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Hundeschlitten-Rennsport und Ski und Pulka

Die ersten Spuren von Schlittenhunden sind 4.000 Jahre alt und wurden in Ostsibirien gefunden. Schlittenhunderennen sowie und Pulka wurden jedoch erst Anfang des letzten Jahrhunderts als sportliche Disziplinen anerkannt. Als der Goldrausch in Alaska damals seinen Höhepunkt erreichte, bildeten sich Gruppen von Schlittenhundbegeisterten, die Kraft und Schnelligkeit ihrer Gespanne aneinander messen wollten - so entstand ein neuer Sport.

Die ersten Wettbewerbe in Alaska

Aus diesen Wettkämpfen zwischen Gespannen und Goldsuchern entstand der berühmte Nome Kennel Club, der 1907 in Nome an der Westspitze Alaskas gegründet wurde. Ziel des Clubs war es, den korrekten Ablauf offizieller Rennen zu gewährleisten, für deren materielle Organisation zu sorgen und ein strenges Regelwerk aufzustellen.

Ein Jahr später verfasste Albert Fink, Rechtsanwalt aus Nome, die Satzung des allerersten Wettbewerbs, des All Alaska Sweepstake:

- Alle Fahrer müssen Mitglieder des Nome Kennel Club sein.

- Alle Hunde müssen im Club registriert sein.

- Der Fahrer kann über so viele Hunde verfügen, wie es ihm beliebt; jedoch müssen alle Hunde, die beim Rennen antreten, auch ins Ziel gehen, entweder im Gespann oder auf dem Schlitten.

- Die Hunde werden beim Start identifiziert und gekennzeichnet, damit sie während des Rennens nicht ausgetauscht werden können.

- Folgen zwei Gespanne dicht aufeinander (eines hinter dem anderen), muss das eingeholte Gespann unbedingt und unverzüglich anhalten, um das einholende Gespann vorbei zu lassen und eine bestimmte Zeit warten, bevor es weiterfährt.

Nachdem die Musher mit diesen Regeln bekannt gemacht worden waren, starteten sie das Rennen, dessen Strecke Nome-Canle-Nome 408 Meilen (ca. 650 km) umfasste. Der Begriff "Musher" bezeichnet die Gespannfahrer; er entstammt dem französischen Wort "marche", das die Frankokanadier ihren Gespannen zuriefen, um sie anzufeuern. Somit wurde das Wort - ebenso wie zahlreiche andere - in die englische Sprache übernommen, wo es zu "Musher" wurde. Fünf Tage nach dem Start erreichten die ersten Gespanne Nome - eine neue Legende war geboren.


Im Verlaufe der ersten Schlittenhunderennen auf dieser aus "Packeis, hohen Bergen, gefrorenen Flüssen, Tundra, Wäldern und Gletschern" bestehenden Strecke ging der zweifellos berühmteste Name aller Zeiten im Schlittenrennen hervor: Leonard Seppala, ein junger norwegischer Einwanderer. Mit seinen aus sibirischen Huskies bestehenden Gespannen gewann Leonard Seppala den All Alaska Sweepstake dreimal nacheinander, nämlich in den Jahren 1915, 1916 und 1917.


Einer seiner Konkurrenten schrieb über ihn: "Dieser Mann ist ein Übermensch. Er hat mich an jedem Tag des Rennens überholt, obwohl ich keineswegs langsam fuhr. Ich sah noch nicht einmal, wie er seine Hunde steuerte, und dennoch zogen sie, wie ich noch nie zuvor Hunde ziehen gesehen habe. Zwischen seinen Hunden und ihm gab es etwas, was ich nicht erklären kann. Es war irgend etwas Übernatürliches, eine Art Hypnosezustand..."


Zwischen 1908 und 1915 entwickelten sich die Gespanne weiter. Die ersten Huskies, die aus Sibirien importiert worden waren, stellten 1910 einen neuen Rekord mit John "Iron Man" Johnson als Musher auf (74 Stunden, 14 Minuten und 37 Sekunden).


Im Jahre 1911 gewann Allan Scotty Allan das Rennen mit "Alaska-Mischlingen" (eine Kreuzung zwischen Malamuten und Settern) in ungefähr 80 Stunden, wobei er mit einem heftigen Blizzard zu kämpfen hatte. Scotty Allan, eine weitere Größe des Schlittenhundesports, nahm an acht Sweepstakes teil. Dreimal trug er den Sieg davon, dreimal wurde er Zweiter und zweimal Dritter.


Aber Leonard Seppala war wirklich derjenige, der dem Schlittenhundesport zu Ruhm verholfen hat und dessen bester an der Spitze laufende Hund Togo allen Mushern der Welt bekannt ist. Er gewann zahlreiche Rennen in Neuengland, wo er mit einem jungen Studenten der Tiermedizin, Roland Lombard, Bekanntschaft machte. Als Tierarzt brachte "Doc" Lombard, der selbst weiter an Rennen teilnahm, den nordamerikanischen Hundeschlittenrennsport einen großen Schritt voran: Er gewann mehr Titel beim Anchorage World Championship (Weltmeisterschaft) als jeder andere und war erster Vorsitzender der International Sled Dog Racing Association (Internationale Vereinigung für Schlittenhunderennen, ISDRA).


Aber auch Georges Attla darf nicht unerwähnt bleiben, ein Athabascan-Indianer aus Huslia (Alaska). Er gewann alles, was es zu gewinnen gab, und sein Buch "Everything I know about Training and Racing Sled Dogs", erschien beim Verlag Arner in New York und gilt in der ganzen Welt als die Bibel aller Musher. In einem außergewöhnlichen Film "Spirit of the Wind", der jedoch nicht sehr erfolgreich war, wird die Geschichte eines sehr mutigen Mushers erzählt. Es ist die Geschichte von Georges Attla, der durch eine Knochentuberkulose ein Beimverloren hat und alle seine Abenteuer auf nur einem Bein besteht!

JACQUES PHILIP: 20 JAHRE AN DER SPITZE EINES WUNDERBAREN SPORTS

Der wurde in Frankreich um 1978/79 bekannt, als unser Pulka- und Hundeschlittenverein ungefähr 50 interessierte Mitglieder zählte. Die wohlhabendsten unter uns besaßen fünf Hunde, ich hatte damals lediglich zwei Tier.

Meine Leidenschaft für diesen Sport entdeckte ich während des ersten Schlittenhundetrainingslagers, das der Vorsitzende des Vereins, Thierry Bloch, veranstaltet hatte. Die herrlichen Bilder der Hunde, die Ernst Müller aus Alaska mitgebracht hatte, veranlassten mich zu einer ersten Reise nach Alaska im Jahre 1980, wo ich Earl und Nathalie Norris aufsuchte. Dort hatte ich Gelegenheit, die Grundlagen des Sports mit Huskies, Malamuten und Eskimohunden aus Kanada richtig kennen zu lernen.


Wieder zurück in Frankreich, gewann ich in den Jahren 1982 bis 1984 dreimal den Titel des Französischen Sprint-Champions. 1985 verschrieb ich mich dann völlig diesem Schlittenhundesport. Dann brach ich zu einem einzigartigen Abenteuer auf, dem Iditarod, den ich Joe Redington, dem Begründer dieses Rennens, verdanke. An diesem Rennen nahm ich zwischen 1987 und 1991 jedes Jahr teil.


Meine Kooperation mit der Firma Royal Canin begann ebenfalls 1987 und sie besteht bis heute. 1988 wurde der Alpirod ins Leben gerufen, der eine neue Art des Rennens mit Tagesetappen von 30 bis 80 km darstellte.


Diese Disziplin wurde schließlich zu meiner Spezialität und ich trug von 1992 bis 1994 jedes Jahr den Sieg davon. Das Erklimmen des Mount Mac Kinley, des höchsten Gipfels von Nordamerika (6.197 m), mit einem von fünf Hunden gezogenen Schlitten im Jahre 1990, stellt ebenfalls einen Höhepunkt in meiner Karriere dar, denn bislang haben nur zwei Gespanne dieses Wagnis auf sich genommen (das andere war das von Joe Redington).


Meine Frau Magali und ich leben heute in der Gegend um Fairbanks in Alaska, wo wir eine Zucht mit 80 Alaskan Huskies betreiben.

Nachdem ich 1997 die berühmte Alaska Come Back Race, ein Rennen mit Etappen von 800 km gewonnen habe, bereiten wir uns nun auf die Rocky Mountain Stop Race vor, was dem Alpirod in felsigem Gebirge entspricht.


Auf in nächste Abenteuer!

Schlittenhunderennen in den USA heute

Seit Anfang des Jahrhunderts haben sich die Rennen in den USA und Kanada vervielfacht und finden mittlerweile auch außerhalb ihrer Heimat Alaska statt. Ein weiterer Ursprungsort von Schlittenhunderennen war Neuengland, wo 1924 der New England Sled Dog Club gegründet wurde. Im Jahre 1932 ermöglichten die Olympischen Winterspiele in Lake Placid eine Vorführung des Schlittenhunderennens als Sport, was bei den zahlreichen Zuschauern äußerst gut ankam.


Der Zweite Weltkrieg bremste zunächst einmal die Entwicklung der Wettbewerbe; dann erfreuten sie sich aber umso größerer Beliebtheit und es wurden überall Vereine gegründet, wie zum Beispiel der Sierra Nevada Dog Drivers, dessen Vorsitzender, Robert Levorson, von 1971 bis 1974 auch Vorsitzender der ISDRA war. Im Jahre 1971 wurden Schlittenhunderennen von der Regierung des Bundesstaats Alaska offiziell zum Nationalsport erklärt.


Inzwischen ist es fast unmöglich, sämtliche in Nordamerika jeden Winter stattfindende Hundeschlittenrennen aufzulisten, nachstehend sind die größten Wettbewerbe aufgeführt: Fur Rendez-Vous World Championship, Anchorage (Alaska), World Championship Sled Dog Derby, Laconia (New Hampshire), World Championship Dog Derby, La Pas (Manitoba), North American Championship, Fairbanks (Alaska), Alaska State Championship, Kenai-Soldotna (Alaska), Race of Champions, Tok (Alaska), Surdough Rendez-Vous, Whitehorse (Yukon Territory), U.S. Pacific Coast Championship, Priest Lake (Idaho), All American Championship, Ely (Minnesota), Mildwest International, Lalkaska (Michigan), Québec International Course de Chiens, Québec City (Québec).


Alle Rennen finden jeweils einmal im Jahr statt und ziehen mehrere tausend Besucher an. Sie bestehen je nach Kategorie aus drei Runden von 25 bis 70 Kilometern und finden freitags, samstags und sonntags ganz oder teilweise in den Straßen der entsprechenden Orte statt. Der Sport hat sich jedoch mit der Entstehung der Hundeschlittenrennen über sehr lange Strecken verändert. Die wichtigsten Rennen dieser Art sind der Beargrease Sled Dog Marathon, der in Minnesota stattfindet und sich über 500 Meilen erstreckt; der Iditarod, das längste (theoretisch 1.049 Meilen, in Wirklichkeit jedoch über 1.800 km), härteste und aufgrund seiner großen Vergangenheit berühmteste Rennen; der Yukon Quest, der sich entlang des Flusses Yukon in Kanada bis nach Fairbanks (Alaska) erstreckt und beinahe 800 km lang ist sowie der Alaska Come Back, der Etappen von 800 km umfasst und im März in der Umgebung von Nenana stattfindet. Dieses Rennen gewann 1997 der Franzose Jacques Philip.


Im Verlaufe der Wettbewerbe wurden weitere Legenden geboren und es gingen weitere große Namen aus ihnen hervor: Joe Redington Senior, der größte Champion; "Doc" Lombard; Earl Norris, Züchter von Siberian Huskies und selbst der berühmteste Fahrer der Welt; Eddy Streeper, Weltmeister von 1985; Harris Dunlap, Rick Swenson, zweifellos der derzeit beste Konkurrent; Libbie Riddles, die als erste Frau 1985 den Iditarod gewann und Suzan Butcher, Gewinnerin des Iditarod 1986, 1987 und 1988. Zusammen mit Joe Redington fuhr sie ihr Gespann in mehr als 6.000 m Höhe auf den Gipfel des Mount Mac Kinley, was ihr Jacques Philip 1991 gleichtat. Diese Fahrer sind die Vorbildes eines jeden Mushers.

KATEGORIEN DER GESCHWINDIGKEITSRENNEN

Kategorie C
3 bis 4 Hunde
7,5 km pro Runde


Kategorie B
4 bis 6 Hunde
12 km pro Runde


Kategorie A
6 bis 8 Hunde
18 km pro Runde


Kategorie O
mehr als 8 Hunde
725 km pro Runde


Pulka Short
1 bis 3 Hunde
10 km pro Runde


Pulka Long
1 bis 3 Hunde
20 km pro Runde

Schlittenhunderennen in Skandinavien

Skandinavien (Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland) ist ein weiterer Ursprungsort des Schlittenrennsports. Die beliebteste Disziplin ist dort allerdings nicht das Schlittenrennen, sondern Pulka, ein Sport, der Langlaufski und Schlitten vereint. Der Skiläufer ist durch eine Leine mit dem Gespann verbunden, das im Allgemeinen aus ein bis drei Hunden besteht und einen wannenförmigen Gleitschlitten.


Für diese Disziplin bevorzugen die Skandinavier im übrigen Jagdhunde (Bracken, Pointer, Setter), da diese sich auf kurzen Strecken (7 bis 12 km) als schneller erwiesen haben und dem Einsatz als Einzelhund psychisch eher gewachsen sind.


Die Europameisterschaften 1988 (erster internationaler Wettbewerb) haben deutlich gezeigt, dass die Norweger derzeit die schnellsten Europäer auf kurzen Strecken sind.

Schlittenhunderennen in Mitteleuropa

Der Schweizer Schlittenhundeverein, 1959 auf Veranlassung von Dr. Thomas Althaus und Paul Nicoud gegründet, hatte sich von Anfang an der Förderung der Zucht und Entwicklung nordischer Schlittenhunderassen verschrieben, und so schien es auch naheliegend Schlittenhunderennen zu veranstalten. 1965 fand das erste Trainingslager in der Schweiz statt, das den wenigen damaligen Interessenten eine erste Gelegenheit bot, diesen Sport richtig kennen zu lernen, und zwar so, wie er in Nordamerika betrieben wird.


So entstanden recht schnell Winterrennbahnen in der Schweiz (Lenk, Saint-Cergue, Saingnelégier, Sils-Sankt Moritz usw.) und in Deutschland (Todtmoos, Bernau usw.), in Frankreich fand der erste landesweite Wettbewerb im Jahre 1979 statt. Im gleichen Jahr gründeten Thierry Bloch, Monique Bene und Yannick und Gilles Malaterre den Hundeschlitten- und Pulkaverein Frankreichs.


Seitdem war die Entwicklung des Schlittenhunde nicht mehr aufzuhalten und es entstanden immer mehr Gespanne. Unter der Obhut der ESDRA (European Sled Dog Racing Association) wurden in allen Ländern entsprechende Einrichtungen geschaffen. Zur gleichen Zeit wurde 1973 ein europäischer Verein gegründet, der Trail Club of Europe, der zum großen Teil das in den USA geltende, von der ISDRA (International Sled Dog Racing Association) aufgestellte Regelwerk übernahm. Seit 1974 wird jedes Jahr eine Meisterschaft in der Schweiz sowie eine Europameisterschaft in Deutschland organisiert.


Derzeit ist lediglich die ESDRA allen nationalen Einrichtungen übergeordnet. Sie ist für die alljährliche Organisation der Europameisterschaften zuständig (Austragungsorte 1984 in Sankt Moritz, Schweiz; 1985 in Todtmoos, Deutschland; 1986 in Les Fourges, Frankreich; 1987 in Winterberg, Deutschland; 1988 in Bruneck, Italien; 1989 und 1990 in Bad Minterdorf, Österreich). In jeder Kategorie treten die Besten eines Landes gegeneinander an.


1988 war das Geburtsjahr des größten europäischen Schlittenhunderennens, des Alpirod-Royal Canin, ein aus mehreren Etappen bestehender Wettbewerb, der an zwölf Tagen zwischen Januar und Februar auf einer Gesamtstrecke von 1.000 km stattfindet. Hier waren erstmalig Hundegespanne aus Alaska zu sehen, die an einem Rennen durch Italien, Frankreich, Deutschland, die Schweiz und Österreich teilnahmen - und gewannen (Joe Runyan, 1988, Kathy Swenson, 1989 und Roxy Wright, 1990).


1990 stellte einen Wendepunkt im Schlittenhunderennsport dar, denn unter der Schirmherrschaft der IFSS (International Federation for Sled Dog Sport) fanden in Sankt Moritz erstmals die Geschwindigkeitsweltmeisterschaften für Pulka und Hundeschlitten mit sechs, acht und zehn Hunden statt. Diese werden seitdem jedes Jahr ausgetragen. Die IFSS ist im übrigen Mitglied des Dachverbands der internationalen sportlichen Föderationen, wodurch nicht auszuschließen ist, dass das IOC diesen Sport eines Tages als olympische Wintersportart aufnimmt.


Pulka und Hundeschlittenrennen sind inzwischen zu den Hauptdisziplinen des Hundesports geworden. Unter der Schirmherrschaft einflussreicher Verbände und Einrichtungen hat dieser Sport international an Einfluss gewonnen und der Austausch zwischen Europa und Nordamerika wird immer reger. Der Pokal von Savoyen, der als Eröffnungsveranstaltung der Olympischen Spiele von 1992 stattfand sowie die Darbietungen in Lillehammer 1994 dürften dazu beitragen, dass diese Disziplinen schon bald von höchster Instanz anerkannt werden.