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Training des Sporthundes

Wenn von Hundesport die Rede ist und sich der Hund bei bestimmten Leistungen wie ein richtiger Athlet verhält, spricht man vom Training des Sporthundes. Es erscheint in der Tat vollkommen normal, dass sich ein menschlicher Sportler einem bestimmten körperlichen Training im Zusammenhang mit der von ihm gewählten Disziplin und seinem Niveau unterzieht. Für den Hund sollte genau das Gleiche gelten, wenn man möchte, dass er leistungsstark, gesund und glücklich ist.

DIE QUALITÄTEN SEINES JAGDHUNDES ENTDECKEN: MIT DEM GUNDOG WORKING TEST (GWT)


Die in England entstandenen Working Tests gelten für Spaniel und Retriever und ermöglichen es, Hund und Führer in Wettbewerbssituationen zu bewerten. Die Bewertung erfolgt anhand einer Punkteskala, die der Effizienz des Apportierens, der Art des apportierenden Hundes (gemäß der verschiedenen Rassen) und dem Verhalten des Führers Rechnung trägt. Am Ende dieser Prüfungen werden keine offiziellen Auszeichnungen verliehen, so wie dies bei Field Trials der Fall ist. Für den Test gibt es drei Niveaus: die Klasse "Puppy" für Hunde, die nach dem 1. Januar des vorjahres geboren wurden, die Klasse "Novices" für Hunde, die vor dem 1. Januar des vorjahres geboren wurden und noch nie an einem Field Trial in englischem Stil teilgenommen haben und die Klasse "Open" für Hunde, die bereits an einem Field Trial in englischem Stil teilgenommen haben.

Dominique Lebrun, Richter der Société Centrale Canine (Dachgesellschaft für Hundewesen)

Kenntnis der Belastung

Der Hundeführer sollte unbedingt über Kenntnisse in Sachen Arbeitsbelastung verfügen. Um eine körperliche Betätigung als Training bezeichnen zu können, muss sie von ausreichender Dauer und Intensität sein. Die Belastung muss mit der Verbesserung der gewünschten Leistung nach und nach gesteigert werden, ohne jedoch mühsam oder anstrengend für das Tier zu sein, da es ansonsten jegliche Motivation verlieren würde.

Eigenschaften der Arbeitsbelastung

Die Belastung muss stufenweise erfolgen, vor allem bei einem Hund, der gerade erst mit dem Training beginnt (bei einem bereits trainierten Tier kann man bestimmte Etappen eventuell beschleunigen), und dies auf kontinuierliche Art und Weise (damit die verschiedenen Trainingseinheiten wirksam sind, müssen sie regelmäßig stattfinden).

Die Belastung muss mit der Zeit variiert werden, denn es ist nicht möglich, die körperliche Fitness eines Hundes das ganze Jahr über auf dem selben Stand zu halten. Daher wird unterschieden zwischen

Vorbereitungs-, Wettbewerbs- und Trainingszeiten. Darüber hinaus muss die Belastung an sich variiert werden. Bei ein und der selben Disziplin werden mehrere körperliche Faktoren beim Hund beansprucht, nämlich Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Koordination. Dies bedeutet, dass sich der Organismus des Hundes auf verschiedene Arten anpasst, wobei die Erholungsphase bei jeder Anpassung anders ausfällt. Beansprucht ein Faktor den Organismus während der Erholungsphase eines anderen Faktors, wirkt sich der erste Faktor nicht negativ auf die Erholung des zweiten aus, sondern potenziert ihn im Gegenteil. Dieses System der wechselseitigen Belastung ermöglicht es, Zeit und Leistung zu gewinnen. So kann man den Hund zum Beispiel während der Erholungsphase nach einem Rennen anweisen, eine vollkommen andere Übung wie beispielsweise das Dehnen von Muskeln auszuführen.

Das Aufeinanderfolgen der verschiedenen Belastungsarten muss innerhalb einer Trainingseinheit in einer genauen Reihenfolge geschehen; die Übungen für Kraft, Schnelligkeit und Koordination werden dem Hund daher im Allgemeinen zu Beginn eines Trainings abverlangt. Anschließend folgen Übungen, deren Wirksamkeit auf einer vollständigen Erholung aufbaut, und am Schluss stehen reine Ausdauerübungen.

Trainingsmethoden

Training der Muskelkraft

Bei sehr intensiven, sehr kurzen Anstrengungen, auf die kurze Erholungsphasen folgen, ist es möglich, Belastung und Muskelkraft zu steigern, ohne dabei gleichzeitig den Sauerstoffverbrauch zu steigern oder einen Prozess des anaeroben Katabolismus (Milchsäurefermentierung) in Gang zu setzen. Dies ist das Prinzip aller reinen Kraftübungen; das beste Beispiel hierfür ist das Weight Pulling.

Training der anaeroben Kraft

Die anaerobe Kraft ermöglicht eine intensive Muskelarbeit bei fehlendem Sauerstoff, was bei schnellem Laufen (Windhundrennen, Angriff im Ring) der Fall ist. Um diese Kraft in der Praxis zu entwickeln, lässt man den Hund intensive, sehr kurze Übungen (10 Sekunden bis 1 Minute Sprint) durchführen, die sich mit Erholungsphasen (2 bis 4 Minuten) abwechseln. Diese Art des Trainings verlangt dem Tier physisch und psychisch sehr viel ab, daher sollte es nur kurz vor Eröffnung der Wettkampfsaison durchgeführt werden.

Training der aeroben Kraft

Die aerobe Kraft betrifft lang andauernde Anstrengungen, für die ein verbesserter Sauerstofftransport und eine verbesserte Sauerstoffnutzung erforderlich ist. Diese Art von Anstrengung wird vor allem Laufhunden, beispielsweise Schlittenhunden abverlangt. Hierfür empfehlen sich lange Dauerläufe bei mäßiger Geschwindigkeit oder aufeinanderfolgende kurze Läufe bei etwas höherer Geschwindigkeit (3 bis 5 Minuten), gefolgt von Phasen leichter Übungen (Schritt oder langsamer Trab). Die Verteilung der verschiedenen Trainingsarten erfolgt je nach Art der betriebenen Disziplin, wobei mit Erfahrung und durch Beobachten des Hundes am besten festgestellt werden kann, ob das Training wirkungsvoll ist.

AUSWIRKUNGEN DER BEZIEHUNGSART ZWISCHEN HUND UND MENSCH AUF DIE TÄTIGKEIT DES HUNDES


In einer definierten Gruppe gibt es schematisch gesehen drei Arten der Beziehung: "autoritär", "demokratisch" und "antiautoritär". In einer Arbeitssituation führt der Hund auf Anweisung des Führers eine Aufgabe aus. Hierbei ist er der Beherrschte, während der Mensch derjenige ist, der ihn beherrscht (Sozialstruktur vom Typ "Alpha-Omega"). In einem derartigen Rahmen ist die antiautoritäre Beziehung nicht angebracht, da sie die Ausführung einer Aufgabe unmöglich macht. Die Beziehung zwischen Hund und Mensch sollte daher zwischen autoritär und demokratisch liegen. Bei der Expedition "Licancabur-Gipfelhunde" im April 1996 in Chile, deren Ziel unter anderem darin bestand, das Verhalten von Trümmersuchhunden im Gebirge zu erforschen, konnten wir die Auswirkung der Beziehungsarten auf das Verhalten der Hunde in Extremsituationen vergleichen.


Bei der autoritären Beziehung wird den Hunden nur ein geringer Grad an Freiheit zugebilligt. Die Suche nach den Opfern wird vollständig vom Führer geleitet, der die Technik vorgibt. Der Hund hält hierbei ständigen Blickkontakt zu ihm und zeigt das Opfer erst dann an, wenn der Führer ihn dazu auffordert. In der Dyade (hier: Zusammenarbeit zwischen zwei Partnern) erfüllen beide Komplementäre Aufgaben. Der Hund kann hierbei als die "Nase" des Führers betrachtet werden, der weiterhin Entscheidungsträger bleibt.


Bei der demokratischen Beziehung suchen Hund und Führer den entsprechenden Bereich getrennt ab. Das Anzeigen eines Opfers ergibt sich aus einem Gegenüberstellungsprozess zwischen Hund und Mensch, so dass die Sucharbeit ein Zusammenwirken beider Partner ist.
Die Effizienz dieser beiden Beziehungsarten bei der Arbeit selbst ist vergleichbar, denn in beiden Fällen gelingtes, die Opfer zu finden. In Extremsituationen jedoch, die körperlich sehr stark an den Hunden zehren, ist die demokratische Beziehung eindeutig angebrachter.
In der demokratischen Dyade halten die Hunde unter schwierigen Bedingungen länger durch, denn es scheint so, als wären sie unter den Ermutigungen der Führer bereit und in der Lage, größere Beschwerlichkeiten zu ertragen.


In der autoritären Dyade weigern sich die Hunde, dem Führer zu folgen, sobald Beschwerlichkeiten auftreten, die ihr Leben gefährden könnten. Dieses Auflehnen kann soweit gehen, dass sie dem Führer gegenüber aggressives Verhalten an den Tag legen. Somit ist die Beziehungsart zwischen Mensch und Hund für die Erfüllung einer Aufgabe in Extremsituationen ausschlaggebend.
Die Bereitschaft des Hundes, Beschwerlichkeiten zu ertragen, scheint umso stärker zu sein, je mehr die Beziehung in der Dyade auf Gegenseitigkeit und Kommunikation beruht. Im Rahmen der Arbeit zwischen Mensch und Hund scheint es daher von Vorteil zu sein, die Beziehung demokratisch zu gestalten und einen gemeinsamen Entscheidungsprozess zwischen den Partnern anzustreben.


Jean-Marc Poupard, Forscher im Bereich
Biosoziologie, Menschen und Tiere
Universität Paris V, Sorbonne, René Descartes.

Training und Wettkampf

Aufwärmen

Jeder Athlet wärmt sich vor einem Wettkampf auf, um sein Enzym- und Sauerstoffzufuhrsystem (das ihm die nötige Energie liefert) intensiv zu aktivieren und die Reaktionszeit bei der Muskelkontraktion zu verringern.

Beim Hund kann das Aufwärmen mit einer Reihe von Dehn- und Streckübungen der Muskeln erfolgen, auf die dann ein Spiel folgt. Dies hat den Vorteil, dass die Motivation des Hundes gleichzeitig mit den Muskeln angeregt wird. Erfolgt das Aufwärmen richtig, kann die Koordination zwischen Nerven und Muskeln beim Hund verbessert werden, Muskelrisse und Krämpfe werden vermieden und es ist sichergestellt, dass sich das Tier zu Beginn des Wettkampfs in einem optimalen psychischen und physischen Zustand befindet.

Rückkehr in den Ruhestand

Die Rückkehr in den Ruhezustand nach dem Wettkampf ist ein nicht zu vernachlässigender Punkt, denn sie stellt u. a. den Erfolg in kommenden Wettkämpfen sicher. Mit einer Folge sehr leichter Übungen kann der Kreislauf auf muskulärer Ebene so weit erhalten werden, dass die Abbaustoffe (Milchsäure, Toxin usw.), die sich während der Anstrengung angesammelt haben, eliminiert werden können. Durch leichte Massage wird der Abbau von Toxinen ebenfalls gefördert und das Tier beruhigt. Der Hund leidet weitaus seltener unter Muskelermüdung und Muskelkater und seine Fitness bleibt, ebenso wie seine Laune, für die nächsten Prüfungen erhalten.

Abtrainieren

Es wird davon abgeraten, das Training nach Ende der Wettkampfsaison plötzlich ganz einzustellen, denn ein Tier, das plötzlich aufhört zu trainieren, verliert sehr schnell die Fähigkeiten, die es sich angeeignet hat, und ist verunsichert. Daher empfiehlt es sich, die Belastung langsam zu reduzieren, indem man die sportliche Betätigung mehr und mehr spielerisch werden lässt.

Erholung und übermäßiges Training

Nach einer Zeit der intensiven Anstrengung, wie dies bei einem Wettkampf der Fall ist, durchläuft der Hund naturgemäß eine Phase der körperlichen Erschöpfung. Wird der Hund fachgerecht ernährt und trainiert, erholt sich sein Organismus von dieser Erschöpfung und wird sie sogar überkompensieren, d.h., dass er nach der vollkommenen Erholung kurzzeitig in besserer Form ist als vor dem Wettkampf. Dies ist der ideale Augenblick, um ihm eine neue beträchtliche Anstrengung abzuverlangen.

Wird die Zeitspanne hingegen nicht eingehalten und dem Hund während der Erholungsphase eine neue Anstrengung abverlangt, ist der Organismus überfordert. Er kann sich nicht mehr normal erholen, wodurch ein Syndrom der Überanstrengung in Form von Appetit- und Gewichtsverlust, starker Empfindlichkeit und großer Ermüdbarkeit entsteht.

Der Erfolg einer Wettkampfsaison hängt demnach stark von der Einhaltung der Erholungszeiten des Hundes und der Kenntnis seiner "biologischen Uhr" ab.

Durch ein vernünftiges Training des Hundes wird sichergestellt, dass Gesundheit und Leistungen erhalten bleiben und dass er stets bei bester Laune - das ganze Jahr über. Gutes Training bedeutet, die Arbeit des Hundes zu achten und dafür sorge zu tragen, dass er sie so lange wie möglich im Rahmen seiner physischen und psychischen Fähigkeiten erledigen kann.

Erfahrung, Annehmen von Ratschlägen erfahrener Hundefreunde, Beobachten und Respektieren der Hunde, all dies sind Faktoren, die einen guten Trainer ausmachen.

ABLAUF-SCHEMATA BEI DER SUCHE NACH EINEM VERSCHÜTTETEN OPFER BEI VERSCHIEDENEN BEZIEHUNGSMUSTERN


Demokratische Dyaden

1. Visuelles Erkennen des Suchgebiets.
Der Hund begibt sich unverzüglich in ein begrenztes Gebiet, in dem sich die Opfer befinden.

2. Erforschen des Gebiets und seiner Umgebung.
Der Hund durchstreift das Gebiet.
Er schnuppert an den Stellen, an denen sich die Opfer befinden (Aufnahme von Geruchsinformationen). Die Suche wird auf das angrenzende Gebiet ausgedehnt; der Hund bewegt sich schneller vorwärts. Entfernt er sich zu weit vom Suchgebiet, kann er vom Hundeführer zurück gerufen werden. Während dieser Erforschungsphase arbeiten Hund und Hundeführer mehr oder weniger unabhängig und befinden sich relativ weit voneinander entfernt.

3. Entdecken des Opfers.
Der Hund kehrt in das Gebiet zurück, das er zuvor erforscht und als einen Ort erkannt hat, an dem wahrscheinlich ein Opfer verschüttet ist.
Sein Schnuppern wird intensiver.
Der Hund wartet auf den Hundeführer.
Er stellt den Blickkontakt zum Hundeführer her.
Der Hund zeigt die entsprechende Stelle an, sobald der Hundeführer ihn dazu auffordert. Die Zusammenarbeit verläuft so, als würden die Schlussfolgerungen des Hundes und des Hundeführers aufeinander obgestimmt.

Autoritäre Dyaden

1. Der Hund wird zum Suchgebiet geführt.
Der Hund folgt dem Hundeführer zum Suchgebiet.

2. Erforschen des Gebiets und seiner Umgebung.
Der Hund läuft neben dem Hundeführer her.
Der Hund wirft dem Hundeführer in regelmäßigen Abständen Blicke zu.
Während dieser Zeit arbeiten Hund und Hundeführer zusammen; der Hund untersteht hierbei der ständigen Autorität des Menschen.

3. Entdecken des Opfers.
Während des Erforschens hält der Hund an der Stelle an, an der wahrscheinlich ein Opfer verschüttet ist.

Der Hund schnuppert; er nimmt Blickkontakt zum Hundeführer auf.
Der Hund zeigt die entsprechende Stelle an, sobald der Hundeführer ihn dazu auffordert.
Die Zusammenarbeit verläuft so, als würde der Hund auf das Einverständnis des Hundeführers warten, den Fund des Opfers anzeigen zu dürfen.