durch. So werden Verletzungen der Hündin vermieden und es kann ein korrekter Abstrich entnommen werden. Der Tupfer hat anschließend normalerweise zu Beginn der Läufigkeit ein rotes Aussehen, am Ende des Proöstrus ist er rosa bis farblos, im Fall einer Scheiden- oder Gebärmutterinfektion übel riechend. Das Ende des Stieltupfers wird anschließend vorsichtig auf einem vorher entfetteten Objektträger ausgerollt; dabei wird nicht zweimal über dieselbe Spur gefahren, damit keine Zellklumpen entstehen. Danach wird der Abstrich mit einem Fixierspray fixiert, gefärbt und vom Tierarzt ausgewertet.

Interpretation des Abstrichs

Außer der Einschätzung des Ovulationszeitpunktes lassen sich Scheidenabstriche auch zu anderen Zwecken einsetzen. Besteht der Verdacht auf eine unerwünschte Paarung, kann der Tierarzt nach eventuell vorhandenen Spermien suchen (bis zu sechs Stunden nach dem Koitus). Das Fehlen von Spermien schließt allerdings eine erfolgte Befruchtung nicht völlig aus. Der Tierarzt kann außerdem anhand der festgestellten Zyklusphase das Risiko einer Befruchtung einschätzen. Wenn sich die Hündin beispielsweise noch im Anöstrus oder im frühen Proöstrus befindet, ist die Gefahr einer erfolgten Befruchtung minimal und auf jeden Fall geringer einzuschätzen als die Risiken, die mit vorsorglichen medizinischen Maßnahmen zur Abtreibung verbunden sind. Ein Scheidenabstrich kann auch zur Freigabe bestimmter Behandlungen dienen, die während der sexuell aktiven Phasen nicht durchgeführt werden dürfen, wie z. B. die meisten Hormontherapien. Schließlich können über den Hormongehalt auch bestimmte Ursachen für Unfruchtbarkeit diagnostiziert werden (Läufigkeit ohne Eisprung, anovulatorische Läufigkeit, Gelbkörperinsuffizienz, Scheideninfektion usw.). Durch ihren Einsatzbereich, die leichte und schnelle Ausführung sowie die geringen Kosten leisten Scheidenabstriche gute Dienste bei der Hundezucht. Sie sollten aber nie als einziges Diagnostikum eingesetzt werden. Es empfiehlt sich, nicht nur, wenn die Interpretation eines Abstrichs nicht eindeutig ist, nicht mit dem klinischen Bild übereinstimmt oder hohe Kosten involviert sind, z. B. durch weite Strecken oder künstliche Besamung, dass der Eigentümer diese Analyse mit einem präziseren Mittel vervollständigen läßt: der Bestimmung des Progesterongehaltes im Blut.

  • Progesterongehalt im Blut (Anzeichen für den Eisprung) Um den Zeitraum des Eisprungs herum erhöht sich bei der Hündin normalerweise innerhalb einiger Tage die Konzentration von Progesteron im Blutplasma gegenüber seinem Grundwert (Basalwert) von weniger als 2 ng/ml auf einen Wert um 8 ng/ml um den Ovulationszeitpunkt herum. Danach steigen die Werte weiter bis auf mehr als 40ng/ml an und erreichen damit ihr Plateau.

Dieser Anstieg kann mehr oder weniger schnell vonstatten gehen; das ist von Hündin zu Hündin und auch bei derselben Hündin von Zyklus zu Zyklus unterschiedlich. Aus der Tatsache, dass 80% der Hündinnen um den 12. Tag der Läufigkeit ovulieren, lässt sich ableiten, dass ein früherer oder späterer Zeitpunkt des Eisprungs nicht eben selten zu beobachten ist, besonders bei bestimmten dafür anfälligen Rassen (Dobermann, Deutscher Schäferhund). Es wird davon ausgegangen, dass der Eisprung stattfindet, wenn der Progesteronspiegel einen durchschnittlichen Wert von 8 ng/ml erreicht (Variationen sind jedoch je nach der im Labor verwendeten Analysemethode möglich), und dass der Deckakt oder die Besamung daher in den 48 Stunden danach stattfinden sollte. Auf diese Weise wird die Reifung der Oozyten mit einbezogen. Zur Sicherheit sollte der Deckakt zwei Tage später noch einmal wiederholt werden. Auf diese Weise lässt sich der Zeitpunkt des Eisprungs recht präzise bestimmen; das erhöht nicht nur die Erfolgsquote beim Decken und bei der Besamung, sondern auch die Größe des Wurfs. In der Tat werden kleine Würfe allzu häufig auf das Alter der Hündin oder auf Ovulationsstörungen zurückgeführt, obwohl manchmal einfach nur ein falscher Deckzeitpunkt gewählt wurde. Durch eine geschickte Verbindung von Scheidenabstrichen und der Bestimmung des Progesteronspiegels und bei genauer Einhaltung der Vorgehensweise können die Läufigkeitsperioden mit sehr guten und wirtschaftlich rentablen Ergebnissen bestimmt werden. Die Vorteile: Erhöhung der Fruchtbarkeit und der Wurfstärke, weniger vergebliche Reisen zu erfolglosen Bedeckungen usw.

Unfruchtbarkeitsdiagnose beim Weibchen

Bevor Unfruchtbarkeit bei einer Hündin behandelt werden kann, muss natürlich zunächst sehr genau die Ursache dieses Zustands bestimmt werden. So lässt sich z. B. durch die regelmäßige Untersuchung des Progesteronspiegels in Verbindung mit dem Gehalt anderer Hormone im Blut und den Ergebnissen der klinischen Untersuchung feststellen, ob es sich z.B. um einen anovulatorischen Zyklus oder eine Resorption der Embryonen aufgrund einer Rückbildung der Gelbkörper mit damit verbundenem zu niedrigem Progesteronspiegel handelt, und die Behandlung entsprechend darauf abgestimmt werden.

Bestimmung des richtigen Zeitpunkts für einen Kaiserschnitt

Die meisten Rassen mit "eingedrückter" Schnauze (brachycephale Rassen), wie die Bulldogge oder der Mops, haben Schwierigkeiten beim Werfen (Dystokie). Der Tierarzt führt bei diesen Rassen daher häufig einen Kaiserschnitt durch. Wenn dieser zu früh vorgenommen wird, sind die Welpen frühreif und sterben in der Regel wenige Stunden nach der Geburt an Atemstörungen. Wird die Operation zu spät durchgeführt, werden die Föten durch die Wartestellung im Geburtskanal stark belastet, und es kann zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn kommen. Die Lebensfähigkeit des Fötus beim Hund hängt in entscheidendem Maße von der Aktivierung des so genannten Antiatelektasefaktors ab, einer oberflächenaktiven Substanz, die bei der Geburt die Aufnahme der Lungentätigkeit steuert. Die Reifung der Lunge ist eine Begleiterscheinung des Abfalls des Progesteronspiegels, der einige Tage vor dem idealen Wurftermin einsetzt. Der Tierarzt kann also durch eine einfache Bestimmung des Progesteronspiegels im Blut der Mutter genau feststellen, ob die Welpen nach einem Kaiserschnitt lebensfähig sind. Diese Technik hat zu einer erheblichen Steigerung der Überlebensrate bei Kaiserschnitt-Welpen geführt, besonders bei der Bulldogge; hier werden immerhin mehr als 90% der Welpen durch Kaiserschnitt geboren.

Gehalt an Luteinisierungshormon (LH) im Blut

Das LH (Luteinisierungshormon, wandelt den Follikel, der die Eizelle ernährt, in den Gelbkörper um, der Progesteron produziert) wird von der Hypophyse ausgeschüttet und bestimmt den Zeitpunkt des Eisprungs. Durch die Feststellung der höchsten Ausschüttung dieses Hormons lässt sich also die bevorstehende Ovulation selbst vorhersagen, nicht nur ihre Auswirkungen (Anhebung des Progesteronspiegels). Außer bei bestimmten Methoden der Unfruchtbarkeitsdiagnose wird dieser Wert jedoch von den Tierärzten noch nicht routinemäßig bestimmt.

Die Paarung

Nach der Auswahl der Zuchttiere und der Berechnung des Ovulationszeitpunktes wird die Hündin dem Zuchtrüden für den Deckakt vorgestellt. Aus hygienischen Gründen ist es ratsam, die Tiere vorher auf Verletzungen an den Genitalien zu überprüfen, um eine Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten zu vermeiden (vor allem durch das canine Herpesvirus). Eine gute Präventivhygiene (regelmäßige Säuberung des Präputiums, Sauberhalten der Böden) und regelmäßige serologische und mikroskopische Untersuchungen ersparen den Einsatz antiseptischer Mittel in letzter Minute, die häufig eine spermizide Wirkung haben und für manchen Misserfolg bei der Befruchtung verantwortlich zu machen sind. Bei den langhaarigen Rassen erleichtert das Glätten, Abteilen oder Scheren der Haare um die Vulva herum den Deckakt. Die Paarung beginnt mit einem kurzen Vorspiel und einer Phase des Beschnupperns; dadurch steigt die Erregung der Tiere. Dank des Penisknochens und des Blutanstroms im Schwellkörper des Penis erigiert dieser und kann eingeführt werden.

Bei der Hündin löst das Kontraktionen der Vagina aus, die ihrerseits den Aufstieg der Samenzellen, die Aufrechterhaltung der Erektion und das "Hängen" des Rüden während der Ejakulation begünstigt. Diese Phase sollte mindestens fünf Minuten dauern, kann aber auch eine halbe Stunde und länger anhalten. In den meisten Fällen kommen die Tiere sehr gut allein zurecht und sollten nicht unnötig durch Menschen gestört zu werden. Auch ein Deckakt ohne Hängen kann zur Befruchtung führen, die Wurfgröße ist jedoch im Allgemeinen geringer. Trotz der Fortschritte im Bereich der Ovulationsbestimmung ist es sicherer, den Deckakt 48 Stunden später noch einmal wiederholen zu lassen. Mehr als zwei Paarungen sind jedoch nicht nötig, wenn der Zyklus der Hündin genau verfolgt wurde. Wegen der Gefahr einer Befruchtung durch mehrere Rüden wird empfohlen, die Hündin von anderen Rüden fernzuhalten, bis die Anzeichen für den Östrus komplett verschwunden sind. Einige Besitzer lassen ihre Zuchthündin für einige Tage beim Rüden, nachdem sie einen Deckvertrag unterschrieben haben. Dieser kann in Anlehnung an das internationale Zuchtreglement aufgesetzt werden, das im Juni 1979 von der FCI angenommen wurde (es löste das Zuchtreglement von Monaco ab). Ein Mietvertrag dagegen regelt die Bedingungen, zu denen ein Züchter seine Zuchthündin einem Dritten überlässt, der die Welpen behält. Wenn sich aus verschiedenen Gründen die natürliche Paarung zwischen zwei ausgewählten Zuchttieren als unmöglich erweist, kann auf künstliche Besamung zurückgegriffen werden.

Künstliche Besamung

Als künstliche Besamung wird jede Technik bezeichnet, die der Befruchtung dient und ohne menschliche Hilfe nicht möglich gewesen wäre. So ist auch die einfache Entnahme des Samens beim Rüden und dessen sofortige Einführung in den Genitaltrakt der Hündin, häufig als "assistierter Deckakt" bezeichnet, eine künstliche Besamungstechnik mit so genanntem "Frischsperma".

Besamung mit Frischsperma

Diese Technik wird angewendet, wenn es zwischen den Zuchttieren nicht zu einer natürlichen Verpaarung kommt. Die Gründe dafür können sein:

  • charakterliche Unverträglichkeit,
  • Unerfahrenheit eines oder beider Tiere,
  • zu enger Genitaltrakt bei der Hündin (Scheidenatresie, Missbildungen der Vulva oder der Vagina, Scheidenvorfall unter Östrogeneinfluss während der Läufigkeit usw.),
  • Schmerzen eines der Tiere beim Deckakt (an Wirbelsäule, Hinterläufen Penisknochen oder Vagina
  • ungenügende Libido

Nachdem überprüft wurde, ob sich die Hündin tatsächlich in einer empfangsbereiten Phase befindet, gewinnt der Tierarzt das Sperma des Zuchtrüden in Gegenwart einer läufigen Hündin (dabei muss es sich nicht um die zu deckende Hündin handeln). Die fraktionierte Samengewinnung erfolgt auf folgende Weise:

  • Äußerliche Reinigung des Genitals
  • Stimulation des im Präputium liegenden Penis durch Massage bis dieser teileregiert ist. In dieser Phase wird das Vorsekret abgesondert.
  • Es wird weiter stimuliert bis spontane Beckenschübe beobachtet werden. Jetzt folgt die Abgabe der spermienreichen und anschließend spermienarmen Phase.
  • Durch Fixation hinter den Schwellkörpern wird die Erektion während aller drei Phasen der Ejakulation aufrecht erhalten.
  • Während des Hängens wird das sogenannte Nachsekret abgegeben (Prostatasekret, das zur Volumenauffüllung und damit zum Vorspülen der Spermien bis in den Uterus dient).
  • Für die Besamung werden nur die spermienarme, sowie reiche Phase verwandt. Allerdings ist es für die Abläufe der nachfolgenden natürlichen Deckakte des Rüden empfehlenswert die gesamte Reflexkette inklusive des Hängens nachzuahmen.

Nach erfolgreicher Spermagewinnung wird dieses auf dem Heiztisch eines Mikroskops untersucht; dabei wird Anzahl, Aussehen und Beweglichkeit der Samenzellen festgestellt. Wenn er mit der Qualität zufrieden ist, verbringt der besamende Tierarzt das Sperma mithilfe einer Sonde in die Vagina oder in den Uterus der Hündin ein. Die Hinterläufe der Hündin müssen nach vaginaler Besamung anschließend etwa zehn Minuten lang angehoben werden, um die Fortbewegung der Samenzellen zu begünstigen und deren Rückfluss einzuschränken.

Aus demselben Grund wird empfohlen, die Hündin in diesem Zeitraum möglichst nicht urinieren zu lassen. Angemerkt werden sollte noch, dass bei allen Phasen der Besamung die Samenzellen vor thermalen, mechanischen und chemischen Schocks geschützt werden müssen. Wenn diese Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden, sollte die künstliche Besamung mit Frischsperma zu einer ebenso hohen Befruchtungsrate führen wie die natürliche Paarung (etwa 80%).

Besamung mit flüssigkeitskonserviertem Samen

Die Besamung mit flüssigkeitskonserviertem Samen wird hauptsächlich eingesetzt, um große Entfernungen zwischen den Zuchttieren zu überbrücken und dem Besitzer der Hündin die Kosten einer langen Anreise und der Unterbringung beim Halter des Rüden zu ersparen. Ein zugelassener Tierarzt entnimmt dazu das Sperma des Zuchtrüden, kontrolliert seine Qualität und kühlt anschließend die spermienreiche Phase nach vorheriger Verdünnung durch eine Schutz- und Nährflüssigkeit auf 4 °C herunter. Dann wird das Sperma in einem Kälteschutz (Thermosflasche) per Kurier zum Tierarzt geschickt, der nach Kontrolle des Konservierungszustandes des Spermas sowie der Empfängnisbereitschaft der Hündin die Besamung vornimmt. Alle diese Vorgänge müssen in den 48 Stunden nach der Samengewinnung durchgeführt werden; eine perfekte Abstimmung aller Beteiligten ist daher unumgänglich (Verfügbarkeit des Rüden, Ausrüstung und Fachwissen der Tierärzte, genaue Überwachung der Läufigkeit der Hündin, schneller Transport). Diese Technik kommt daher vor allem für Zuchttiere in Frage, die in mittlerer Entfernung voneinander leben (im selben Land bzw. im europäischen Ausland).

Die Ergebnisse lassen sich mit denen der natürlichen Paarung vergleichen, obwohl durch die aufeinander folgenden Behandlungsschritte des Spermas die Vitalität der Samenzellen etwas beeinträchtigt werden kann.

Besamung mit Tiefgefriersamen

Das Sperma wird wie bei den anderen Techniken entnommen. Anschließend werden Qualität und Anzahl der Samenzellen genauestens überprüft; Sperma mit einem Gehalt von weniger als 150 Millionen beweglicher Samenzellen oder mehr als 30% anormaler Spermien sollte nicht eingefroren werden.

Anschließend wird das Sperma mit einer Kälteschutzflüssigkeit verdünnt, in gekennzeichnete Kapseln gefüllt und in einem Behälter mit flüssigem Stickstoff bei -196 °C für eine unbegrenzte Dauer eingefroren. Im Studienzentrum für künstliche Vermehrung (CERCA) des Veterinärinstituts von Alfort lagern Kapseln, die vor mehr als 16 Jahren eingefroren wurden!

Diese Kapseln dürfen nur mit Zustimmung des Eigentümers des Zuchtrüden verwendet werden, der nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage mit dem Besitzer der Zuchthündin einen Preis aushandeln kann. Bei solchen Transaktionen spielt die Samenbank also nur die Rolle eines Dienstleisters.

Hundesperma kann gegenwärtig nur in zugelassenen Einrichtungen tiefgefroren werden; Besamungen dürfen jedoch von allen entsprechend ausgebildeten Tierärzten durchgeführt werden. Das Sperma wird ihnen in Spezialbehältern zugeschickt, damit sie nach dem Auftauen die Besamung im geeigneten Moment durchführen können.

Das Sperma sollte in dem Lebensabschnitt entnommen werden, in dem sich der Rüde in der besten Verfassung befindet, nicht erst im Alter, wenn er zu erkranken droht oder vor einer therapeutischen Kastration. Für diese Technik gibt es zahreiche zootechnische Indikationen:

  • Sie ermöglicht den genetischen Austausch zwischen zwei Ländern, die durch Quarantänebestimmungen oder durch große Entfernung voneinander getrennt sind.
  • Mithilfe dieser Technik bleibt das Genmaterial eines wertvollen Zuchtrüden unbegrenzt verfügbar und kann auch dann eingesetzt werden, wenn der Rüde nicht zur Verfügung steht oder bereits gestorben ist.
  • Sie ermöglicht den Rückgriff auf älteres Genmaterial, wenn die Zuchtauswahl bei einem Züchterverein in eine genetische Sackgasse geführt hat. Die heutigen überzüchteten, allzu kurzschnäuzigen Bulldogen könnten z. B. von einer Auffrischung ihrer Linie mit dem Sperma weniger kurzschädeliger Rüden der Vergangenheit profitieren, da auf diese Weise die Anzahl der Dystokien verringert werden kann.
  • Schließlich können durch diese Technik bestimmte Rassen vor dem Aussterben geschützt und Rassen mit geringem Bestand rekombiniert werden.

Die künstliche Besamung unterliegt in Deutschland bei den einzelnen Zuchtverbänden unterschiedlichen Bestimmungen und ist zum Teil untersagt.

DECKNACHWEIS


Unabhängig von der angewandten Belegungs- oder Besamungstechnik müssen folgende Bedingungen erfüllt werden, damit ein Wurf von der SCC (Société Centrale Canine, französische zentrale Hundegesellschaft) in das LOF (Livre des Origines Françaises, Buch der französischen Abstammung) eingetragen werden kann:

• es muss überprüft werden, ob beide Zuchttiere nach der Prüfung zur Rassezulassung einen endgültigen Eintrag im LOF besitzen (Registrierungsbescheinigung in der Ahnentafel);

• der Besitzer der Hündin muss dem SCC innerhalb von vier Wochen nach dem Deckakt oder der Besamung den Decknachweis zugesandt haben.

Trächtigkeit

Feststellung der Trächtigkeit

Die Befruchtung einer Eizelle durch eine Samenzelle führt zur Bildung einer Zygote, die sich bei ihrer Wanderung in die Gebärmutter mehrmals teilt und sich dann in die Uterusschleimhaut einnistet. Diese Einnistung findet bei der Hündin um Tag siebzehn nach dem Eisprung statt. Nun bilden sich kleine Fruchtblasen, die sich erst ab der dritten Woche (frühestens am 18. Tag) durch eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) nachweisen lassen.

Von der dritten Woche an lässt sich bei einer genauen Untersuchung manchmal ein ampullenartiger Uterus ertasten, sofern die Hündin nicht zu dick und die Bauchdecke entspannt ist.

Zwischen der fünften und der sechsten Woche der Tragzeit erreicht der Durchmesser der Gebärmutter den einer Darmschlinge. In diesem Zeitraum ist es daher schwierig, durch diese Methode einen trächtigen Uterus von einer Darmschlinge mit hartem Stuhl zu unterscheiden.

Die Röntgenuntersuchung liefert erst zum Ende der Trächtigkeit brauchbare Ergebnisse, wenn das Skelett der Föten kalzifiziert ist und keine Strahlen mehr durchlässt (ab dem 45. Tag).

Andere Techniken wie Beobachtung von Verhaltensänderungen, Abhören der fötalen Herztöne (bei einigen Hündinnen in den letzten beiden Wochen festzustellen), Überprüfen des Blutes auf Veränderungen (Gerinnungsgeschwindigkeit, Hämatokritwert) oder Überprüfung der Entwicklung des Gesäuges setzen zu spät an oder sind zu ungenau, um sie zur zuverlässigen Feststellung der Trächtigkeit zu verwenden.

Die früheste Diagnose einer Trächtigkeit ist gegenwärtig also durch die Ultraschalluntersuchung möglich.

EMBYONALHÜLLEN BEIM HUND

1. Chorion villosum
2. Zottenglatze (Chorion laeve)
3. Urharnsack (Allantois)
4. Schafshaut (Amnion)
5. Nabelbläschen
6. Rand der Plazenta
7. Gürtelplazenta, Typ Plazenta endotheliochorialis.

Verlauf der Trägheit

Die Tragzeit der Hündin beträgt 58 bis 68 Tage (im Durchschnitt 63 Tage). Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Hündinnen hängen dabei mit der Differenz zwischen dem Datum des Eisprungs und dem Datum der tatsächlichen Befruchtung zusammen. Die Samenzellen können im Durchschnitt vier Tage im Genitaltrakt der Hündin überleben, bis die Eizellen befruchtungsfähig sind. Nach der Befruchtung werden die Eizellen zu Embryonen, die aus den Eileitern in den Uterus wandern und sich gleichmäßig in den beiden Gebärmutterhörnern verteilen. Die Einnistung, d. h. das Festsetzen des Embryos in der Gebärmutterschleimhaut, findet erst um Tag 17 nach der Befruchtung statt; daher kann die Trächtigkeit vor diesem Datum nicht per Ultraschall festgestellt werden.

Der Übergang vom Embryo zum Fötus und das Wachstum des Fötus werden durch die Ernährung über die Plazenta und die Bildung von Fruchthüllen (Amnion und Allantois) sichergestellt, die den Fötus umhüllen und schützen. Eine durch das Wachstum der Föten bedingte Umfangsvermehrung des Abdomens der Mutterhündin wird erst in der zweiten Hälfte der Trächtigkeit sichtbar.

Gründe für die Unfruchtbarkeit der Hündin

Die Fruchtbarkeitsrate einer Population erreicht bei keiner Rasse jemals 100%. Der maximale Wert liegt selbst in der Hundezucht, wo die Fortpflanzungsbedingungen ja optimal sind, bei höchstens 85%. Es wird sogar empfohlen, bei jeder Zuchthündin alle zwei Jahre mindestens eine Hitzeperiode ohne Deckakt verstreichen zu lassen.

Erst wenn eine Hündin also nach zwei aufeinander folgenden Läufigkeiten nicht trägt, kann man eine Unfruchtbarkeit vermuten. Der Tierarzt kann jedoch auch ohne so lange Wartezeiten bereits nach dem ersten Fehlschlag versuchen, der Ursache auf den Grund zu gehen.

Zunächst wird die Unfruchtbarkeit des Rüden ausgeschlossen, was problemlos über Spermaanalysen (mehrere Spermiogramme) und die Überprüfung seiner letzten Zuchtergebnisse geschieht. Wenn die objektiven Ergebnisse für eine Unfruchtbarkeit des Rüdens sprechen, gibt es normalerweise wenig Chancen auf Heilung, und es sollte besser auf einen anderen Rüden zurückgegriffen werden.

Nachdem diese Möglichkeit ausgeschlossen wurde, bleiben noch viele mögliche Ursachen für eine Unfruchtbarkeit der Hündin. Eine detaillierte Anamnese (Überprüfung vergangener Zyklen, ggf. der durchgeführten Behandlungen, v. a. hormoneller Art, Datum des Deckaktes, Paarungsverlauf, Art der Absonderungen aus der Scheide etc.) hilft dabei, die Ursache für die Unfruchtbarkeit festzustellen und ob das Problem bei der Eizellenproduktion, bei der Befruchtung, bei der Einnistung oder beim Austragen liegt.

Anomalien bei der Eizellenproduktion

Bei der Eizellenproduktion kann es zu folgenden Anomalien kommen:

  • fehlende oder verspätete Entwicklung der Oozyten im Eierstock (Probleme bei der Reifung der Oozyten).

Dieser Zustand äußert sich in fehlenden, stillen oder unregelmäßigen Läufigkeiten;

  • Blockierung der Ovulation, äußert sich manchmal in Nymphomanie (ständige oder verlängerte Läufigkeit);
  • Anomalien durch eine Infektion (besonders durch z.B. Viruserkrankungen, Herpes) oder seltener durch Ernährungsfehler (Defizite beim Energiehaushalt);
  • Verbleiben der Gelbkörper aus dem vorigen Zyklus im Eierstock mit fortgesetzter Absonderung von Progesteron, was die Entwicklung der nächsten Follikel verhindert (tritt bei Hündinnen selten auf);
  • Störungen der Eizellenproduktion nach Hormonbehandlungen (mit Anabolika, Progesteron, Kortikoiden usw.) oder zu intensives Bewegungstraining (übermäßige Produktion von männlichen Hormonen bei Sporthündinnen);
  • Anomalien aufgrund einer hormonellen Funktionsstörung (Störung der Schilddrüse oder der Nebennieren, Fettleibigkeit).

Da der Ursprung aller dieser Probleme beim Hund im Grunde genommen hormoneller Natur ist, muss der Tierarzt immer auch den Hormonspiegel untersuchen. Es liegt auf der Hand, dass die Behandlung dieser Fruchtbarkeitsstörungen sich jeweils nach ihrer Ursache richtet.

Die Behandlung dieser Zustände erfolgt über Hormone; entweder werden die entsprechenden Drüsen zur Hormonbildung angeregt, oder es wird ein Ersatz für die unzureichend produzierten Hormone verabreicht. Der Tierarzt geht dabei immer mit Vorsicht zu Werke, denn es besteht das Risiko, dass durch Hormongaben die Drüsen, von denen sie normalerweise produziert werden, vorübergehend oder endgültig ihre Funktion aufgeben. So kann beispielsweise die Verabreichung von Gelbkörperhormonen an eine geschlechtsunreife Hündin zum Herauszögern der ersten Läufigkeit wachstumshemmend wirken und zu einer vorübergehenden oder vollständigen Blockade der Zyklen führen.

Es ist also wichtig, Hormone niemals vorbeugend oder zur Behandlung einzusetzen, ohne dass vorher eine genaue Diagnose der Unfruchtbarkeitsursache erstellt wurde, und auch dann nur nach dem Fehlschlagen aller anderen Behandlungsmöglichkeiten darauf zurückzugreifen.

Anomalien bei der Befruchtung

Die meisten Fehlschläge bei der Befruchtung lassen sich auf einen ungünstigen Deck- oder Besamungstermin zurückführen. Wenn diese Ursache ausgeschlossen werden kann, erforscht der Tierarzt mögliche Hindernisse für die Vereinigung der Keimzellen. Eine Infektion der Vagina, der Gebärmutter, der Harnröhre oder auch der Prostata kann zur Zerstörung der Samenzellen führen oder ihr Vorankommen vor der eigentlichen Befruchtung behindern. Auch ein Verschluss der Eileiter nach einer Salpingitis (Eileiterentzündung) kann den Weg der Eizellen blockieren.

Anomalien bei der Einnistung

Nach der Befruchtung teilen sich die Eizellen mehrmals, verbleiben aber zunächst noch frei beweglich in den Gebärmutterhörnern, bis sie sich schließlich in der Gebärmutterschleimhaut einnisten. Die Schleimhaut muss auf die Einnistung vorbereitet sein, um die Plazenten ausbilden und damit die Ernährung der Embryonen sicherstellen zu können.

Zahlreiche Faktoren (Infektionen, glandulär-zystische Hyperplasie usw.) können diese Phase stören. Auch kann bei Hündinnen mit dicht aufeinander folgenden Läufigkeiten der Uterus nicht schnell genug in seine Ausgangsform zurückkehren und kann daher auch keine Embryonen aufnehmen.

Bestimmte Nahrungsdefizite (Mangel an Vitamin A/E) können sich ebenfalls ungünstig auf die Einnistungsphase auswirken, zeigen sich in der Regel jedoch schon früher durch andere deutliche Mangelerscheinungen.

Anomalien beim Austragen

Die ersten Entwicklungtage der Fruchtanlagen werden als Embryogenese bezeichnet, während der sich die unterschiedlichen Gewebearten ausbilden. In dieser Zeit sind die Föten also besonders anfällig für alle Krankheiten oder Vergiftungen der Mutter.

Um das Risiko des Absterbens der Föten (Resorption der Embryonen, Fehlgeburt) oder Missbildungen (Teratogenese) zu begrenzen, wird empfohlen, in den ersten 20 Tagen der Trächtigkeit auf alle Medikamentengaben zu verzichten.

Auch zahlreiche andere Ursachen können der Grund für einen Abbruch der Trächtigkeit sein:

  • genetische Unverträglichkeit der Eltern, wenn beide einen rezessiven, letalen Erbfehler haben, mit dem homozygote (reinerbige) Embryonen nicht lebensfähig sind;
  • bestimmte Chromosomenanomalien;
  • zahlreiche Keime, die wahrscheinlich zu Fehlgeburten oder Missbildungen führen:
  • Viren: Herpes, Staupe usw.
  • Parasiten: Toxoplasmen, usw.
  • Bakterien: Salmonellen, Pasteurellen usw.
  • einige darunter können epizootischen Charakter haben, z.B. die Erreger der Hundebrucellose in den USA;
  • jede physische oder psychische Verletzung kann zu vollständigen oder partiellen Fehlgeburten (Abstoßung eines Teils des Wurfes und Austragen der übrigen Welpen) führen;
  • zu frühe Rückbildung der Gelbkörper (Gelbkörperinsuffizienz), der das für die Hündin während der gesamten Tragzeit unverzichtbare Progesteron abgibt.


Ernährung der trächtigen Hündin

Bei gleicher Wurfstärke ist die Trächtigkeit für kleine Rassen deutlich belastender als für große Rassen. Um sich das zu verdeutlichen, braucht man nur einmal das Geburtsgewicht eines Welpen mit dem Gewicht der Mutter zu vergleichen: Beim Yorkshire-Terrier sind die Welpen im Verhältnis gleich viermal schwerer als beim Bernhardiner!

Das Gewicht eines Neugeborenen ist ein guter Indikator für den Austausch zwischen Fötus und Mutter während der Schwangerschaft. So stehen beim Menschen Wachstumsverzögerungen im Mutterleib meist in Zusammenhang mit dem Zustand der Mutter (Bluthochdruck, Mangelernährung usw.).

Weiterhin ergab eine Studie an 1.848 Ferkeln im Schweineversuchsbetrieb Guérnevéz ( Caugant und Guéblez, 1993), dass die Überlebensrate der Ferkel vor dem Absetzen deutlich mit ihrem Geburtsgewicht zusammenhängt.

Beim Hund gibt es ähnliche Beobachtungen; Welpen mit verzögertem Wachstum (aus unterschiedlichen Gründen) werden sogar oft von der Mutter verstoßen.

Das Futter für die trächtige Hündin muss also qualitativ und auch quantitativ so angepasst werden, dass ihre physiologischen Bedürfnisse in der Tragzeit erfüllt werden. Diese Bedürfnisse werden aus der Anzahl der Welpen und deren täglicher Gewichtszunahme errechnet.

Ernährung und Unfruchtbarkeit

Die Ernährung hat zwar nur einen gewissen Einfluss auf die Fruchtbarkeit, die Wurfstärke und die Anfangszeit der Trächtigkeit bei der Hündin, ist aber ein entscheidender Faktor für die Gesundheit der Welpen am Ende der Tragzeit, den Geburtsverlauf und vor allem beim Säugen.

So konnte beim Hund kein Ernährungsmangel direkt für die Unfruchtbarkeit bei ansonsten gesunden Tieren verantwortlich gemacht werden.

Die Technik des "flushing", bei der die Energiezufuhr des weiblichen Tieres über die Nahrung in der Phase vor dem Eisprung erhöht wird, um den Eisprung zu stimulieren, ist bei Nutztieren (Schafen, Rindern) sehr verbreitet; ihre Wirksamkeit konnte beim Hund jedoch nie nachgewiesen werden.

Es wird jedoch empfohlen, in diesem Zeitraum die Ernährung an die hormonellen Veränderungen anzupassen, die für dieses Stadium des Sexualzyklus charakteristisch sind (durch zusätzliche Gaben von Cholesterin, Jod, Vitamin A, Vitamin E, Zink usw.). Kommerzielle Futtermittel enthalten solche Stoffe in der Regel in ausreichender Menge.

Dagegen stellt man bei deutlich zu mageren oder im Gegenteil zu dickleibigen Hündinnen häufig Fruchtbarkeitsstörungen fest. In diesen Fällen muss der Anöstrus für eine Ernährungsumstellung ausgenutzt werden, damit die Hündin vor der Fortpflanzung ein gesundes Gewicht erreicht. In der Praxis gibt man einer mageren Hündin im Monat vor dem Östrus etwa 10% mehr Futter, im entgegengesetzten Fall reduziert man die Futtermenge um 10%, bezogen auf den Energiegehalt (Kalorienanzahl) des Futters.

Enegiezufuhr

Auch wenn der Appetit der Hündin ab der dritten Woche der Trächtigkeit häufig steigt, bleiben ihre Futterbedürfnisse in den ersten fünf Wochen relativ stabil, sowohl qualitativ als auch quantitativ. Zu diesem Zeitpunkt wachsen die Föten nur wenig, die Mineralisation ihrer Knochen hat noch nicht begonnen, und sie verdrängen noch nicht viel Platz in der Bauchhöhle der Mutter.

Um die fünfte Woche herum beobachtet man nicht selten eine vorübergehende Appetitlosigkeit was häufig als Bestätigung der Trächtigkeit angesehen wird. Zu diesem Zeitpunkt beginnen die Föten, exponentiell an Gewicht zuzunehmen, und ihr Skelett verknöchert. Dies führt bei der Hündin zu einem progressiven Ansteigen des Protein- und Energiebedarfs (in geringerem Maße auch des Bedarfs an Mineralien), selbst wenn gleichzeitig ihr Appetit und die Magenkapazität eher abnehmen.

Bei der Energiezufuhr über die Nahrung muss also bedacht werden, dass die Hündin gegen Ende der Tragzeit weniger Futter aufnehmen kann; das Futter muss außerdem die Bildung von Glykogenreserven bei den Welpen ermöglichen, ohne eine Fettablagerung im Geburtskanal der Mutter zu begünstigen. Die Nahrung für die Mutter muss am Ende der Tragzeit viele Kohlenhydrate enthalten, damit in der Leber der Welpen Glykogenreserven angelegt werden können und die Welpen bei der Geburt nicht den Gefahren einer Unterzuckerung ausgesetzt sind. Selbst wenn es theoretisch möglich ist, einen Hund mit kohlenhydratfreiem Futter zu ernähren (Kohlenhydrate sind für Fleischfresser nicht unverzichtbar, da ihr Körper sie aus Lipiden oder Proteinen selbst synthetisieren können), hat eine solche Diät im Versuch bei trächtigen Hündinnen zu einer erhöhten Welpensterblichkeit durch Unterzuckerung in den ersten Tagen nach der Geburt geführt.

Insgesamt setzt sich der Energiebedarf der trächtigen Hündin aus ihrem eigenen Bedarf zur Erhaltung ihrer Gesundheit und dem Bedarf der Welpen für deren Wachstum und die Erhaltung ihrer Gesundheit zusammen. So steigt der Energiebedarf bei einer Hündin von mittlerer Größe, beispielsweise einem Cocker Spaniel von 12 kg, bei einer Wurfstärke von sechs Welpen gegen Ende der Tragzeit um etwa 40% an.

Zum Ende der Tragzeit muss das Futter für die Hündin also besonders appetitlich sein (um ihre Appetitlosigkeit auszugleichen), einen hohen Energiegehalt haben und gut verdaulich sein. Es sollte am besten auf mehrer Mahlzeiten über den ganzen Tag verteilt werden. Nur bei zu mageren Hündinnen wird empfohlen, das Futter zur Selbstbedienung stehen zu lassen.

Proteinzufuhr

Ein Hundefötus besteht im Durchschnitt zu 82% aus Wasser, zu 13 bis 15% aus Proteinen (das sind etwa 80% der Trockenmasse), zu 1,5% aus Fett und zu etwa 2% aus Mineralien.

Aufgrund des hohen Proteingehalts der Welpen muss während der Trächtigkeit ein Proteindepot angelegt werden und daher die Proteinzufuhr für die Mutter erhöht werden (beim vorigen Beispiel der Cocker Spaniel Hündin wären das etwa 2,8 Mal so viel wie der normale Bedarf zur Erhaltung der Gesundheit).

Auch wenn einige Autoren eine übermäßige Proteinzufuhr über die Mutter für das Auftreten des so genannten Schwimmer-Syndroms bei den Welpen bestimmter anfälliger Rassen verantwortlich machen, ist diese Hypothese bei weitem noch nicht bewiesen. Häufig ist auch nur ein Welpe aus dem ganzen Wurf davon betroffen.

Darüber hinaus wird auch in der vergleichenden Pathologie die Ernährung der Muttersau nicht länger für das Ausgrätschen bei Ferkeln verantwortlich gemacht, das sich mit dem Schwimmer-Syndrom bei Hunden vergleichen lässt.

Mineralien und Vitamine

Besondere Aufmerksamkeit verdient der Vitamin-A-Gehalt des Futters für die Hündin, da dieses Vitamin über die Plazentaschranke diffundiert und so von der Geburt an für einen guten Schutz des Epithelgewebes der Welpen sorgt.

Aus diesem Grund kann das Futter bis zu 10.000 IE/kg Vitamin A enthalten (das Doppelte des empfohlenen Erhaltungsbedarfs). Eine Überdosierung ist jedoch zu vermeiden (ab der vierfachen Menge dieser Dosis), da diese zu Gaumenspalten, Missbildungen an Rute, Ohren und Wirbelsäule, Mumifikation der Föten und zu einer erhöhten Sterblichkeit der neugeborenen Welpen führen kann. Zwischen dem 17. und dem 22. Tag der Tragzeit sind die Föten dafür besonders anfällig.

Eine Überdosierung von Vitamin D kann zu Verkalkungen im Weichteilgewebe, Herzklappenverengung sowie vorzeitiger Schließung der Fontanelle führen.

Übermäßige und vorzeitige Kalziumgaben während der Tragzeit wiederum können zu Eklampsien (Schwangerschaftskrämpfen) vor oder nach der Geburt führen, die für Frühgeburten bzw. versehentliches Erdrücken der Welpen verantwortlich sind.

Zusammenfassend muss für die richtige Ernährung einer trächtigen Hündin Folgendes beachtet werden:

  • Der Futterbedarf der Hündin erhöht sich ab der fünften Woche um etwa 10% pro Woche; daher sollte Trockenfutter gegeben werden (selbst zubereitetes oder Dosenfutter enthält mehr als 80% Wasser und nimmt daher im Magen der Hündin, der ja in seiner Ausdehnung eingeschränkt ist, zwei- bis dreimal so viel Platz ein).
  • Das Futter muss eine hohe Energiedichte haben (verwertbarer Energiegehalt zwischen 3.800 und 4.300 kcal/kg Futter je nach Korpulenz, Aktivität und Temperament der Hündin) und leicht verdaulich sein; dieses Kriterium lässt sich leicht an der Menge und der Konsistenz der Ausscheidungen überprüfen.
  • Der Proteingehalt der Nahrung muss nach oben korrigiert werden (zwischen 25 und 36% Proteine pro kg Futter, je nach Wurfstärke), da die Welpen bei der Geburt in der "Trockenmasse" zu 70 bis 80% aus Eiweiß bestehen.
  • Die Mineralisation des Skeletts der Föten am Ende der Tragzeit erfordert eine erhöhte Zufuhr von Knochen bildenden Mineralien (besonders Kalzium und Phosphor). Die Kalziumzufuhr muss auf der Grundlage der Energiedichte des Futters berechnet werden, da die Energiedichte die aufgenommene Futtermenge bestimmt. Es dürfen nicht mehr als 4 Gramm Kalzium pro 1.000 kcal zugesetzt werden, um Eklampsien (Krampfanfälle) durch eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen bei der Geburt oder beim Säugen zu vermeiden. Die erforderlichen Phosphorgaben werden in der Regel so berechnet, dass das Verhältnis von Kalzium und Phosphor (Ca/P) insgesamt zwischen 1,2 und 1,4 liegt, der physiologischen Relation dieser Substanzen in den Knochen.
  • Das Gewicht der Hündin darf am Ende der Tragzeit nicht mehr als 120% ihres Normalgewichtes betragen (110% bei den Riesenrassen, 130% bei den Zwergrassen), um die Gefahr einer Verlegung des Geburtskanals mit Fettgewebe zu vermeiden.


MENEGNENTWICKLUNG DER NAHRUNGSZUFUHR DER HÜNDIN IM FORTPFLANZUNGSZYKLUS

PATHOLOGIE DER FORTPFLANZUNG

Scheinträchtigkeit

Diese Zustände werden nicht als pathologisch angesehen. Häufig bildet sich das Gesäuge nach einigen Wochen ohne Behandlung spontan zurück ohne Spätfolgen zu hinterlassen. Im Wolfsrudel bekommt zwar nur die Alpha-Hündin Nachwuchs, die anderen Wölfinnen aber können scheinträchtig werden um die Nachzucht der Rudelführerin mit aufzuziehen und diese somit zu entlasten.

Im Gegensatz zu allen anderen Haussäugetieren verlaufen die Hormonkurven bei tragenden und nicht-tragenden Hündinnen nahezu identisch. Daher kann der Progesteronspiegel auch nur zur Kontrolle eines erfolgten Eisprungs jedoch nicht zur Trächtigkeitsdiagnostik herangezogen werden.

Diese Tatsache erschwert die Unterscheidung zwischen einer Trächtigkeit und einer Scheinträchtigkeit. Anhand von Verhaltensänderungen (wie die Tendenz zum Zusammentragen verschiedener Gegenstände, um einen Wurfplatz zu bauen), Gewichtszunahme oder selbst auf das Ansteigen der Milch lässt sich unmöglich eine Unterscheidung festmachen.

Die genaue Ursache dieser Störungen, die oft in jedem Zyklus erneut auftreten, ist nicht bekannt.

Zuchthündinnen sind seltener betroffen als Hündinnen von Privatpersonen; bei diesen Tiere ist häufig eine extreme Unterwürfigkeit und Fixierung auf ihren Eigentümer festzustellen. Die Scheinträchtigkeit ist jedoch anscheinend nicht einfach der Ausdruck eines unerfüllten Trächtigkeitswunsches, da eine tatsächliche Schwangerschaft das Wiederkehren der Störung nicht beeinflusst.

Die Behandlung des Milchflusses aufgrund von Scheinträchtigkeit besteht in der Verabreichung von Antiprolaktin bei gleichzeitiger Verringerung der Trinkwassermenge und dem Auftragen von adstringierender Salbe auf das Gesäuge.

Beim Auftragen darf der Hundebesitzer das Gesäuge nicht massieren und muss auch versuchen, die Hündin am Lecken zu hindern (beispielsweise durch Anlegen eines Halskragens), um den Teufelskreis der Stimulation zur Milchproduktion zu unterbrechen.

Die Ovariektomie (Entfernung der Eierstöcke) bleibt jedoch die einzige Möglichkeit, Rückfälle endgültig zu vermeiden.

Metritis

Eine Metritis ist eine Entzündung der Gebärmutter, die in der Regel nur zu einem bestimmten Zeitpunkt im Sexualzyklus auftritt. Der Uterus entzündet sich am häufigsten durch den Aufstieg von Krankheitserregern durch den geöffneten Gebärmutterhals, entweder im Östrus oder nach dem Werfen.

Bestimmte Formen der Metritis treten innerhalb von ein bis zwei Monaten nach einer Hormonbehandlung mit Östrogenen zur Verhinderung der Einnistung nach einem unerwünschten Deckakt auf. Deshalb, und da es heute neuere und nebenwirkungsarme Behandlungsmethoden gibt, ist vom Trächtigkeitsabbruch mit Östrogenen dringend abzuraten.

Durch das Schließen des Gebärmutterhalses und dem Anstieg des Progesterongehaltes im Blut (Metöstrus) kann sich die Metritis durch eine Eiteransammlung im Uterus verschlimmern; dieser Zustand wird "Pyometra" (Gebärmuttervereiterung) genannt.

Die Laparoskopie bei den domestizierten Fleischfressern


Die Laparoskopie oder Bauchhöhlenspiegelung ist ihrer Definition nach die Erforschung der Bauchhöhle durch ein Endoskop.
Lange Zeit war das Einsatzgebiet für die Laparoskopie beschränkt auf die einfache Beobachtung der Eingeweide im Bauchraum. Dann wurden zunächst Organbiopsien möglich, schließlich auch chirurgische Eingriffe. Heute werden chirurgische Eingriffe durch Endoskopie beim Menschen routinemäßig vorgenommen; eine der häufigsten Indikationen ist dabei die Entfernung der Gallenblase, die Cholezystektomie. Die Tierärzte haben weitgehend vom technologischen Fortschritt bei den Endoskopieinstrumenten profitiert, was zu allererst der Chirurgie am Fortpflanzungsapparat des Hundes zugute kam.
Die Ovariektomie bei der Hündin, die Vasektomie beim Rüden oder auch die Entfernung eines verlagerten Hodens im Bauchraum sind alle durch die Laparoskopie möglich. Die Abteilung für Tierzucht der Staatlichen Tierärtzlichen Hochschule in Alfort hat Operationstechniken entwickelt, die mit einem einzigen Zugang auskommen; dadurch rückt die Laparoskopie als Standardeingriff bei den domestizierten Fleischfressern erstmals in greifbare Nähe.


Prof. Nicolas Nudelmann
Abteilung für Tierzucht
Staatliche Tierärtzliche Hochschule von Alfort, Frankreich

Pyometra

Bei der Pyometra (Gebärmuttervereiterung) muss zwischen einer offenen und einer geschlossenen Form unterschieden werden. Die Symptome können für den Besitzer schwer erkennbar sein, solange kein übel riechender Ausfluss aus der Vulva zu bemerken ist. Dies sind die gefährlichsten Fälle, da der Eiter aus drei Hauptgründen nicht von selbst abfließt:

  • Der Gebärmutterhals ist geschlossen;
  • der Progesterongehalt im Blut sorgt bei einer Trächtigkeit für die Erweiterung der Gebärmutter;
  • die horizontale Lage der Gebärmutterhörner erschwert das spontane Abfließen.

Klinisch gesehen, führen solche Gebärmuttervereiterungen häufig zu Lethargie, verbunden mit übermäßigem Durst und dem vermehrten Absetzen von Urin (Polyurie/ Polydipsie). Die Erkrankung kann durch die abgesonderten Giftstoffe auch auf die Nieren übergreifen. Der Tierarzt kann diese Vermutung durch Abtasten des Bauches, einen Scheidenabstrich, Blutanalysen, Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen überprüfen.

Es kann sich eine beträchtliche Menge Eiter ansammeln (mehrere Liter!).

Die medizinische Behandlung wird bestimmt durch die Form (offen oder geschlossen) und den Schweregrad der Erkrankung. Bei einer geringgradigen offenen Pyometra kann ein Behandlungsversuch mit einer Kombination aus bestimmten Antibiotika und Hormonen (Prostaglandin) erfolgen, die die Kontraktionsfähigkeit des Uterus erhöhen und die Öffnung des Gebärmutterhalses anregen, um das Abfließen zu erleichtern. In vielen Fällen ist eine chirurgische

Behandlung (Entfernung des Uterus mitsamt dem enthaltenen Eiter) in der Regel angezeigt, um eine rasche und endgültige Ausheilung sicherzustellen.

Tumore an Eierstöcken und Hoden

Im medizinischen Sinne ist ein Tumor einfach eine Gewebeansammlung. Dies sagt noch nichts über die Art des Tumors aus; er kann gutartig oder bösartig (Krebsgeschwür) sein. Der Begriff schließt jedoch Zysten und Abszesse aus, die Flüssigkeit oder Eiter enthalten.

Krebstumore an den Eierstöcken sind bei der Hündin zwar selten (etwa 1% der Krebsarten beim Hund), aber schwieriger zu diagnostizieren als Hodentumore, die meistens von außen zu erkennen sind.

Die meisten Eierstocktumore sondern Hormone ab, die den Sexualzyklus stören und zu symmetrischem Haarausfall auf beiden Flanken oder Keulen führen können. Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen lassen solche Tumore oft zu spät erkennen, da sie zunächst von der Hülle des Eierstocks verborgen werden.

Sind keine Metastasen im Bauchfell festzustellen, ist die Ovariektomie allen anderen Tumorbehandlungen vorzuziehen.

Hodentumore beim Rüden sind ebenfalls eher selten. Verdacht auf einen Hodentumor besteht auch ohne Schmerzen oder Anschwellen der Hoden bei einem älteren Hund mit hormonellen Störungen (Verweiblichung), einer Hypertrophie der Prostata, Unfruchtbarkeit oder Haarausfall an bestimmten Stellen. Das Verbleiben eines oder beider Hoden im Bauchraum macht ältere Hunde besonders anfällig für diese Art von Tumoren.

Monorchidismus und Kryptorchimus

Zu Beginn der Entwicklung des Fötus befinden sich Hoden und Eierstöcke in derselben Position im Bauch, hinter den Nieren. Im Gegensatz zu den Eierstöcken, die in dieser Position verbleiben, wandern die Hoden normalerweise unter dem Einfluss von Hormonen und die Verkürzung eines Leitbandes (Gubernaculum testis) in das Skrotum (Hodensack); dabei passieren sie den Leistenring. Die externe Lage der Hoden ist nach dem Erreichen der Geschlechtsreife für die Produktion von Samenzellen notwendig, die eine niedrigere Temperatur brauchen als die Körpertemperatur.

Diese Wanderung muss jedoch in den ersten Wochen nach der Geburt stattfinden, da sich sonst der Leistenring zu stark verengt, um die Hoden durchzulassen.

Die daraus resultierende Ektopie (Verlagerung) der Hoden wird als Monorchidismus bezeichnet, wenn nur ein Hoden betroffen ist, bzw. als Kryptorchismus (Hodenhochstand), wenn beide Hoden in der Bauchhöhle verbleiben. So führt ein Hodenhochstand in der Bauchhöhle zu einer doppelten Hodenverlagerung; der Tierarzt kann sie eventuell in der Bauchhöhle ertasten oder per Ultraschall nachweisen.

Die endgültige Lage im Hodensack nehmen die Hoden jedoch erst später ein (im Durchschnitt mit 6 Monaten); bis zu diesem Zeitpunkt können sie vorübergehend wieder in die Leistengegend rutschen, wenn der Welpe beispielsweise extremer Kälte ausgesetzt ist oder sich auf den Rücken dreht. Der Tierarzt muss den Welpen bei der ersten Untersuchung nach dem Kauf systematisch auf diese Anomalie hin untersuchen, um frühzeitig eine Verdachtsbescheinigung ausstellen zu können, falls die Anomalie auf dem Kaufbeleg nicht aufgeführt wird.

Die medikamentöse Behandlung zur Anregung der Hodenwanderung führen in der Regel zu enttäuschenden Ergebnissen, besonders wenn mit der Behandlung zu spät begonnen wird (nach der sechsten Woche).

Die Hodenverlagerung ist beim Hund so häufig anzutreffen, dass sie sogar in die Liste der so genannten "allgemeinen Fehler" aufgenommen wurde, die beispielsweise in Frankreich zu einer Annullierung des Kaufvertrags führen können, wenn diese Anomalie im Alter von 6 Monaten bescheinigt wird. Obwohl auch Hunde mit nur einem Hoden normal zeugungsfähig sind (im Gegensatz zu den Kryptorchiden), sollten sie nicht in der Zucht eingesetzt werden, da sie diesen Fehler möglicherweise weitervererben und darüber hinaus auch die in Frankreich nötige Rassenanerkennung nicht bestehen.

Um die Gefahr einer Tumorbildung an den verlagerten Hoden zu begrenzen, sollten diese Tiere nach Abschluss des Wachstums kastriert werden.

Infektionskrankheiten

Zahlreiche Infektionskrankheiten, ob von Bakterien oder von Viren hervorgerufen, können einen Einfluss auf die Fortpflanzung ausüben und zu Unfruchtbarkeit, Metritis, Fehlgeburten oder Welpensterblichkeit führen. Der Großteil der bakteriellen Infektionen der Geschlechtsorgane ist nur schwer mit Sicherheit zu diagnostizieren, denn auch wenn Krankheitskeime in entnommenen Proben (Scheiden- oder Vorhautabstrich) problemlos zu isolieren sind, ist es umso schwieriger, ihre Rolle als Auslöser der beobachteten Symptome nachzuweisen. Ihr Vorhandensein könnte auch die Folge einer Verunreinigung der Probe durch Urin, Scheidensekret bei der Hündin oder Prostatasekret beim Rüden sein.

In jedem Fall muss aber jeder übermäßige Ausfluss im Bereich der Vulva oder der Präputialtasche vom Tierarzt untersucht werden, der ihn mit den geeigneten Antiseptika oder Antibiotika behandelt. Antibiotika wirken jedoch nicht bei Virusinfektionen.