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Der Hund im Film

Bereits sehr früh in der Geschichte des Kinofilms tauchte der Hund darin auf. Zu Anfang des Jahrhunderts trat er in einigen Stummfilmen als eine Art Dekorationselement in Erscheinung. Seine symbolische Rolle als Leidensgenosse an der Seite von Charlot in "Ein Hundeleben" aus dem Jahre 1921 war eine der bedeutendsten; jedoch übernahm erst 1922 im Film "Rintintin" in Hollywood erstmalig ein Tier die Hauptrolle.

Rintintin und Lassie

Was gibt es Natürlicheres als ein solches Hunde-Abenteuer, dessen Geschichte selbst eher fiktiv ist denn aus dem richtigen, ruhigen Leben eines Bauernhundes gegriffen? Ein von den Deutschen im Zweiten Weltkrieg als Bote eingesetzter Hund wurde von einem amerikanischen Flieger aufgenommen, der ihn nach Kriegsende mit in die Vereinigten Staaten nahm. Er stellte fest, dass sein Schützling sehr lehnfähig war und beschloss daher, den Hund zu dressieren. Dies war die Geburtsstunde von Rintintin, der von 1922 bis 1932 22 Filme drehte, in denen er stets den Helden ohne Furcht und Tadel spielte, zu allem bereit, um die Unschuldigen zu verteidigen. Sein weltweiter Erfolg erhob ihn rasch in den Rang eines echten Stars. Er hatte seine eigene Garderobe, unterschrieb "eigenpfotig" seine Verträge und wählte seine Partner aus. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn und schließlich der Enkel seine Rolle. Die vierte Generation von Rintintin brachte den Hund schließlich ins Fernsehen.

Ein anderer Superstar unter den Hunden war die berühmte Colliehündin Lassie. Sie wurde für fünf Dollar einem Tiertrainer abgekauft und begann ihre Karriere 1942 in "Lassie kehrt heim". Rintintin verfolgte mit großer Geschwindigkeit Bösewichte und setzte mit spektakulären Sprüngen über Abgründe hinweg; Lassie dagegen verkörperte die Treue und Ergebenheit eines Hundes seinem Herrn gegenüber, insbesondere wenn es sich um ein Kind handelt. Diese Colliehündin ist auf der ganzen Welt bekannt. Ihr Trainer und Agent verlangte für sie unglaublich hohe Gagen (50.000 Dollar pro Jahr und 4.000 Dollar pro Werbespot!), eine Garderobe, eine eigene Sekretärin, ja sogar bezahlten Urlaub! Die Lassie-Dynastie war bis zur dritten Generation im Kino zu sehen, danach hielt sie auch im Fernsehen Einzug. Diese beiden Beispiele in der Geschichte des Kinofilms zeugen auch vom Geschick und vom Geschäftssinn der Trainer, die ihren Schützlingen Anerkennung als echte Schauspieler verschafften.

Freund und Beschützer

Bis zu den 80er Jahren wurden lediglich einige Werke von Jack London verfilmt, wobei jedoch kein Hund als Hauptfigur auftrat. Meist durfte der Hund seinen Partnern nur das Stichwort geben, wie beispielsweise in "Der Ruf des Waldes" mit Charlton Heston.

Erst in den 70er Jahren nahmen sich die Disney-Studios wieder des Hundefilms an. Es musste ein Hund erfunden werden, der natürlich in jeder Lebenslage treu war und ein lustiges Gesicht hatte - der perfekte Freund der Kinder. Dieser Hund hieß Benji und war ein kleiner Bastard vom Typ Pyrenäenschäferhund. Erstmals hatte man keinen großen, stolzen Schäferhund gewählt, sondern ein quicklebendiges Fellknäuel, dem alle möglichen verrückten Abenteuer widerfahren. Disney drehte fünf Kinofilme mit Benji und entschied sich dann für eine Fernsehserie mit diesem Hund. Bei einer Gage von anderthalb Millionen Dollar pro Jahr ab 1974 erwies sich die Produktion von Benji als sehr kostspielig. In der Zwischenzeit gab es auch einige Filme über Polizisten und ihre Hunde, die aber nicht sehr erfolgreich waren. Aber seit 1990 gibt es einen neuen "Star" unter den Filmhunden, einen neuen Held der Kinder: ein großer, gutmütiger Bernhardiner mit dem Namen Beethoven. Des weiteren übernahm Disney die Neuverfilmung des Romans Der Ruf der Wildnis von Jack London.

Der denkende und sprechende Hund

Inzwischen tritt der Hund als echter Schauspieler auf, der denkt und spricht. Ein Beispiel hierfür ist der Film Charly im Land der Kängurus, die Geschichte eines Labradorwelpen in Australien, sowie Disneys "Die unglaubliche Reise" aus dem Jahre 1994, in dem zwei Hunde und eine Katze kreuz und quer durch die USA reisen, um ihren kleinen Herrn zu suchen.

Die Dressur von Filmhunden

Die neue Generation von Filmhunden hat professionelle Hundedressurschulen besucht, in denen sie alles gelernt haben, was sie für ihren Beruf brauchen: Auf Anweisung bellen, sich tot stellen, jaulen... Sie haben also richtigen Schauspielunterricht erhalten! Die Trainer wiederum investieren sehr viel Zeit und Geduld, aber sobald einer ihrer Schützlinge auserwählt wird, verdienen sie ein Vermögen!

Seit ungefähr zwanzig Jahren werden beim Dreh eines Films alle Szenen, in denen Hunde vorkommen, von Tierschutzorganisationen kontrolliert, damit das Wohlbefinden der vierbeinigen Darsteller sichergestellt ist.

Solange Hunde im Film erfolgreich sind, werden die Studios in Hollywood auch weitere dieser Filme produzieren. Natürlich wirken sich derartige Kinoerfolge nicht nur positiv aus, denn sie führen unweigerlich dazu, dass eine bestimmte Hunderasse in Mode kommt. Das Ergebnis ist eine Überproduktion von Welpen, wobei die Qualität vernachlässigt wird. Es bleibt zu hoffen, dass der Film den Hund eines Tages als das darstellt, was er ist, und nicht als Karikatur in Form eines niedlichen, vermenschlichten Hündchens.