Ernährung des Sporthundes
Vereinfachend ausgedrückt gibt es drei Kategorien von Faktoren, die sich auf die Nahrungsbedürfnisse des Sporthundes auswirken:
- Der Energieverbrauch, er kann quantitativ sehr verschieden ausfallen, darf jedoch qualitativ keinesfalls außer Acht gelassen werden;
Stress, sofern dieser durch Training und Wettkampf entsteht und somit Anpassungen der Ernährung erforderlich werden; - Dehydratation, die in nicht unwesentlichem Maße durch die Ernährung verhindert werden kann.
Daher sollte eine auf den Sporthund zugeschnittene Ernährung in der Praxis folgendes bewirken:
- Energie von optimaler Qualität und in angemessenen Mengen zuführen;
- Volumen und Gewicht des Darminhalts soweit möglich verringern;
- zum Erhalt einer für den Hund angemessenen Hydratation beitragen;
dämpfende Wirkung auf die durch das Laufen eingeleitete Versauerung des Stoffwechsels; - zur Optimierung der Ergebnisse eines korrekt durchgeführten Trainings beitragen;
- durch Stress entstandene physiologische Lücken schließen.
Auf keinen Fall sollte ein Windhund wie ein Jagdhund, oder ein Suchhund wie ein Schlittenhund ernährt werden, denn die Ernährung trägt mit dazu bei, die Leistungsfähigkeit des Hundes zu gewährleisten und Gesundkeitsprobleme sowie verlekungen zu vermeiden.
Spezifische Ernährung
Die Menge an Energie, die dem Hund zugeführt werden muss, hängt zunächst von der Intensität und der Dauer seiner Anstrengung ab. Allgemein gesehen sollte es das erste Ziel eines jeden Hundebesitzers sein, das Körpergewicht des Hundes zu erhalten, indem er ihn nach Möglichkeit jede Woche wiegt und die täglichen Futtermengen einem konstanten Idealgewicht anpasst.
Dank wissenschaftlicher Daten ist es inzwischen möglich, die Ernährungsbedürfnisse unter bestimmten Bedingungen zu ermitteln. So ist inzwischen bekannt, dass der Energiebedarf bei einem Windhund, der an einem Rennen teilnimmt, nur um 5% gegenüber dem Normalbedarf ansteigt, während ein 20 kg schwerer Schlittenhund unter extremen Bedingungen (wie beispielsweise beim Iditarod in Alaska, bei dem 150 km pro Tag bei einer Temperatur von -50°C zurückgelegt werden) mitunter bis zu 12.000 Kilokalorien pro Tag verbraucht, was dem Siebenfachen seines Normalbedarfs entspricht. Allgemeiner gesehen führt eine Stunde Arbeit zu einer Steigerung des täglichen Normalbedarfs an Energie um ca. 10%, woraus folgt, dass die Tagesration an einem Arbeits- oder Sporttag um 40 bis 50% gesteigert werden kann. Temperaturschwankungen müssen hierbei ebenfalls berücksichtigt werden: Damit der Hund gegen Kälte oder Hitze, die um seine "neutrale Wärmezone" (ca. 20 °C) herum herrscht, ankämpfen kann, benötigt er mehr Energie.
Die Qualität der Energie, mit der der Hund während einer Anstrengung versorgt wird, ist von größter Bedeutung; aus ihr ergeben sich daher die Kriterien für eine optimale Energie des Sporthundes. Abgesehen von der Beschaffenheit der verwerteten Nährstoffe selbst gelten zwei hinsichtlich der Qualität zu berücksichtigende Punkte:
- Die Energie muss schnell und einfach an den Stellen verfügbar sein, an denen sie verbraucht wird (Muskelzelle);
- Das Gleichgewicht der Energie spendenden Bestandteile muss so beschaffen sein, dass ihre Verbrennung mit einem Minimum an Abbaustoffen, einem Maximum an Effizienz und ohne Stoffwechselblockierung erfolgt.
Je länger die Anstrengung andauert, umso mehr sollte die Nahrung mit Fetten angereichert werden. Der Fettgehalt sollte demnach bei Hunden, die sich kurzzeitig körperlich betätigen, von 16 auf 20% erhöht werden, und bei Hunden, die sich ausdauernd betätigen, auf 35% (für Hunde, die sich bei mittlerer Dauer betätigen, sind 20 bis 25% ein optimaler Fettgehalt).
Damit die Energie bei Anstrengung für den Organismus einfach verfügbar und schnell nutzbar wird, sollte spezielle Trockenvollnahrung (von den Herstellern mit "Premium" oder "Superpremium" bezeichnet) verfüttert werden, die äußerst gut verdaulich und vollwertig ist und keine Verstopfungen verursacht. Dies lässt sich im Übrigen auf einfache Art und Weise beurteilen, indem man das Fäkalvolumen mit dem Volumen vergleicht, das der Hund zu sich genommen hat. Der Optimalwert beim Sporthund liegt bei 45-50 Gramm Fäkalien auf 100 Gramm Trockenmaterie.
Da Anstrengung Stress für den Organismus bedeutet, stellt er bestimmte Ansprüche an die Ernährung, die sich folgendermaßen darstellen lassen:
- Erhöhter Bedarf an Proteinen; je nach Intensität der Anstrengung müssen sie 32 bis 40% der Trockenmaterie in der Nahrung betragen;
- Vermehrter Bedarf an Vitaminen des B-Komplexes (vor allem B1, B6 und B12), aber auch an Antioxidantien (Vitamin E, Selen) und Fettsäuren der Reihe Omega 3 (in Fisch enthalten, verbessert den Fluss der roten Blutkörperchen und den Sauerstoffaustausch und mindert durch Anstrengung ausgelöste Entzündungserscheinungen);
- Verabreichung von Futterzusätzen, die in der verfütterten Vollnahrung nicht enthalten sind: L-Carnitin (wichtig bei der Erholung und damit die Zellen die Fettsäuren richtig nutzen können), Ascorbinsäure oder Vitamin C (normalerweise kein wesentlicher Nährstoff des Hundes) und probiotische Stoffe (Milchsäurebakterien, die die Verdauung verbessern).
ANPASSUNG AN FETTE: DIE POSITIVE UND DIE NEGATIVE SEITE
Professor David S. Kronfeld
Veterinär, Doktor der Naturwissenschaften, Absolvent der Colleges für Ernährung und innere Medizin, Polytechnisches Institut Virgina, Blacksburg, USA
Im Jahre 1970 wurde mir ein Gespann Wettkampf-Schlittenhunde zur Untersuchung in die Klinik für Kleintiere von Pennsylvania gebracht. Diese Hunde waren schon sehr frühzeitig, nach nur wenigen Kilometern Lauf erschöpft und die besten Spezialisten der Universität konnten die Ursachen nicht finden. Ich selbst war zu jener Zeit zwar auf Milchkühe spezialisiert, begab mich aber dennoch in die Zuchtstation der Hunde, um sie eingehend zu untersuchen. Ich sah, wie die Hunde ihre eigenen Exkremente fraßen, stellte fest, dass ihre Nahrung zu stärkereich war und entnahm Blut- und Urinproben. Wie dem auch sei, durch eine einfache Nahrungsumstellung dieser Hunde "zu Beobachtungszwecken" ? sie bekamen nun ganze Hühner zu fressen ? konnte das Problem behoben werden. Einige Wochen später liefen die Hunde, die die fetten Hühner fraßen, schneller und länger als die anderen. So entstand das Konzept der Anpassung des Hundes an Fette, das zunächst von mir selbst und später von dem amerikanischen Professor Arleigh Reynolds und dem französischen Professor Dominique Grandjean am Schlittenhund wissenschaftlich entwickelt wurde. Bei meiner Arbeit hat mir der Schlittenhund als Modell für Studien gedient, die ich seit einigen Jahren am technischen Institut Virginia an Sportpferden durchführe. Ein Pferd, das an Fette angepasst wurde und diese genau wie der Hund, jedoch mit einem geringeren Anteil an Lipiden in seinem Futter zu sich nimmt, spart sich beim Laufen sein Glykogen auf und wird daher ausdauernder, aber auch ruhiger und sogar leichter, denn es befinden sich in der Tat weniger unverdaute Nahrungsmittel in seinem Verdauungstrakt. Durch Anpassen des Tieres an die Aufnahme von Fetten kann ein typisches Muskelleiden von Sportlern vermieden werden, die Rhabdomyolyse durch Belastung, bei der Muskelfasern aufgrund von Milchsäureansammlung zerstört werden. Paradoxerweise ? und dies ist die negative Seite ? treten nun jedoch andere Muskelprobleme zutage, da Fette den Organismus zu einem vermehrten Verbrauch an Antioxidantien anregen. In den 80er Jahren stellte ich fest, dass der Gehalt von Vitamin E und C im Blut (antioxidativ wirkende Vitamin E) beim Schlittenhund abnimmt. Die vorgenannten Professoren konzentrieren ihre Forschungsarbeiten inzwischen auf dieses Problem, um das Niveau effektiver antioxidativer Futterzusätze zu bestimmen.
Die Ernährung in der Praxis
In der Praxis sollte das Futter des Sporthundes folgendermaßen beschaffen sein:
- Es sollte einen ausgewogenen Nährstoffgehalt aufweisen;
- Es sollte konzentriert und besonders gut verdaulich sein;
- Es sollte korrekt verabreicht und vom Hund verwertet werden.
Der Besitzer muss das Futter für Sporthunde deshalb unter Berücksichtigung der folgenden drei Kriterien Zusammenstellen:
- Decken des Normalbedarfs;
- Erhöhen der Energie und der wesentlichen Nährstoffe im Futter, verbunden mit einer Verminderung der Fäkalienmenge;
- Anreichern des Futters, damit es dem Energiebedarf bei Anstrengung (Fette und Öle) und daraus entstehendem Stress (Proteine, Vitamine) gerecht wird.
In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass hierbei lediglich industrielles Volltrockenfutter angebracht ist (und Dosenfutter ausgeschlossen ist), das je nach Besonderheiten der jeweiligen sportlichen Disziplin ergänzt werden kann.
Hat der Besitzer nun das richtige Futter gefunden, muss er einen Jahresplan für die Ernährung aufstellen, damit eine vollständige Anpassung an den jeweiligen Trainingsstand des Hundes erfolgen kann:
- Jährliche Ruhephase: Normalfutter von sehr guter Qualität,
- Trainingsphase: allmählicher Wechsel zu einer der Tätigkeit angepassten Ration (der Übergang bei jeder Änderung soll eine Woche lang erfolgen) oder vermehrtes Beimischen von Zusätzen zum Normalfutter,
- Wettkampfphase: Aufgrund des durch die Betätigung entstehenden Stresses müssen unter Umständen Futterzusätze verabreicht werden. Die Menge der Tagesration wird der Entwicklung des Körpergewichts des Tieres angepasst;
- Abtrainierphase: langsame Rückkehr zum Normalfutter.
Was die praktischen Einzelheiten der Futterverabreichung angeht, so ist darauf zu achten, dass der Sport- oder Gebrauchshund entgegen dem alten, Glauben nicht mit nüchternem Magen arbeiten darf, da dies seiner Leistung und seinem Wohlbefinden schadet. Morgens erhält er ein Viertel seiner Tagesration mit viel Wasser vermischt, und zwar mindestens vier Stunden vor Beginn seiner Tätigkeit. Die restliche Ration erhält er abends zu einer festen Zeit.
Darüber hinaus muss der Sporthund stets Gelegenheit zum Trinken haben, vor allem kurz nach einer körperlichen Betätigung, um Dehydratation zu vermeiden.









