Heldenhafte Hunde
Seitdem der Hund zum Haustier gemacht wurde, hat er den Menschen bei seiner Arbeit in allen Bereichen als Jagdhund, Wachhund oder Schäferhund unterstützt. Mit der Zeit wurde er aber noch mehr: ein Held, dessen Leistungen Menschenleben retten, wenn er als Lawinenhund, Fährtenhund zur Vermisstensuche, Trümmersuchhund oder Rettungshund im Meer eingesetzt wird.
Die Hingabe, die der Hund dem Menschen entgegenbringen kann, treibt ihn dazu an, in bestimmten Situationen, bei der Rettung von Menschen in Not, seine eigenen Leistungsgrenzen zu überwinden. Einige dieser Hunde verschiedener Rassen sind aufgrund ihrer Rettungsleistungen zu wahren Legenden geworden.
Die Schlittenhunde Togo und Balto
Februar 1925 in Alaska: Eine Diphterie-Epidemie wütet und droht, sich bis nach Nome, einer abgelegenen Stadt an der Westküste, auszubreiten. In jener Zeit kann kein Flugzeug die Verbindung nach Seattle sicherstellen, um das erforderliche Serum zu bringen. Man entscheidet sich deshalb für die Eisenbahn; die restlichen tausend Kilometer sollen mit dem Hundeschlitten zurückgelegt werden. Leonhard Seppala, seit 1920 der schnellste Hundeschlittenführer der Vereinigten Staaten, wird um Hilfe gebeten.
Um eine Verschlimmerung der Epidemie zu vermeiden, wird Hundeschlittenstafette organisiert. Sie läuft rund um die Uhr, um das Eintreffen der Arznei zu beschleunigen. Unter extremen Wetterbedingungen bei tobendem Blizzard nimmt Seppalla ungeheure Risiken auf sich. Togo und Balto, seine beiden Leithunde, werden von der Beharrlichkeit ihres Herrn mitgerissen und stellen eine außergewöhnliche Ausdauer und Charakterfestigkeit unter Beweis.
Ihnen ist es zu verdanken, dass das Serum rechtzeitig an seinem Bestimmungsort eintrifft. Sepalla und seine Hunde sind 500 km weit gelaufen und haben dadurch diese einmalige Leistung ermöglicht: Das Serum wurde in 127 Stunden und 30 Minuten an Ort und Stelle gebracht!
Seit jenem Tag findet jedes Jahr zur Erinnerung an diesen Wettlauf gegen die Zeit eines der größten polaren Hunderennen statt: Das Iditarod-Rennen.
Barry, der Bernhardiner
Bernhardiner sind die traditionellen Rettungshunde im Gebirge. Die Klostermönche des Hospizes am Grossen Sankt Bernhard in der Schweiz nahmen sie im 11. Jahrhundert auf; seit dem 17. Jahrhundert werden sie für die Rettung von im Gebirge vermissten Personen ausgebildet.
Barry wurde Anfang des 19. Jahrhunderts geboren. Seit jeher erhielten die schönsten Rüden der Hundezucht des Hospizes den Namen Barry, was "Bär" bedeutet. Barry allein rettete mehr als 40 Menschen, sein Ruhm wurde der Nachwelt überliefert. Zu seinem Gedenken wurde auf dem Tierfriedhof in Paris eine Statue errichtet. Auf ihr ist vermerkt, dass er von dem letzten Menschen, den er retten wollte, getötet wurde, weil dieser ihn für einen Bären hielt. In Wirklichkeit starb er jedoch 1814 an Altersschwäche, und sein Körper ist im Museum von Bern konserviert. Mit dem Image des Bernhardiners assoziiert man auch das Branntweinfässchen: eine Legende, die genauso falsch ist wie die vorhergehende. Branntwein ist für Menschen mit Unterkühlungserscheinungen nämlich lebensgefährlich.
Rudy, der Trümmerhund
11. Dezember 1988: Ein Erdbeben der Stärke 7,2 erschüttert Armenien. Angesichts des Ausmaßes der Sachschäden - zwei Städte sind vollkommen zerstört - wird um internationale Hilfe ersucht. Frankreich nimmt daran teil und entsendet Ausbildungs- und Eingriffseinheiten der Zivilen Sicherheit (UIISC), die sich etwa 24 Stunden nach der Katastrophe auf den Weg nach Armenien begeben. Ein Teil von ihnen sind Trümmerhundeführer. Unter ihnen befindet sich der leitende Hundeführer Deguerville mit seinem Hund Rudy, einer Kreuzung aus Husky und deutschem Schäferhund, der etwa 4 bis 5 Jahre alt ist. Die klimatischen Bedingungen sind nicht gerade milde: Die Außentemperatur beträgt tagsüber -3 bis -4° C und nachts etwa -20°C. An den ersten beiden Tagen lösen sich die Hundeführer rund um die Uhr ab. An den folgenden Tagen teilen sie ihre Zeit in sechs Stunden Suche gefolgt von drei Stunden Ruhe ein. Die Einwohner geben den Hundeführern Hinweise auf die Lage eventueller Opfer. Am 4. Tag ruft man den Hundeführer Deguerville zu einer Grundschule, in der kein Überlebender gefunden wird. Man macht ihn auf eine in der Nähe gelegene Schuhfabrik aufmerksam. Nach mehrstündiger Suche markiert Rudy einen Ort. Er zeigt seinem Hundeführer, dass er ein Opfer gefunden hat. Die Trümmer werden an dieser Stelle geräumt, und eine Frau wird lebend geborgen. Nach mehreren Tagen unter den Trümmern hatte sie ohne feste Nahrung und Wasser mit einer schweren Beinverletzung überlebt. Die Amputation konnte vermieden werden, und dank intensiver Pflege konnte sie sich wieder vollkommen erholen.
Rudy nimmt so einen Ehrenplatz an der Seite der heldenhaften Hunde ein, die verschüttete Menschen aus den Trümmern der Erdbeben im Iran oder in Mexiko gerettet haben.


